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In Traumlage am Tegernsee: Unternehmer ändert spontan Pläne - und öffnet Hotel für Flüchtlinge

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Von: Christina Jachert-Maier

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Das Hotel Seegarten gehört der Rock Capital Group, hier vertreten durch Peter Neumann (r.) und Andreas Wißmeier (M.). Das Haus steht zur Freude von Bürgermeister Robert Kühn (l.) für Flüchtlinge zur Verfügung.
Das Hotel Seegarten gehört der Rock Capital Group, hier vertreten durch Peter Neumann (r.) und Andreas Wißmeier (M.). Das Haus steht zur Freude von Bürgermeister Robert Kühn (l.) für Flüchtlinge zur Verfügung. © Thomas Plettenberg

Gekauft hat Investor Peter Neumann das Wiesseer Hotel Seegarten, um ein Schmuckstück aus der Immobilie in Traumlage zu machen. Doch das muss nun warten. Er stellt das Haus Ukraine-Flüchtlingen zur Verfügung.

Bad Wiessee – Die Rock Capital Group hat ihren Sitz in Grünwald und ist in Sachen Immobilienentwicklung auf breiter Basis unterwegs. Geschäftsführende Gesellschafter sind Peter Neumann und Christian Lealahabumrung. Der Kauf des Hotels Seegarten am Wiesseer Seeufer im November 2021 war für Neumann und Firmen-Geschäftsführer Andreas Wißmeier mehr eine persönliche Sache, abseits des üblichen Geschäfts.

Ukraine-Krieg: Unternehmen aus Grünwald bietet Flüchtlingen Unterkunft am Tegernsee

Weil beide den Tegernsee mögen und die Traumlage am Ufer die Chance bietet, etwas wirklich Schönes zu schaffen. „Da steckt viel Herzblut drin“, sagt Neumann. Sein Unternehmen wolle das Hotel auch später nicht aus der Hand geben, sondern selbst führen.

Ukraine-Krieg: Investoren stellen Hotel für Kriegsflüchtlinge zur Verfügung

Aber das sind Zukunftspläne. Der Krieg in der Ukraine und das Leid der Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, machen Neumann und seine Geschäftspartner „fassungslos, wütend und traurig“. Sie wollen helfen. Und haben beschlossen, ihr neues Hotel am Tegernsee als Unterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine zur Verfügung zu stellen, kostenlos.

„Wir wollen damit kein Geld verdienen“, versichert Neumann. Etwa die Hälfte der 20 Zimmer stehen zur Verfügung, ebenso die Gemeinschaftsräume und die Restaurantküche. Sicher sei das Miteinander für die Flüchtlinge in einem Land, dessen Sprache sie nicht sprechen, besonders wichtig, meint Wißmeier: „Das ist eine Schicksalsgemeinschaft.“

Unterkunft für Ukraine-Flüchtlinge am Tegernsee: „Wollen kein Geld damit verdienen“

Dass Bad Wiessee mit dem Seegarten auf die Schnelle eine komfortable Unterkunft für Kriegsflüchtlinge anbieten kann, stimmt Bürgermeister Robert Kühn froh. „Das ist auch eine wunderbare Blaupause für andere Gastgeber“, findet er. Wer Zimmer für die Unterbringung von Flüchtlingen anbieten könne, sei aufgerufen, dies zu tun. Noch wisse niemand, wie viele Ukrainer nach Deutschland kommen.

Unterkunft für Ukraine-Flüchtlinge: Auch andere Gastgeber sind aufgerufen

Deren Verteilung auf die Gemeinden erfolgt über das Landratsamt, das schon intensiv mit den Vorbereitungen befasst ist. „Jedes Angebot ist ein Geschenk“, weiß Gemeinde-Geschäftsführer Hilmar Danzinger. Die Gemeinde prüft derzeit auch, ob ihr Kommunalunternehmen Wohnungen an der Hagngasse zur Verfügung stellen kann. Das Gebäude soll für einen Neubau abgerissen werden, die früheren Mieter sind schon ausgezogen.

Die Zimmer im Seegarten stehen zunächst ohne zeitliche Begrenzung zur Verfügung. Die Rock Capital Group will auch eine kostenlose WLAN-Versorgung im Haus aufbauen, damit die Geflüchteten mit Familien und Freunden in Verbindung bleiben können. Neumann und seinem Team ist es wichtig, echte Gastfreundschaft in der Not zu bieten: „Es ist schrecklich zu sehen, was hier bei uns um die Ecke passiert.“

Hotel Seegarten am Tegernsee: Große Zukunftspläne für Grundstück

Die eigentlichen Pläne für die Zukunft des Seegarten brauchen ohnehin Zeit. Gebaut wurde das Hotel schon um 1930, gemeinsam mit dem Wiesseer Rathaus von Architekt Helmut Lang. Die Lage mit großer Terrasse am Ufer könnte nicht besser sein, doch zuletzt lief der Betrieb nicht besonders. „Aber es ist ein tolles Objekt“, meinen Neumann und Wißmeier.

Der Sanierungsstau ist allerdings so groß, dass ein Abriss die bessere Lösung sein könnte. Ein Hotel mit Gastronomie soll es in jedem Fall bleiben. Eine Zwischennutzung vor der kompletten Umgestaltung war auch zuvor schon geplant. Er wolle keinen Leerstand, meint Neumann, und das ist ganz im Sinn von Bürgermeister Kühn. Aktuell sind Mitarbeiter dort untergebracht, vorgesehen war ursprünglich auch, wieder Gastronomie anzubieten. Diese Pläne liegen jetzt erst einmal auf Eis.

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