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Unterbringung von Flüchtlingen am Tegernsee: Gemeinde schreibt an alle Zweitwohnungsbesitzer

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Von: Gabi Werner

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Im Abwinkler Hof sind mittlerweile die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine eingezogen.
Im Abwinkler Hof sind mittlerweile die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine eingezogen. Es soll aber noch mehr Wohnraum erschlossen werden. © Thomas Plettenberg

Zwei neue Unterkünfte für Ukraine-Flüchtlinge hat Bad Wiessee dieser Tage bereit gestellt. Es soll aber noch mehr Wohnraum erschlossen werden. Im Visier hat man hier die Zweitwohnungsbesitzer.

Bad Wiessee – Etwa 135  Menschen, die vor dem schrecklichen Krieg in ihrer Heimat geflohen sind, haben mittlerweile in Bad Wiessee Zuflucht gefunden. Damit schultert die Talgemeinde – auf den gesamten Landkreis gesehen – einen erheblichen Beitrag bei der Unterbringung der Geflüchteten. „Und wir leisten das sehr gerne in Bad Wiessee“, stellte Bürgermeister Robert Kühn (SPD) jüngst im Gemeinderat klar.

Ukraine-Flüchtlinge in Bayern: „Die Menschen sind so dankbar, dass wir ihnen hier Obdach geben“

Inzwischen sind auch im Abwinkler Hof und im Josefsheim Flüchtlinge aus der Ukraine eingezogen. Beide derzeit nicht genutzten Objekte hat die Gemeinde von den Eigentümern unentgeltlich und vorübergehend pachten können. Während im Abwinkler Hof vor allem Geflüchtete unterkommen, die bereits in Bad Wiessee lebten und nun saisonbedingt aus den Ferienwohnungen ausziehen müssen, sind im ehemaligen Pfarrheim am Löblweg auf Vermittlung des Vereins Kinderlachen neue Flüchtlinge eingezogen: 19 Mütter mit ihren Kindern.

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Der Bus sei soeben aus Berlin angekommen, berichtete Kühn. Zuvor hatten Mitarbeiter des Bauhofs die Gebäude soweit auf Vordermann gebracht, dass sie sich als Unterkünfte eignen. „Die Menschen sind so dankbar, dass wir ihnen hier Obdach geben“, sagte Kühn, der seinerseits allen Helfern und Mitarbeitern für ihren Einsatz dankte.

Ukraine-Flüchtlingen: SPD will, dass Rathäuser Zweitwohnungsbesitzer kontaktieren

Nachdem der Zustrom der Flüchtlinge in absehbarer Zeit wohl nicht abreißen wird, hatten sich im Vorfeld der Sitzung die SPD-Vertreter aller Talgremien getroffen und ebenfalls einen Vorschlag zur Gewinnung von Wohnraum gemacht: Sie regten an, dass sämtliche Rathäuser am Tegernsee die Zweitwohnungsbesitzer anschreiben sollten mit der Bitte, nicht genutzten Wohnraum für die Geflüchteten zur Verfügung zu stellen.

Alle weiteren Infos zum Ukraine-Krieg und dessen Auswirkungen in Bayern lesen Sie hier auf unserer Themenseite Ukraine-Flüchtlinge.

SPD-Gemeinderat Bernd Kuntze-Fechner brachte das Anliegen nun bei seinen Wiesseer Kollegen vor und bat um einen „Gesamtappell“ des Gremiums. Auch Bürgermeister Kühn wünschte sich ein deutliches Zeichen: Einen offiziellen Antrag zu stellen, sei der SPD aus terminlichen Gründen zwar nicht mehr möglich gewesen, der Gemeinderat möge aber doch bitte durch Klopfen auf den Tisch signalisieren, dass er mit einem solchen Vorgehen der Verwaltung einverstanden sei.

Ukraine-Flüchtlinge am Tegernsee: CSU-Sprecher Sareiter wünscht sich ein Signal von oben

Es gehe schlichtweg darum, die Möglichkeiten auszuloten, falls weiterer Wohnraum benötigt würde, stellte der Rathaus-Chef klar. Zuvor hatte Florian Sareiter (CSU) die Idee mit den Zweitwohnungsbesitzern zwar als „erfinderisch und gut“ gelobt, hatte aber auch darauf hingewiesen, dass Bad Wiessee nicht sämtliche Belastungen alleine stemmen könne. Er würde gerne auch von übergeordneter Stelle ein Signal dazu erhalten, wie es in Sachen Flüchtlings-Unterbringung weitergehen solle.

Unterkunft für Ukraine-Flüchtlinge: Bad Wiessee schreibt Zweitwohnsitzler an

Das gewünschte Klopfzeichen gab es am Ende von allen Gemeinderäten. Kühn stellte mit Blick auf die Zweitwohnungsbesitzer klar, dass keiner zu etwas gezwungen werde. „Eigentum bleibt Eigentum – aber die Leute sollen ins Nachdenken kommen.“ Wie es sich mit der Zweitwohnungssteuer verhält, sollten Eigentümer ihren Wohnraum zur Verfügung stellen, blieb an diesem Abend noch offen. gab

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