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Das Seefest ist nur eine von vielen Attraktionen, die Gäste zuhauf anlocken. Viele verdienen am Tourismus. Weil bei den Gemeinden zu wenig Geld hängen bleibt, hat Bad Wiessee die Kurtaxe nun angehoben.

Interims-Bürgermeister hält Kosten für zu hoch 

Tourismus: Robert Huber will über Geld reden

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Erst die Parkgebühren nach oben, dann die Kurtaxe: Interims-Bürgermeister Robert Huber hat Pflöcke gesetzt, die ihm reichlich Kritik einbringen. Davon lässt er sich nicht beirren.

Bad Wiessee– Der Kurbeitrag sei seit Langem zu niedrig, meint Robert Huber. Jeder wisse das. „Aber keiner traut sich heran.“ Er selbst hat es nun angepackt, als Langzeit-Vertreter von Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block), der noch bis Ende Juni krankgeschrieben ist. Mit 8:6 Stimmen hat der Gemeinderat unter Hubers Regie beschlossen, die Kurtaxe von 2 auf 3.30 Euro anzuheben. Erst im Januar setzte das Gremium – wieder gegen die Stimmen der CSU – die Parkgebühren drastisch nach oben.

Beide Beschlüsse folgen der Überzeugung, dass der stetig anschwellende Strom von Urlaubern und Tagesgästen mehr Geld in die Gemeindekasse spülen muss. „Der Tourismus ist eine Heilige Kuh bei uns“, sagt Huber. Was es zu deren Finanzierung braucht, gelte als unantastbar. „Weil man immer dann zu rechnen aufhört, wenn es wehtut.“

Huber schlägt ein Sturm der Entrüstung entgegen. Derörtliche Kur- und Verkehrsverein sammelt Unterschriften gegen die Erhöhung der Kurtaxe und will den Beschluss kippen, die Bürgermeister der Nachbargemeinden vermissen Solidarität. Er müsse die Wertschöpfung bedenken, die aus dem Tourismus für die gesamte Region erwachse, halten die Kritiker Huber entgegen.

Ein Argument, das der Interims-Bürgermeister nicht gelten lässt. „Es verdienen eben nicht alle am Tourism

us.“ Es gebe auch sehr viele Tal-Bewohner, die zur Arbeit nach München oder in andere Orte pendeln. Die unter den hohen Preisen im Tal leiden und unter den ständigen Staus. Bei den Gemeinden komme von dem im Tourismus verdienten Geld nichts an. Bislang, so Huber, mussten alle Einnahmen aus dem Kurbeitrag, rund 1,1 Millionen Euro, von der Gemeinde an die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) weitergereicht werden. Um im Ort die Infrastruktur zu bieten, die der Gäste wegen nötig sei, brauche die Gemeinde darüber hinaus weitere Millionenbeträge. Darum fehle das Geld für Straßensanierungen, Schulen und Kindergärten.

Huber hat eine lange Liste zusammengetragen, um deutlich zu machen, wie teuer der Tourismus die Gemeinde kommt. Sein Argument: Wäre Bad Wiessee ein beliebiges Dorf mit 5000 Einwohnern und kein Kurort am Tegernsee, müssten Rathaus und Bauhof längst nicht so viel leisten und so gut besetzt sein, wie es nun der Fall ist.

Dieses Dorf bräuchte kein Jodschwefelbad (Verlust: 490 000 Euro), keinen Gasthof Zur Post in gemeindlicher Hand (Verlust: 600 000 Euro), keinen Bade Park (Verlust: 1,4 Millionen Euro) und keine von der Gemeinde finanzierten Musikveranstaltungen (205 000 Euro).

Bei seinen grob ermittelten Berechnungen kommt Huber auf eine Summe von mindestens vier Millionen Euro, die von der Gemeinde für den Tourismus zu stemmen sind. Selbst wenn die jüngst beschlossene Erhöhung der Kurtaxe zum Tragen komme, bleibe eine Unterdeckung von mindestens 1,2 Millionen Euro, meint Huber. Geld, das aus allgemeinen Steuermitteln finanziert werden müsse. „Ich möchte, dass diese Zahlen einmal öffentlich diskutiert werden“, sagt Huber.

Seine Forderung: Von den Millionen, die im Tourismus umgesetzt werden, soll bei den Gemeinden auch ein Gewinn ankommen, über den sie verfügen kann. Aktuell finde die Wertschöpfung nur im privaten Bereich statt.

Er halte es zwar für gut,dass die Gemeinden auch Partner der TTT seien, so der Interims-Bürgermeister. Aber warum müssen die Kommunen allein für die Finanzierung sorgen? „Da sollten alle dabei sein, die am Tourismus verdienen“, findet Huber. Auch die Staatliche Seenschifffahrt und die Wallbergbahn verdienten gutes Geld mit den Ausflüglern. „Warum kriegen wir da nichts vom Gewinn?“ Die Loipen umsonst, auch das Flanieren an der gepflegten Kurpromenade: für Huber ein Unding: „Kann man nicht wenigstens einen Euro verlangen, wenn sich jemand bei uns am See bewegt?“ Er möchte vor allem von den Tagestouristen Geld abgreifen. Freilich könne man keinen Schlagbaum vor Gmund aufstellen. Aber es gebe Möglichkeiten, die man nutzen könne. Den Kurbeitrag etwa könne man auch staffeln: „Wer länger bleibt, bekommt Rabatt.“

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