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Das Bild zeigt (v.l.n.r.) Förster Hans Feist, Bürgermeister Peter Höß und Stefan Kramer bei der Übergabe des Forstwirtschaftsplans im Wald der Gemeinde Bad Wiessee.

Forstwirtschaftsplan

Den Wiesseer Wald fit machen für den Klimawandel

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Der Wiesseer Gemeindewald gedeiht prächtig. Wie hoch der Zuwachs ist, haben Experten ermittelt: Es sind mehr als 270 Kubikmeter Holz pro Jahr. Der Forstwirtschaftsplan gilt bis 2035. 

Bad WiesseeÜber 50 Hektar Wald besitzt die Gemeinde Bad Wiessee. Allerdings nicht an einem Stück. Der größte Teil befindet sich oberhalb des Golfplatzes, weitere Flächen besitzt die Kommune unter anderem am Sonnenbichl. Bei der Bewirtschaftung berät das in Holzkirchen ansässige Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Seit Jahresbeginn betreut Förster Hans Feist den kommunalen Besitz. Gemeinsam mit Amt-Abteilungsleiter Stefan Kramer hat er Bürgermeister Peter Höß den neuen Forstwirtschaftsplan für Bad Wiessee übergeben. Nicht im Rathaus, sondern im Wald. Das passt. „Bad Wiessee ist eine sehr waldfreundliche Gemeinde“, lobt Kramer. Die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Peter Höß und seinem Team sei bestens.

In welchem Zustand der Gemeindewald tatsächlich ist, hat Ralf Hofmann im Auftrag des Amtes erkundet. Eine sportliche Aufgabe. Für die Datensammlung galt festzustellen, wie hoch die Bäume sind, wie dick, in welchem Zustand. „Vor allem auf den steilen Flächen – und davon gibt es in Bad Wiesee eine ganze Menge – war das sehr mühsam“, berichtet Forsteinrichter Hofmann.

Die Datenerhebung im Wald bedeutet einen gewaltigen Aufwand, ist aber nötig, um die Bewirtschaftung planen zu können. Denn so lässt sich errechnen, wie viel Holz pro Jahr zuwächst. In Bad Wiessee sind dies mehr als 270 Kubikmeter. Die Erhebung zeigt auch: Die Wiesseer Holzvorräte haben zugelegt. „Wir haben wenig entnommen“, erklärt Bürgermeister Höß. Denn erst jetzt, mit der neuen Forststraße, sei der Bereich in der Nähe des Golfplatzes erschlossen. Zuvor habe selbst ein vom Käfer befallener und abgeholzter Baum bisweilen liegen bleiben müssen. „Da hätten wir einen Hubschrauber gebraucht“, meint Höß. Dank der neuen Forststraße könne die Waldwirtschaft nun besser betrieben werden.

Grundlage ist der nun im Auftrag der Gemeinde erarbeitete Plan. „Der ist ohnehin alle 20 Jahre mal fällig“, erklärt Kramer. Das Konzept soll bis 2035 die Basis für eine vorbildliche und nachhaltige Bewirtschaftung bilden. Den Rohstoff Holz zu ernten, spielt für die Gemeinde Bad Wiessee eine wichtige Rolle. „Es soll aber nur so viel Holz genutzt werden, wie nachwächst“, meint Höß.

Aber auch nicht weniger. Den Wald einfach wachsen zu lassen, wirke sich mittelfristig negativ auf dessen Stabilität aus, merkt Kramer an. „Das erhöht das Risiko.“

Ein naturnaher Mischwald, das ist das Ziel. Es zu erreichen, ist im Zeitalter des Klimawandels noch viel wichtiger geworden. Denn gerade die Fichte, die aktuell im Wald dominiert, verträgt steigende Temperaturen schlecht. „Die Fichte ist die Baumart, die aus der Kälte kommt“, sagt Kramer. Sie leidet bei Wärme, wird auch leicht Opfer des Borkenkäfers. Ganze Bestände könnten zugrunde gehen, warnt Kramer. „Die Folgen wären existenziell.“ Wo Steilhänge kahl sind, wächst die Gefahr fürs Tal.

Die Devise heißt darum: weniger Fichte, mehr Tanne. Den anders als die Fichte wurzelt die Tanne tief und kommt mit der Wärme viel besser klar. Die Ausgangsbasis ist im Wiesseer Gemeindewald recht gut. Der Tannenanteil hat sich in den vergangenen 20 Jahren erhöht. „Das ist ein Verdienst unserer Jäger“, hebt Höß hervor.

Für die zuständige Jagdgemeinschaft hat auch Kramer lobende Worte. Bad Wiessee sei eines der besten Reviere, meint er. Der Verbiss halte sich dank der engagierten Jägerschaft in Grenzen, somit könnten Tannen aufwachsen. Leider könne er dies nicht von allen Revieren im Tegernseer Tal sagen. „Wir haben auch schwierige Bereiche wie den Bauern in der Au.“ Bis zu 15 Stück Rotwild pro 100 Hektar lebten dort – das Amt empfehle gemäß dem Gebot „Wald vor Wild“ ein bis zwei Stück Rotwild auf der genannten Fläche. Das Gebiet Bauer in der Au befindet sich im Privatbesitz von Unternehmer Franz Haslberger. Dessen Leidenschaft ist die Jagd, sein Revier soll rund 500 Hektar umfassen.

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