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Er kämpft weit er und stellt sich entschlossen vor sein früheres Hotel: Josef Lederer lässt in Sachen Entschädigung nicht locker – und will auch den Abriss des alten Hotels verhindern. 

Früherer Hotelbesitzer verlangt drei Millionen Euro Schadenersatz 

Trotz Abfuhr vor Gericht: Lederer kämpft weiter

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Bad Wiessee - Aufgeben ist für Ex-Hotelier Josef Lederer keine Option. Auch wenn er wieder mal vor Gericht abgeblitzt ist. Als nächstes reicht er eine Anhörungsrüge ein. Und dann gibt’s ja noch das Verfassungsgericht. 

Eigentlich wäre es jetzt Zeit, das Handtuch zu werfen. Wie berichtet, hat auch das Oberlandesgericht München den Antrag von Josef Lederer auf Prozesskostenhilfe abgelehnt. So hatte das Landgericht München I schon im Sommer entschieden. Für Wiessees Bürgermeister Peter Höß sind die Schadenersatzforderungen an die Gemeinde damit endgültig vom Tisch, wie er in der Sitzung des Gemeinderats verkündet hat. Für Lederer nicht. Er will auch nach der neuerlichen Abfuhr nicht aufgeben.

„Ich werde eine Anhörungsrüge einreichen“, kündigt Lederer an. Sein Vorwurf: Die Justiz habe sich mit dem Inhalt seiner Klage überhaupt nicht befasst und nur wegen Formalien jede Unterstützung abgelehnt. „Und das kann in einem Rechtsstaat doch nicht richtig sein.“ Wenn die Rüge nicht fruchte, bleibe als nächster Schritt der Gang zum Verfassungsgericht, kündigt Lederer an. Und den will er auch tun.

Seine Vorwürfe wiegen schwer. Lederer sieht sich als Opfer eines abgekarteten Spiels, einer Verschwörung der Gemeinde Bad Wiessee und der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee gegen ihn, den Eigentümer eines Hotels, das einst zu den besten Adressen am Tegernsee zählte. Gemeinsam hätten Bank und Kommune alles daran gesetzt, seinen Familienbesitz dem Tegernseer Unternehmer Thomas Strüngmann günstig zuzuschustern.

Drei Millionen Euro Schadenersatz verlangt Lederer. Das ist die Differenz zwischen den 6,2 Millionen Euro, die Lederer für sein Hotel bekommen hat und der Summe, die er seiner Meinung nach hätte erzielen können: 9,2 Millionen Euro. Für Lederer geht es um viel Geld, aber auch um die Ehre. Er will, dass ein Gericht das ganze Geschehen um den Niedergang des einstigen Luxushotels am See untersucht.

Es ist eine Geschichte mit vielen Kapiteln. Den Vorwurf, er habe einfach nicht gut gewirtschaftet, die Weichen nicht richtig gestellt, will Lederer nicht auf sich sitzen lassen. Mit der Gemeinde liegt er übrigens schon sehr lange im Clinch. Früher wegen der Spielbank, die gleich neben seinem Hotel stand. 2005 zog das Casino an den Ortsrand um. Ein Jahr später strengte der damalige Bürgermeister Herbert Fischhaber ein Zwangsversteigerungsverfahren fürs Lederer an, weil Grundstückslasten nicht bezahlt wurden. 2007 musste Lederer seinen Betrieb verpachten, 2009 gingen die Lichter aus.

In die Geschichte ging das Hotel ein, als es noch Hanselbauer hieß. 1934 ließ Adolf Hitler den dort urlaubenden SA-Führer Ernst Röhm verhaften und wenig später erschießen. 1936 erwarb der Vater von Josef Lederer das Hotel und gab ihm seinen Namen. 1967 übernahm der jetzt 77-Jährige, der nie aufhören wird, um sein Hotel zu kämpfen. Er wohnt auch noch dort, in einem Nebengebäude. „Ich habe mir nie eine Wohnung gekauft. Ich dachte ja, ich kann bis an mein Lebensende bleiben“, sagt Lederer.

Inzwischen sind die Tage des alten Hauses gezählt. Thomas Strüngmann, der das Lederer-Gelände und auch das Spielbank-Grundstück mit dem Haus des Gastes gekauft hat, plant ein neues Luxushotel, Läden, Büros und Wohnungen. Anfang 2017 will sein Büro die Planung öffentlich vorstellen, 2018 soll der Bau beginnen. Das Lederer wird abgerissen. Es gilt als nicht sanierungsfähig und – wegen der Hochwassergefahr – auch als zu nah am Wasser gelegen. Aber auch das will Lederer nicht hinnehmen. Er hofft, dass sich der Abriss angesichts der Historie des Hauses noch abwenden lässt: „Es kann doch kein Problem sein, das Hotel wieder in vollen Glanz zu bringen.“

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