Auf der Söllbachalm sollen Wanderer einkehren können.
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Auf der Söllbachaualm oder Saurüsselalm sollen Wanderer einkehren können.

Gemeinderat befasst sich mit Antrag von Franz Haslberger

Wanderer-Lokal auf Söllbachaualm in Sicht

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Lange herrschte Funkstille zwischen der Gemeinde Bad Wiessee und Großgrundbesitzer Franz Haslberger. Jetzt bewegt sich etwas. Es geht um eine Gastronomie auf der Söllbachaualm.

  • Gastronomie auf der Söllbachaualm geplant
  • Eröffnung soll noch heuer erfolgen
  • Gemeinderat entscheidet bei Sitzung am 21. Januar

Bad Wiessee – Putzige Wollschweine haben auf der Söllbachaualm ihr Zuhause, ebenso wie Kälber und Hühner. Sie gehört zum Reich des Beton-Unternehmers Franz Haslberger, der sie Saurüsselalm nennt. Es ist sein Wunsch, auf dem Anwesen in idyllischer Lage ein Lokal für Wanderer zu schaffen. Der Wiesseer Gemeinderat wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag, 21. Januar, mit dem entsprechenden Antrag befassen. Für sich genommen, wäre das keine große Sache. Aber sie steht für eine Annäherung nach langer Eiszeit.

Den Anfang hat Bürgermeister Robert Kühn (SPD) nicht lange nach seiner Wahl gemacht. „Ich kannte Herrn Haslberger ja noch nicht. Und er mich auch nicht“, sagt Kühn. Was aber klar war: Es gilt, einen gordischen Knoten zu lösen. Bekanntlich gehört dem Unternehmer in Bad Wiessee nicht nur die kleine Söllbachaualm, sondern unter anderem auch der Bauer in der Au, die Söllbachklause und die Niederstubn.

Bauer in der Au ist seit Oktober 2013 geschlossen

Der Bauer in der Au, einst ein beliebter Ausflugsgasthof, ist seit Oktober 2013 für die Allgemeinheit geschlossen. Ebenso wie die Söllbachklause, die Haslberger im Februar 2014 kaufte und dann dichtmachte. Diverse Umbauwünsche, sowohl für die Berggasthöfe als auch für die im Ort angesiedelten Niederstubn, wurden diskutiert und genehmigt. Doch Haslberger öffnete die Lokale bis heute nicht und beschränkte sich darauf, sein Jagdrevier zu pflegen. Der Gesprächsfaden zwischen der Gemeinde und dem Großgrundbesitzer war gerissen. In Bad Wiessee gibt’s seither keine bequem erreichbare Einkehrmöglichkeit am Berg mehr.

„Es gilt, wieder Vertrauen aufzubauen“, sagt Kühn. Auf beiden Seiten. Enttäuschungen gab’s reichlich, auch bei Haslberger. Der hatte 2011 noch persönlich und mit viel Leidenschaft im Gemeinderat für seinen Plan geworben, den historischen Einfirsthof Bauer in der Au wieder aufzubauen. Der 61 Meter lange Hof war 1971 abgebrannt, Haslberger wollte eine originalgetreue Kopie errichten. Doch der Gemeinderat fürchtete, dass ein Event-Stadel mit großer Gastronomie entsteht und lehnte immer wieder ab. Haslberger zog alle Register, konnte seinen Traum aber nicht realisieren.

Einkehrmöglichkeit an der Saurüsselalm

All das will Kühn nicht aufwärmen. Er bat Haslberger um einen Kennenlern-Termin und ließ sich seine Liegenschaften bei einer Besichtigungstour zeigen. Wenig später, berichtet Kühn, habe Haslberger ihm den Vorschlag unterbreitet, an der Saurüssel-Alm eine Einkehrmöglichkeit für Wanderer zu schaffen.

„Dem stehe ich neutral gegenüber“, sagt Kühn vorsichtig. Es sei aber unzweifelhaft, dass ein sehr großer Bedarf für ein solches Wandererziel bestehe. Die Alm eignet sich dafür auch bestens. Sie ist selbst für wenig konditionsstarke Wanderer und Familien mit Kinderwagen gut zu erreichen. Vom Startpunkt Söllbachtal aus befindet sich die Hütte etwa auf halber Strecke zur Auer Alm.

Vorgespräch im Landratsamt

Kühn ist daran gelegen, bei den Gesprächen zur Saurüsselalm nicht alles, was gewesen ist, miteinander zu vermengen: „Wir wollen bei Null anfangen.“ Der Bürgermeister hat die Gespräche auch nicht allein geführt, sondern früh die Fraktionssprecher des Gemeinderats eingebunden. Am 10. August fand ein Vorgespräch im Landratsamt Miesbach statt. Es waren mehrere Vertreter der Gemeinde dabei, Haslberger selbst allerdings nicht.

Die Rechtslage stelle sich wie folgt dar, erläutert Landratsamt-Sprecherin Sophie Stadler: „Grundsätzlich ist die Genehmigung einer Gaststätte im Außenbereich dann möglich, wenn dies zur Versorgung von Wanderern erforderlich ist, die Betriebszeiten sich an diesem Erfordernis orientieren und die Bewirtung sich auf einfache Speisen und Getränke beschränkt.“ Die Genehmigung hänge im Übrigen maßgeblich von der Stellungnahme der Gemeinde Bad Wiessee ab. Es sei deren Sache, zu beurteilen, ob die Bewirtung von Wanderern und Ausflüglern an dieser Stelle erforderlich sei.

Ziel ist die Eröffnung in diesem Jahr

Doch auch wenn der Bedarf nicht infrage steht: Bei der Umsetzung der Pläne setzt die Gemeinde nicht nur auf Vertrauen. Es ist ein Vertrag in Vorbereitung, der die Realisierung regelt. Er soll verhindern, was viele angesichts der Vergangenheit unterstellen: dass die Almwirtschaft nie eröffnet. Der Vertrag sei „definitiv und klar“, meint Kühn. Auch was die Zukunft der Söllbachklause und der Niederstubn angehe, sei die Vereinbarung hilfreich. Auf eine Brotzeit auf der Saurüsselalm sollen die Ausflügler nicht lange warten müssen, wie Kühn erklärt: „Ziel ist die Eröffnung noch in diesem Jahr.“

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