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Bei einer toten Reiherente in Bad Wiessee besteht der Verdacht auf Vogelgrippe. Die erste Folge ist eine so genannte „Schutzzone“ rund um den See.

Karte: So weit reicht die „Schutzzone“ der Regierung

Vogelgrippe-Fall am Tegernsee: Was jetzt passiert

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Bad Wiessee - Nachdem es einen ersten Vogelgrippe-Fall gibt, laufen nun die Sicherheitsmaßnahmen gegen eine weitere Verbreitung an. Es wurde ein „Schutzzone“ eingerichtet. 

Im Landratsamt Miesbach sind heute die Schutzmaßnahmen gegen eine weitere Verbreitung des hochansteckenden Vogelgrippe-Virus angelaufen. Wie berichtet, wurde in den Organen einer in Bad Wiessee tot aufgefundenen Reiherente das Influenza-Genom H5 nachgewiesen. Weitere Untersuchungen am nationalen Referenzlabor, dem Friedrich-Loeffler-Institut, laufen noch.

Katastrophenschutz-Treffen im Landratsamt

Bereits in den Morgenstunden sei die Katastrophenschutzgruppe im Landratsamt zusammengekommen, informierte Pressesprecher Birger Nemitz auf Nachfrage unserer Zeitung. Das Landratsamt habe eine sogenannte Allgemeinverfügung erlassen, die eine Reihe von Regeln für Geflügelzuchtbetriebe beinhaltet, darunter eine Stallpficht. Zudem sei eine Schutzzone mit einem Radius von drei Kilometern um den die Uferlinie des Tegernsees, der jetzt als sogenannte Seucheneinheit gesehen wird, eingerichtet worden.

74 Betriebe von Stallpflicht betroffen

Im Landkreis, so Nemitz weiter, befinden sich 74 Betriebe, die Geflügel halten. Diese wurden im Verlauf des gestrigen Tages entweder persönlich angesprochen oder per Post informiert. Außerdem wurden die Gemeinden und Feuerwehren in Kenntnis gesetzt. Die Pressestelle am Landratsamt hat überdies eine 24-Stunden-Bereitschaft eingerichtet. „Ich kann sagen, dass wir alle Schritte eingeleitet haben und vorbereitet sind“, betont der Pressesprecher. Noch, so Nemitz weiter, sei die Untergruppe des Virus nicht bestätigt, ein endgültiges Ergebnis erwarte man heute.

Noch nicht klar, wie gefährlich der Virus-Typ ist

Auch habe man im Moment keine Nachrichten über weitere verendete Tiere. Sollten sich die Fälle jedoch häufen, werde umgehend auch ein Bürgertelefon geschaltet. Nemitz stellt zudem klar, dass bislang in Deutschland lediglich der Subtyp H5N8 nachgewiesen werden konnte. „Und dieser kann laut dem Robert-Koch-Institut nicht auf den Menschen übergehen.“ An besagtem Virustyp habe sich weltweit noch kein Mensch angesteckt.

So reagieren die Geflügelhalter

Meinrad Bacher betreibt mit aktuell 3000 Hühnern den größten Geflügelhof im Landkreis und hat Erfahrung mit derlei Schutzmaßnahmen. Beim letzten Vogelgrippe-Fall in Sachsenkam 2006 lag sein Betrieb inmitten des Sperrbezirks. Eine überaus unerfreuliche Situation, erinnert sich der Landwirt. Als Konsequenz stellte er seinerzeit von Freilandhaltung auf Bodenhaltung mit Auslauf um. „In weiser Voraussicht“, wie der Hartpenninger heute sagt. 

Diese Variante mit einem geschlossenen Wintergarten sei „vogeldicht“ verschlossen. Entsprechend gering sei die Wahrscheinlichkeit, dass seine Tiere mit Wildvögeln in Kontakt kommen. Völlig sorgenfrei ist er deshalb aber noch lange nicht. „Man hat immer im Hinterkopf, dass so etwas vorkommen kann. Das ist momentan wie Russisch Roulette.“ Er hofft, dass seine Haltungsform in Kombination mit den intensiven Hygienemaßnahmen ausreicht.

Wesentlich entspannter hingegen geht Christian Schaberl vom gleichnamigen Haushamer Geflügelhof mit der Situation um. Sicher, eine weitere Ausbreitung könnte theoretisch auch für seine Familie einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden bedeuten. „Ich rechne aber nicht damit. Das wird immer auch ein bisschen aufgebauscht“, findet der Halter von 2000 Hühnern.

Das sagen die Vogelschützer

„Betroffen aber machtlos“ zeigt sich Gerhard Kinshofer, Vorsitzender der Miesbacher Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Momentan, sagt Kinshofer, hänge man völlig in der Luft. „Man weiß einfach nicht, ob noch was kommt.“ Täglich sei er am Seehamer See unterwegs und kontrolliere dort die Uferbereiche auf verendete Vögel. Glücklicherweise habe er bisher keinen Kadaver entdeckt.

Verärgert ist Kinshofer darüber, dass nun wieder zu Unrecht Wildvögel verteufelt würden. „Es wird leicht vergessen, dass die Vogelgrippe aus der Massentierhaltung auf Wildvögel übergegangen ist und nicht andersrum.“ Um dem Virus beizukommen, müsse man diese seiner Auffassung nach abschaffen. Er sehe diesbezüglich auch den Verbraucher in der Pflicht. „Es muss immer nur billig sein. Die Qual der Tiere ist dem Normalbürger aber leider Wurst.“

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