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Die Klinik St.Hubertus hat eine Isolierstation für Covid-19-Patienten eingerichtet. 

Neue Vorwürfe werden laut 

Viele Corona-Fälle: Medical Park im Ausnahmezustand

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Das Coronavirus hat die Medical Park Kliniken in Bad Wiessee  voll erwischt. Reha-Patienten werden nicht mehr aufgenommen. Auf der Isolierstation  liegen 33 Covid-19-Erkrankte und Verdachtsfälle. 

Bad Wiessee– In den Reha-Kliniken Medical Park St. Hubertus und am Kirschbaumhügel werden in guten Zeiten bis zu 580 Patienten behandelt. Jetzt sind es noch 222. Seit am 15. März erstmals ein Test auf Covid-19 positiv ausfiel, gilt der Ausnahmezustand.

Inzwischen wurde in St. Hubertus eine Isolierstation eingerichtet. Aktuell liegen dort 33 Patienten, die an Covid-19 leiden oder unter Verdacht stehen, das Virus zu haben. Auch 20 Mitarbeiter sind positiv getestet. Insgesamt sind dort 536 Mitarbeiter beschäftigt.

Schon vergangene Woche hatte Karin Bergdoll als frühere Patientin der Klinikleitung vorgeworfen, zu spät Schutzmaßnahmen getroffen zu haben. Inzwischen haben sich weitere Betroffene gemeldet. Zu ihnen gehört Romy Schuster aus Eckental-Forth (Mittelfranken). Sie ist Asthmatikerin, ihr Ehemann herzkrank. Seit 16. März hat sie sich zuhause in Quarantäne begeben und pflegt noch telefonischen Kontakt zu einer ehemaligen Mitpatientin im St. Hubertus, die positiv getestet ist. Mit der Information durch die Klinik ist Schuster nicht zufrieden. „Es fehlte an jeglicher rechtzeitiger, ehrlicher und informativer Kommunikation“, schreibt sie.

Klinik-Mitarbeiter spricht von Misere 

Hannah Höfl berichtet vom Schicksal ihrer 74-jährigen Tante, die nach einer Lungenembolie eine Reha in St. Hubertus angetreten hatte. Die Klinik habe ihrer Tante am 16. März wegen des Corona-Falls die Heimreise angeboten, schreibt Höfl. Doch die 74-Jährige wollte bleiben. Wenig später entwickelte sie Symptome und muss nun im Krankenhaus Agatharied behandelt werden.

Ein Klinik-Mitarbeiter, der anonym bleiben will, spricht von einer Misere. „Die Lage wurde seitens der Führung unterschätzt“, heißt es in seinem Schreiben. Zu lange habe es noch Gruppentherapien und Vorträge gegeben. Patienten seien nicht informiert worden, man habe weiter neue aufgenommen. Jetzt sei das Personal mit der Situation massiv überfordert.

Leitung der Klinik weist Vorwürfe zurück

Die Unternehmensleitung weist die Vorwürfe in einer umfangreichen Stellungnahme zurück. „Die Klinik hat bereits im Februar damit begonnen, Patienten mit Erkältungs-Symptomen unverzüglich zu isolieren und konsequent auf Covid-19 zu testen“, heißt es dort. Mit dieser Strategie sei man Vorreiter gewesen. Auch anreisende Patienten seien immer informiert worden, versichert die Klinik. Manche hätten die Reha dann abgesagt, andere traten sie dennoch an.

Die Aussage der Klinik, sie habe die Patienten stets umfassend informiert, kann Sophie Stadler als Sprecherin des Landratsamts nicht bestätigen. Ihr zufolge liegt dem Gesundheitsamt ein Schreiben vor, das Patienten bei der Abreise bekommen haben. Darin heiße es, dass es in der Klinik einen nachgewiesenen Fall von SARS-CoV 2 gebe. „Das Gesundheitsamt hat unverzüglich eine Korrektur des Schreibens gefordert, da es in keiner Weise der aktuellen Situation entspricht“, erklärt Stadler.

In dem Schreiben würden Patienten gebeten, sich an das Gesundheitsamt in ihrer Heimatregion zu wenden. Mit der Fehlinformation, dass es nur einen Fall gebe, bestehe aber ein erhebliches Risiko, dass die Patienten und die Behörden vor Ort das Infektionsrisiko falsch einschätzen.

Gesundheitsamt sieht Fehlinformation

„Da es sich bei den Patienten fast ausschließlich um Risikopatienten handelt, können Fehlinformationen fatal sein“, so Stadler. Aufgrund der hohen Infektionszahl habe das Gesundheitsamt am 16. März einen Aufnahmestopp für die Kliniken verhängt.

Während also Reha-Patienten nicht mehr kommen dürfen, wurden die Kliniken in die Versorgungsstrukturen zur Corona-Behandlung eingegliedert. Das soll die Akut-Krankenhäuser entlasten, die sich auf die schweren, teils beatmungspflichtigen Fälle konzentrieren. Bei den 33 Patienten auf der Isolierstation handelt es sich um Menschen, die zur Reha gekommen waren. Es ist anzunehmen, dass künftig weitere Corona-Fälle dort behandelt werden. Dafür müssten neue Abläufe definiert und die Mitarbeitenden entsprechend geschult werden, umreißt die Klinik ihre Strategie für die nächsten Wochen: „Diese gewaltige Steuerungsarbeit wird uns auch die kommenden Tage voll beanspruchen.“

Lesen Sie auch:Patientin wirft Medical Park Fahrlässigkeit vor

Von wegen nur Solidarität: Ein Ehepaar aus Bad Wiessee, das aufgrund einer Coronavirus-Infektion seit 14 Tagen in Quarantäne lebt, macht schlimme Erfahrungen.

Alle Informationen über das Coronavirus im Landkreis

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