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Til-Schweiger-Hotel am Tegernsee: Neuplanung nach massiven Anwohner-Protesten

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Von: Gabi Werner

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Ein Schaugerüst an der Hirschbergstraße führte im November 2021 die enormen Ausmaße des geplanten Barefoot-Hotels vor Augen. Nun legen die Projektentwickler noch einmal Hand an den Plänen an.
Ein Schaugerüst an der Hirschbergstraße führte im November 2021 die enormen Ausmaße des geplanten Barefoot-Hotels vor Augen. Nun legen die Projektentwickler noch einmal Hand an den Plänen an. © Thomas Plettenberg

Der geballte Protest hat offenbar gewirkt: Die Planung für das Til-Schweiger-Hotel in Bad Wiessee wurde verworfen. Derzeit arbeiten die Verantwortlichen an einem neuen Entwurf.

Bad Wiessee – Die Stimmung war angespannt, die Kommentare der Anlieger waren wenig schmeichelhaft: Von einem „gigantischen Baukörper“ und der „Abriegelung eines ganzen Viertels“ war im November 2021 bei einem Vor-Ort-Termin auf dem Areal an der Hirschbergstraße die Rede. Tatsächlich führte ein Schaugerüst die gewaltigen Dimensionen des geplanten Barefoot-Hotels deutlich vor Augen. Nicht nur die Nachbarn und etliche Bürger, auch der eine oder andere Gemeinderat zuckte bei dem Anblick merklich zusammen. Die Traufhöhe hätte gemäß damaliger Planung rund zwölf Meter betragen, das Hauptgebäude wäre rund 70 Meter lang gewesen.

Til-Schweiger-Hotel in Bad Wiessee: Neue Planung soll in Absprache mit den Nachbarn entwickelt werden

Jetzt ist klar: Das Hotel, das von Rainer Leidecker und Ernst Tengelmann (Tegernseer Grund Immobilien) vor Ort entwickelt wird und hinter dem Schauspieler Til Schweiger als Lizenzgeber für die Barefoot-Hotels steht, wird in dieser Form nicht kommen. Man habe den ursprünglichen Entwurf zurückgezogen. In Absprache mit den Nachbarn und der Gemeinde werde derzeit eine neue Planung entwickelt, erklärte arcona Hotels & Resorts gegenüber der Bild-Zeitung. Das Unternehmen mit Sitz in Rostock ist laut Homepage auf den Betrieb und die Entwicklung von Hotels spezialisiert und nun auch bei dem Projekt in Bad Wiessee mit an Bord.

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Til Schweiger bei der Aufzeichnung der ZDF-Talkshow Markus Lanz im Fernsehmacher Studio auf dem Phoenixhof.
Til Schweiger © IMAGO/Futur Image

Bürgermeister Kühn in Bad Wiessee: Umplanung von Barefoot-Hotel im Sinne der Gemeinde

„Es hat bei allen ein Denkprozess eingesetzt“, erklärt auch Wiessees Bürgermeister Robert Kühn (SPD). Dass die umstrittene Planung für das Hotel nun noch einmal überarbeitet werde, sei ganz im Sinne der Gemeinde. „Es war wichtig, dass wir die Bürgerschaft mit einbezogen haben“, meint Kühn rückblickend. Manchmal lohne es sich, scheinbar bereits festgezurrte Projekte noch einmal auf den Prüfstand zu stellen – auch wenn es den Investor Zeit und Geld koste. „Aber so entstehen tolle Projekte, die in der Bürgerschaft akzeptiert sind.“ Wohl schon in der Gemeinderatssitzung am 19. Mai wird das Projekt erneut auf der Tagesordnung stehen. „So wurde es uns in Aussicht gestellt“, bestätigt der Bürgermeister.

Am Baurecht auf dem Areal ist grundsätzlich nicht zu rütteln

Fest steht eines: Für das rund 7000 Quadratmeter große Grundstück an der Hirschbergstraße, auf dem früher ein Kinderkrankenhaus stand und das seit Mitte der 1980er-Jahre brach liegt, gibt es einen gültigen Bebauungsplan. Den hatte noch das Vorgänger-Gremium des jetzigen Gemeinderats für ein seinerzeit geplantes Sporthotel aufgestellt. Grundsätzlich also ist an dem großzügigen Baurecht an dieser Stelle nicht zu rütteln. Das hatte Bauamtsleiter Anton Bammer schon im November beim Ortstermin deutlich gemacht.

Dass es jetzt dennoch eine Umplanung geben soll, begrüßt Angela Brogsitter-Finck, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT), ausdrücklich. Dieser Fall zeige, dass es sich lohne, wenn Bürger gemeinschaftlich gegen derart überdimensionierte Projekte auf die Barrikaden gingen. „Nur gemeinsam funktioniert’s“, konstatiert die Vorsitzende, deren SGT sich ebenfalls gegen das Til-Schweiger-Projekt gewandt hatte.

Nachbarn sind noch skeptisch und wollen Entwicklung beobachten

Noch keine allzu großen Hoffnungen auf eine entscheidende Verbesserung der Pläne machen sich dagegen zum jetzigen Zeitpunkt die Anlieger des Grundstücks. Sie werde die weitere Entwicklung sehr genau beobachten, sagt etwa Cornelia Bergbauer vom Hotel Villa Lago, deren Haus künftig in zweiter Reihe hinter dem Barefoot-Hotel liegen würde. „Bis jetzt hat noch niemand mit uns Kontakt aufgenommen“, sagt sie mit Blick auf die Investoren. Auch Nachbar Hans Stoib (Gästehaus Johanna) hat so seine Zweifel, ob die neue Planung den entscheidenden Durchbruch im Sinne der Anlieger bringen wird. „Aber schlechter kann’s ja nicht werden“, meint er lakonisch. Für Stoib ist klar: Sollte das Hotel in ähnlicher Größenordnung kommen wie bis dato geplant, „können wir zusperren“.

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