Ein Bild aus vergangenen Tagen: Im Wiesseer Badepark trainierten die rund um den Tegernsee angesiedelten Wasserrettungsorganisationen den Nachwuchs. 
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Ein Bild aus vergangenen Tagen: Im Wiesseer Badepark trainierten die rund um den Tegernsee angesiedelten Wasserrettungsorganisationen den Nachwuchs. 

Im Winter ist kaum Schwimmtraining möglich

Wasserretter im Tegernseer Tal auf dem Trockenen: Der Wiesseer Badepark fehlt

  • Christina Jachert-Maier
    VonChristina Jachert-Maier
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Im Tegernseer Tal gibt‘s kein Hallenbad mehr. Im Sommer ist das Rottacher Warmbad ein Rettungsanker. Doch mit der Badesaison muss nun auch das Schwimmtraining der Rettungsorganisationen enden.

Tegernseer Tal – Die Badesaison ist vorbei, das Rottacher Warmbad hat Winterpause. Für die Wasserretter rund um den See bedeutet es den Verlust des Rettungsankers nach der Schließung des Wiesseer Badeparks. „Wir können kein Schwimmtraining mehr anbieten“, sagt Hans Mielke. Er war lange Chef der 560 Mitglieder starken Wiesseer Wasserwacht, im Frühjahr hat er den Vorsitz an seinen Sohn Thomas abgegeben, um selbst einen neu gegründeten Förderverein zu leiten.

Hallenbäder in der Umgebung sind ausgebucht

Intensiv hat die Führung der Wasserwacht versucht, Trainingszeiten in den Hallenbädern in Bad Tölz und Holzkirchen zu ergattern. „Aber es ist alles voll, man kriegt keinen Platz mehr“, seufzt Mielke. Nicht nur die Trainings fallen flach, sondern auch die Kurse für die Kleinsten. Einen Hoffnungstreifen gibt es noch. „Vielleicht können wir in einem Wiesseer Hotel einen Kindergartenkurs anbieten“, berichtet Mielke. Ob das möglich sein wird, hängt von der Pandemie-Lage ab.

Den Sommer über haben die Wasserretter rund um den See im Rottacher Warmbad trainiert. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Mielke. Kinder zwischen sechs und 14 Jahren zogen ihre Bahnen im Becken. Mit den Älteren trainiert die Wiesseer Wasserwacht schon seit etwa fünf Jahren im See, mit Neoprenanzügen und in Begleitung eines Motorboots. „Fast unter Realbedingungen“, erklärt Mielke. Das fördert die Motivation der Jugendlichen, passt aber nicht für die Jüngeren. Und erst recht nicht für Schwimmkurse. „Die brennen uns unter den Nägeln“, sagt der Wasserwachtler. Es gehe ums Schwimmenlernen und darum, dass die „Bambinis“ das gerade Erlernte über den Winter nicht wieder vergessen. Er sorge sich weniger um den Verein als um die Kinder, betont Mielke.

In guten Jahren nahmen bis zu 120 Kinder am Schwimmtraining im Badepark teil. Jetzt fehlt der Wasserwacht das Wasser. Noch ist der alte Badepark nicht einmal abgerissen, vor 2025 ist mit der Einweihung eines Neubaus nicht zu rechnen.

Baustadel wird saniert

Obendrein verliert der Wiesseer Verein vorübergehend seine Heimat am See. Wie berichtet, muss der denkmalgeschützte Baustadel, die Station der Wasserwacht, aufwendig saniert werden. Drei bis fünf Jahre soll das dauern. Zwar ist geplant, ein Behelfsdomizil am Ufer zu errichten, aber es wird nicht dasselbe sein. Die Situation gehe an die Existenz, sagt Mielke.

Mit Gruppenangeboten versucht der Wasserwacht-Vorstand, das Wir-Gefühl zu erhalten. Als Chef des Fördervereins wirbt Mielke um Unterstützung, und dies auch erfolgreich. Erst vor Kurzem hat das E-Werk Tegernsee einen vierstelligen Betrag gespendet. Demnächst wird eine Spendenbroschüre verteilt. Das Geld fließt in den Innenausbau des Baustadels. Das Gebäude gehört der Gemeinde, aber die Wasserwacht bringt sich bei der Sanierung nach Kräften ein.

„Traglufthalle über dem Warmbad aufstellen“

Auch die DLRG Tegernsee, 420 Mitglieder stark, hat bis zur Schließung des Wiesseer Badeparks dort trainiert. Zum Glück biete die Ortsgruppe aber auch „seit ewigen Zeiten“ im Holzkirchner Hallenbad Trainings an, berichtet der Vorsitzende Andreas-Bernd Lange. Die Lücke füllt das nicht. „Die Tegernseer Kinder kriegen wir schlecht nach Holzkirchen“, erklärt Lange. Der Weg ist weit, die Trainingszeit verlangt den Eltern viel ab: Die Kinder müssen samstags kurz vor 8 Uhr in Holzkirchen sein. Nutzen darf die DLRG das Becken eine Stunde lang. „Die Situation ist sehr schwierig“, meint Lange. Sein Vorschlag: das Rottacher Warmbad zum Hallenbad machen. „Vielleicht kann man eine Traglufthalle über dem Warmbad aufbauen“, so seine Idee. An der Realisierung zweifelt er selbst: „Wahrscheinlich ist das zu schwierig mit der Genehmigung und den Sponsoren.“

DLRG Gmund streckt Fühler in Nachbar-Landkreis aus

Die DLRG Gmund kämpft noch darum, Trainingszeiten für den Winter zu organisieren. Man führe Gespräche mit Bädern im Landkreis Bad Tölz/Wolfratshausen, berichtet Sprecherin Caroline Amann: „Es ist so wichtig, dass die Kiddies schwimmen lernen.“ Bis 2020 waren die Gmunder jeden Dienstag mit 50 bis 50 Kindern im Wiesseer Badepark. Zum Training im Rottacher Warmbad kamen noch 25 bis 30 Kinder. Jetzt geht es darum, das Schwimmen nicht untergehen zu lassen. Darum hat die DLRG Gmund Radius weit gezogen, wie Amann berichtet. Die Chancen für eine Zusage stünden nicht schlecht: „Aber die Anfahrt ist ein Problem.“

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