+

Verhandlung am Amtsgericht

Betrunkene (48) steckt Wodka-Fläschchen ein

Der Wert der Beute betrug 1,99 Euro. Wegen eines gestohlenen Wodka-Fläschchens stand eine Wiesseerin (48) jetzt abermals vor Gericht. Wird sie freigesprochen, weil sie bei der Tat zu betrunken war?

Bad Wiessee – Sie gab ein trauriges Bild ab. Immer wieder begann sie zu weinen, stotterte vor sich hin, konnte sich an nichts erinnern. Mit den Worten „Gegen eine weinende Angeklagte wird nicht verhandelt“ hatte Richter Walter Leitner vor rund zwei Monaten die Verhandlung am Miesbacher Amtsgericht gegen eine 48-jährige Wiesseerin wegen Diebstahls beendet. Er war sich sicher, dass die Frau ihre eigenen Interessen nicht vertreten könne und einen Pflichtverteidiger brauche.

Gestern nun gab es einen neuen Anlauf. Die 48-Jährige erschien mit ihrem Pflichtverteidiger Martin Walch an der Seite und machte einen deutlich gefestigteren Eindruck. Sie zeigte sich einsichtig – und gestand sogar ihren Fehler ein. Den beging sie im Januar dieses Jahres, als sie im Edeka-Markt in Bad Wiessee ein Fläschchen Wodka Gorbatschow für 1,99 Euro klaute. An sich wäre der Diebstahl bei dieser Schadenshöhe keine allzu große Sache gewesen, hätte die Wiesseerin nicht unter offener Bewährung gestanden.

Die Angeklagte gab zum Vorfall diesmal mehr preis als vor zwei Monaten. „Ich habe Tabletten zusammen mit Alkohol genommen“, erinnerte sie sich an den Tattag. Dann sei sie zu einer Bekannten nach Finsterwald gefahren, auf deren Wohnung sie hätte aufpassen sollen. Blumen gießen, Zeitung reinholen – Sachen, die man für Freunde macht, wenn sie in Urlaub sind. Zusätzlich gestattete sie sich aber noch einen Whiskey. „Daheim hatte ich auch schon Wein und Schnaps getrunken“, sagte sie. Dann setzte ihre Erinnerung aus. Sie wisse nur noch, dass sie am nächsten Tag im Krankenhaus Agatharied aufgewacht sei. „Ich gehe aber davon aus, dass ich den Diebstahl begangen habe“, erklärte sie.

Damit sollte die Angeklagte recht behalten, wie die einzige Zeugin, die stellvertretende Filialleiterin (40), berichtete. „Sie hat noch etwas eingekauft, den Wodka aber in ihrer Jackentasche verschwinden lassen und ihn nicht bezahlt“, erklärte sie. Als die stellvertretende Filialleiterin die Wiesseerin ins Büro zitierte und ihr den Wodka wegnahm, „hat sie ihn wieder genommen und die Flasche ausgetrunken“.

Richter Leitner verlas den Einkaufszettel: „Zwei Doppelbock und ein Salat für 4,13 Euro.“ Warum sie den Wodka für 1,99 Euro nicht bezahlt hat, bleibt das Geheimnis der Angeklagten. Wie die Polizei später feststellte, hatte sie bei ihrer kleinen Diebestour immerhin 43,80 Euro im Geldbeutel.

Der Prozess dauert an, denn Rechtsanwalt Walch hat ein Sachverständigen-Gutachten gefordert. Es soll aufdecken, ob die 48-Jährige aufgrund ihres starken Alkoholeinflusses bei Tatbegehung„schuldunfähig

oder vermindert schuldfähig“ war.

hph

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tag fünf im Sparkassen-Prozess: Gericht hat erste Zweifel an Verurteilung
Tag fünf im Prozess um die Miesbacher Sponsoring-Affäre um Jakob Kreidl und Georg Bromme. Es ging weiter um Brommes Beratervertrag. Und das Gericht sorgte mit einer …
Tag fünf im Sparkassen-Prozess: Gericht hat erste Zweifel an Verurteilung
Ohne Schlammschlacht auf den Chefsessel: Wiesseer Gemeinderat regelt Hubers Besoldung öffentlich
Spätestens im Juli 2019 will Bürgermeister Peter Höß ins Amt zurückkehren. Über die Besoldung seines Stellvertreters Robert Huber wurde nun in der öffentlichen …
Ohne Schlammschlacht auf den Chefsessel: Wiesseer Gemeinderat regelt Hubers Besoldung öffentlich
Loipen-Diskussion entfacht im Wiesseer Gemeinderat: „Es brennt lichterloh“
Bei der Diskussion um die Loipen in Bad Wiessee, für die die Landwirte diesen Winter keine Flächen zur Verfügung stellen wollen, ist das letzte Wort noch lange nicht …
Loipen-Diskussion entfacht im Wiesseer Gemeinderat: „Es brennt lichterloh“
Bürger sollen über Ortsmitte entscheiden
Die Planung für die Ortsmitte auf der Zielgeraden stoppen? Diesen Antrag lehnte der Gemeinderat ab. Aber es soll ein Ratsbegehren geben – und eine Abstimmung im Mai 2019.
Bürger sollen über Ortsmitte entscheiden

Kommentare