Sitzungssaal im Landgericht München II: Ein Miesbacher Fall wird dort weiter verhandelt.
+
Sitzungssaal im Landgericht München II: Ein Miesbacher Fall wird dort weiter verhandelt. (Archivbild)

Wiesseer um 159 000 Euro gebracht

Verhandlung gegen 36-Jährigen unterbrochen: Im Landgericht München mehrfach übergeben

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
    schließen

Gegen ein Urteil vom Miesbacher Amtsgericht wurde Berufung eingelegt. Jetzt verhandelt das Landgericht München.

Bad Wiessee/München – Kredit oder Betrug? Diese Frage sollte jetzt das Landgericht München II klären. Dabei ging es um 159 000 Euro. Geld, das sich ein 36-jähriger Slowake von seinem väterlichen Freund aus Bad Wiessee geliehen hatte. Mit dem Kredit sollte in der Slowakei ein Hotelprojekt finanziert werden. Doch laut Ersturteil des Amtsgerichts Miesbach war das nur eine Finte, um schnell an Geld für Drogen zu gelangen. Der Freund zeigte den 36-Jährigen an (wir berichteten).

Verhandlung gegen 36-Jährigen unterbrochen: Im Landgericht München mehrfach übergeben

In der Berufung, die einen ganz ungewöhnlichen Verlauf nahm, wirkten die beiden Männer aber immer noch verbunden. Wegen Betrugs in zwei Fällen hatte das Amtsgericht Miesbach im September 2020 eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten verhängt. Angeblich hatte sich der Angeklagte im April 2017 das Vertrauen des vermögenden Freundes aus Bad Wiessee erschlichen. Der Rechtsanwalt nahm ihn mit von Frankfurt an den Tegernsee. Dort lebte der 36-Jährige bei dem älteren Herrn.

In Frankfurt hatte der Slowake in schwierigen Verhältnissen versucht, an Geld zu gelangen. Er handelte mit Drogen, hatte Sex mit Männern und Frauen. So zumindest stand es in dem Urteil, das der Vorsitzende Richter vortrug. Demzufolge war der Angeklagte auch auf die Idee gekommen, sich das Vertrauen des älteren Freundes zu erschleichen, der sehr wohlhabend war. Mit dessen Geld wollte er seine Schulden begleichen, die schon vor vier Jahren eine hohe sechsstellige Summe ausmachten. Zunächst ging es um einen Kredit über 38 000 Euro, dann folgten die 121 000 Euro.

Verhandlung unterbrochen: Angeklagter blickt auf schwere Kindheit zurück

Seine harte Vergangenheit hatte dem Slowaken sämtliche Empathie geraubt. Er wuchs in Heimen auf, hatte 24 Geschwister. Die Eltern lernte er erst mit 17 Jahren kennen. Als 13-Jähriger soll er von vier Männern vergewaltigt worden sein. Er lernte zwar den Beruf des Kfz-Mechanikers, lebt in Deutschland aber auf der Straße, bis er seinen väterlichen Freund kennenlernte. Offenbar setzte der ältere Herr großes Vertrauen in seinen wesentlich jüngeren Freund und überließ ihm deshalb das gewünschte Geld. Er sollte es nie wiedersehen. Daraufhin zeigte er den 36-Jährigen an.

Zum Gerichtstermin reisten beide überraschenderweise zusammen aus Bad Wiessee an. Allerdings schafften sie es nicht pünktlich zum Sitzungsbeginn. Wegen starker Magenschmerzen musste der Slowake immer wieder Pausen einlegen. Er sprach von einem Polypen im Magen. Später behauptete der Rechtsanwalt am Rande der Sitzung, dass der Mann die Diagnose Magenkrebs erhalten habe. Doch da war der 36-Jährige bereits verhandlungsunfähig. Er hatte sich mehrfach übergeben müssen und legte sich im Gang des Strafjustizzentrums in München auf den Flur. Der Krankenwagen wurde gerufen. Verhandelt werden konnte an diesem Tag nicht mehr. Nun soll der Prozess Ende April fortgesetzt werden. Ein Arzt wird zuvor klären müssen, ob der Angeklagte verhandlungsfähig ist.

von Angela Walser

Auch ein anderer Fall wurde am Miesbacher Amtsgericht verhandelt: Ein Mann wollte in einem Hotel in Bad Wiessee übernachten. Als er zu später Stunde sein Zimmer nicht mehr bekam, schlug der 41-Jährige zu. Sein Anwalt pocht auf Notwehr.

Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Miesbach-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Miesbach – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare