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Die alten Boote und Lanzen der Tegernseer Schifferstecher haben ausgedient. Die Truppe um (v.l.) Georg und Peter Gaugenrieder sowie Simon Weiß, Michael Hecht und Schifferstechwart Florian Ostler (nicht im Bild) wollen die Gerätschaften heuer erneuern.

Alte Geräte haben nach 15 Jahren ausgedient

Tegernseer Schifferstecher: Neue Boote müssen her

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Die Auftritte der Schifferstecher sind die große Attraktion bei den Seefesten in Rottach-Egern und Bad Wiessee. Es geht zu wie bei einem Ritterturnier im Wasser. Nun brauchen die mutigen Mannen neues Gerät.

Bad Wiessee – „Gstumpad und schwaar“, so sieht er aus, der ideale Schifferstecher. Denn dann, sagt Georg Gaugenrieder (41), bringe er die nötige Stabilität mit, um sich beim Kampf auf dem Podest zu halten. Wer das Gleichgewicht verliert, verabschiedet sich ins Wasser. Zum Vergnügen der gegnerischen Mannschaft – und natürlich des Publikums. Seit etlichen Jahren sind die Tegernseer Schifferstecher von den Seefesten in Bad Wiessee und Rottach-Egern nicht mehr wegzudenken. Und auch beim Lichterfest in Gmund liefern sie sich jeden Sommer ihre Kämpfe.

Damit das auch künftig möglich ist, heißt es in diesem Frühjahr Ärmel hochkrempeln für die Truppe. In Eigenleistung möchten die Schifferstecher demnächst ihre alten Boote durch zwei neue ersetzen. „Im Sommer sind die Boote drei Monate im Wasser, die übrige Zeit liegen sie auf dem Trockenen – da arbeitet das Holz natürlich“, erklärt Gaugenrieder. Heißt: Nach 15 Jahren haben die alten Kähne ausgedient. Neue müssen her.

Gemeinden haben Holz gesponsert

Das Holz für die Nachfolge-Modelle liegt schon bereit. Die Gemeinden Bad Wiessee und Rottach-Egern sowie die Sportfreunde Gmund als Ausrichter des Lichterfests haben bei der Beschaffung geholfen. Verarbeiten möchten es die Schifferstecher in Eigenregie. Handwerker gebe es ja genügend in ihren Reihen. „Momentan sind wir gerade bei den Vorplanungen“, berichtet Gaugenrieder, der im zarten Alter von zwölf Jahren mit dem Schifferstechen begonnen hat und heute mit seinen 41 schon fast zum alten Eisen gehört.

Vier Wochenenden werden die Schifferstecher wohl in den Bau der Boote investieren müssen, schätzt Gaugenrieder. So etwas wie einen Bauplan gibt es nicht. „Das machen wir eher frei Schnauze“, sagt der Wiesseer und lacht.

Die Lanzen sind eine Eigenerfindung

Mit den Booten allein ist es aber längst nicht getan. Auch neue Lanzen benötigen die knapp 15 aktiven Schifferstecher vom Tegernsee. Die sind übrigens eine „Eigenerfindung“, wie Gaugenrieder erzählt. Die Lanzen sind nichts anderes als ausgediente Surfmasten, die noch mit einem Querbalken und vorne mit einem Pfropfen aus Gummi versehen werden. Damit zielen die Männer dann auf ihre Gegner – aber nicht willkürlich, wie der 41-Jährige betont. Anvisiert werde stets die linke Brustwarze. Im Regelwerk der Schifferstecher heißt es dazu: „Jeder Stecher muss seine Brust dem Gegner zugewandt präsentieren.“ Und weiter: „Um Verletzungen zu vermeiden, darf der Stecher sich nicht abwenden oder wegducken.“

Hoch her geht es bei den Kämpfen der Tegernseer Schifferstecher.

Ursprünglich stammt das Schifferstechen übrigens aus Frankreich. „Früher sind damit die Fischereirechte ausbaldowert worden“, berichtet Gaugenrieder. Am Tegernsee gibt es die Disziplin seit den 80er-Jahren, Mitglieder der Wasserwacht Rottach-Egern haben hier einst das Schifferstechen etabliert. Heute, sagt Gaugenrieder, kommen die Aktiven aus dem gesamten Tegernseer Tal. Weil viele von ihnen auch Mitglied bei der Wasserwacht Bad Wiessee sind, haben sie ihre Heimat im Wiesseer Baustadl am Überfahrtweg. Dort wird im Sommer auch regelmäßig trainiert. Und zwar „sobald das Wasser eine einigermaßen erträgliche Temperatur hat“, wie Gaugenrieder sagt. Schließlich messen sich die Schifferstecher immer wieder bei Auswärtsturnieren und richten im August auch einen eigenen Wettbewerb auf dem Tegernsee aus.

Schifferstecher müssen fit und männlich sein

Wer das Schifferstechen einmal selbst ausprobieren möchte, ist beim Training, das immer montags stattfindet, gerne gesehen. Die Truppe könnte Nachwuchs nämlich gut gebrauchen, wie Gaugenrieder sagt. Doch welche Voraussetzungen braucht ein Schifferstecher heutzutage? Ein wenig körperliche Fitness sollten die Anwärter schon mitbringen, meint Gaugenrieder. Und männlich müssen sie sein. „Das ist kein Chauvinismus“, stellt der Wiesseer klar. Aber nachdem im Kampf stets die Brust des Gegners anvisiert werde, sei dieser Sport für die Frauenwelt doch eher ungeeignet, fügt er hinzu.

gab

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