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Das Grundstück an der Hirschbergstraße wartet schon lange auf seine Bebauung. Bis 1972 stand dort ein Kinderkrankenhaus.

Wohlfühloase statt Sporthotel

Was der Investor an der Wiesseer Hirschbergstraße plant

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Seit vier Jahren liegen die Pläne für ein Sporthotel an der Wiesseer Hirschbergstraße in der Schublade. Da werden sie auch bleiben. Der Investor hat ganz andere Pläne...

Bad Wiessee – Als junger Mann, mit 28 Jahren, hat sich Günter Kurtz (62) schon einmal einen Traum erfüllt. Weil er gern Squash spielt, baute er eine Halle, betrieb sie mit Erfolg. „Ganz familiär“, sagt er. Sein Geld verdiente Kurtz allerdings als Steuerberater großer Konzerne. Jetzt, im Ruhestand, will er wieder einen Traum Wirklichkeit werden lassen. Diesmal soll es ein Hotel werden. Und das soll wieder ganz familiär sein. „Eine Wohlfühloase.“

Ein Grundstück hat der Ebersberger gefunden. 2015 kaufte er mit seiner Fox Beteiligungsgesellschaft ein 7000 Quadratmeter großes Grundstück an der Hirschbergstraße in Bad Wiessee. Eine Fläche, die eigentlich als Gesamtpaket auf dem Markt war. Wie berichtet, hatten Rainer Leidecker als Vorstand der Capital Forum AG und Hans-Peter Völmicke als geschäftsführender Gesellschafter der Projektgesellschaft Hirschbergstraße 15 bis 17 ein Konzept für ein Sporthotel entwickelt. Es sollte ganz auf die Belange von Mountainbikern,Wanderern, Kletterern und Skifahrern ausgerichtet sein und damit eine Lücke im Hotel-Angebot des Tals füllen. Die Projektentwickler legten 2013 eine Planung für ein Hotel mit 85 Zimmern vor, die auch genehmigt wurde.

Diese Planung für ein Sporthotel ist genehmigt. Investor Kurtz will sie aber nicht umsetzen.

Nur: Investor Kurtz gefällt der Entwurf ganz und gar nicht. „Ein Klotz“, sagt er. „Schrecklich.“ Schon beim Kauf habe er sich versprechen lassen, dass er das Hotel so nicht bauen müsse. Kurtz will viel kleiner bauen, anheimelnd und gefällig. Es soll ein Ort sein, an dem sich Familien wohlfühlen. Wichtig ist ihm die Individualität eines überschaubaren Hauses. Nicht nur, weil das sein Stil ist. Sein Hotel, findet Kurtz, müsse sich von den Mammut-Häusern abheben, die in der Nachbarschaft geplant sind. Das ist zum einen der Hotel-Komplex, den die Familie Strüngmann an der Uferpromenade plant und zum anderen das Gesundheitshotel mit Medizinzentrum auf dem Jodbadgelände.

So familiär, wie sich Kurtz sein Hotel vorstellt, soll es auch geführt werden. Sein Sohn Stefan und dessen Frau wollen es betreiben, unterstützt von Geschäftspartner Peter Humsberger. Doch bis zur Eröffnung dürfte es noch eine ganze Weile dauern. Denn noch gibt’s keine Planung. Dabei hat Kurtz nacheinander drei Architekturbüros beauftragt. „Aber man kriegt Entwürfe wie die Bohne“, sagt Kurtz. „Die Bohne“, so wird das Hotel genannt, das auf dem Tegernseer Krankenhaus-Grundstück entstehen soll. Ein massiver Bau, der Kurtz missfällt: „Da wird das schöne Tal verschandelt.“

Dass ein Investor kleiner bauen wolle als erlaubt, das sei für Architekten offenbar schwer zu begreifen, merkt Kurtz an. Die meisten wollten vor allem ihre eigenen Ideen verwirklichen. Das geht mit Kurtz nicht. Er will nach seiner Idee bauen.

Vorstellen kann er sich zwei Häuser mit vielleicht 30 und 25 Zimmern, dazu soll ein schöner Garten gehören. Ein großer Baum in der Mitte des Grundstücks muss wohl weg, die Bäume am Rand dürfen bleiben. „Ich liebe Bäume“, sagt Kurtz.

Immerhin habe er schon einen Spezialisten gefunden, der sich mit dem schwierigen Untergrund auskennt, meint Kurtz. Und mittlerweile helfe auch Projektentwickler Leidecker mit, einen neuen Plan auf die Beine zu stellen. 2018, erklärt Kurtz, könne es losgehen. Vielleicht gleichzeitig mit Strüngmanns Bau.

Bei Bürgermeister Peter Höß war Kurtz nach einer ersten Vorstellung nicht mehr. Die Gemeinde stehe aber einer anderen Ausrichtung des Hotels sehr aufgeschlossen gegenüber, meint Höß. Der Wunsch, kleiner zu bauen, sei sicher im Interesse der Nachbarn. Dass angesichts der Groß-Projekte in der Nachbarschaft ein Überangebot an Hotels entstehen könnte, fürchtet Höß nicht. Ein kleineres Haus könne wunderbar dazupassen: „Wir haben Aufbruchstimmung – und sehr gute Zukunftsperspektiven.“

jm

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