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Riesen Barefoot-Hotel von Til Schweiger am Tegernsee: Nachbarn empört - „Gigantischer Riegel“

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Von: Gabi Werner

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Beim Ortstermin am Schaugerüst erhielten Gemeinderäte und Bürger einen Eindruck von der Höhenentwicklung des geplanten Barefoot-Hotels. Die üppigen Ausmaße sorgen vor allem bei den Nachbarn für Unmut.
Beim Ortstermin am Schaugerüst erhielten Gemeinderäte und Bürger einen Eindruck von der Höhenentwicklung des geplanten Barefoot-Hotels. Die üppigen Ausmaße sorgen vor allem bei den Nachbarn für Unmut. © Thomas Plettenberg

Das geplante Barefoot-Hotel in Bad Wiessee wird kein zierliches Gebäude. Bei einem Ortstermin am Schaugerüst machten nun die Nachbarn ihrem Unmut Luft. Im Beisein der Projektentwickler.

Bad Wiessee – Hinter dem Hotelprojekt an der Hirschbergstraße in Bad Wiessee steht ein prominenter Name: Schauspieler Til Schweiger fungiert als Lizenzgeber für die Barefoot-Hotels, von denen in naher Zukunft etliche in Europa entstehen sollen.

Nachbar des künftigen Barefoot-Hotels: „Sie riegeln hier ein ganzes Viertel ab“

Auf Hans Stolb macht das wenig Eindruck. Er ist direkter Nachbar des rund 7000 Quadratmeter großen Baugrundstücks, auf dem früher ein Kinderkrankenhaus stand und das seit Mitte der 80er-Jahre brach liegt. Und er ist wenig erbaut von dem Gedanken, dass er von seinem Anwesen aus künftig auf einen etwa 70 Meter langen, massigen Baukörper blicken soll.

„Sie riegeln hier ein ganzes Viertel ab“, hielt er dem Planer und den Projektentwicklern Rainer Leidecker und Ernst Tengelmann vor, die neben den Vertretern des Gemeinderats und interessierten Bürgern zum Ortstermin erschienen waren. Ein strittiger Punkt: die Höhenentwicklung des künftigen Hotels. Dass die Traufhöhe des Gerüsts – wie im Bebauungsplan verankert – bei zwölf Metern liegt, wollte Stolb nicht gelten lassen. Hier müsse vom tiefsten Punkt des Geländes aus gemessen werden, sagte er.

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Architekt: Zeitgemäßes Hotel braucht gewisse Geschosshöhen

Architekt Christof Lampadius verteidigte die geplanten Ausmaße. „Wir sind ohnehin mit dem Gebäude schon unter die Bodensohle gegangen, um die Höhe zu drücken“, erklärte er. Die Ansprüche an ein Hotel hätten sich verändert, heutzutage müsse viel Technik in einem solchen Gebäude untergebracht werden. „Deshalb müssen wir mit gewissen Geschosshöhen rechnen“, sagte Lampadius.

Man habe hier ein Hotel konzipiert, das sich wirtschaftlich betreiben lasse. Er könne verstehen, dass die Nachbarn angesichts des sehr hohen Baukörpers nicht begeistert seien, räumte der Architekt ein. Er verwies aber darauf, dass man ein Grundstück mit bestehendem Bebauungsplan erworben habe. Lampadius zeigte sich überzeugt, dass hier ein Hotel entstehe, „das ein Klientel nach Bad Wiessee bringt, das dem ganzen Ort gut gut“.

Nachbar-Häuser verschwinden in zweiter Reihe hinter dem geplanten Hotel

Für Jochen Burk keine überzeugenden Argumente. Sein Hotel Villa Lago verschwindet künftig in zweiter Reihe hinter dem geplanten Hotel. „Haben Sie auch an die gedacht, die dahinter liegen?“, fragte er die Verantwortlichen. „Mein Haus liegt künftig total im Schatten.“ Auch Uli Engels von der benachbarten Anlage Alpenseensucht, in der Eigentums- und Ferienwohnungen untergebracht sind, meldete sich zu Wort. Auch er sprach von einem „gigantischen Riegel“, der hier inmitten einer ansonsten „relativ kleinteiligen Bebauung“ entstehe. Alles, was dahinter liege, werde vom Ortskern abgetrennt.

Bauamtsleiter macht deutlich: Am Baurecht lässt sich nicht rütteln

Bei dem Termin wurde deutlich, dass auch manche Gemeinderäte mit der Größenordnung des U-förmigen Hotels hadern. Einige berichteten am Rande der Besichtigung, dass sie erboste Anrufe von Bürgern erhalten hätten, die – angesichts des Schaugerüsts – ihren Unmut über die Pläne kund getan hätten. Viel ändern lässt sich an dem Projekt seitens der Gemeinde aber nicht mehr. Wie Bauamtsleiter Anton Bammer deutlich machte, existiere für das Grundstück ein gültiger Bebauungsplan, den noch der Vorgänger-Gemeinderat für ein damals geplantes Sporthotel aufgestellt hatte. Das Ziel sei es nun, dass dieser Bebauungsplan „größtmöglich eingehalten wird“. Grundsätzlich lasse sich an dem Baurecht aber nicht rütteln.

CSU-Gemeinderat Florian Sareiter ergänzte, dass der Gemeinderat bemüht sei, die Interessen abzuwägen. Man habe daher von den Investoren eine ganze Litanei an Hausaufgaben gefordert. Allerdings sei es immer schon der Wunsch der Gemeinde gewesen, dass hier ein touristisches Angebot entstehe – „das wusste auch die Nachbarschaft“. Und SPD-Kollege Bernd Kuntze-Fechner wies darauf hin, dass es sich hier ursprünglich keineswegs um „unberührte Landschaft“ gehandelt habe und auf dem Areal immer schon große Gebäude geplant gewesen seien. Er versicherte aber: „Wir werden sehr achtsam sein.“

Bürgermeister will Projekt nicht hinter verschlossenen Türen vorantreiben

Bürgermeister Robert Kühn (SPD) bezeichnete das Schaugerüst als wichtig für den Entscheidungsprozess und betonte: Dieses Projekt solle nicht hinter verschlossenen Türen vorangetrieben werden – „das geht auch die Nachbarn und Bürger etwas an“. Vermutlich im Dezember wird sich der Gemeinderat mit dem konkreten Bauantrag für das Hotel befassen. gab

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