Der Wiesseer Badepark ist seit Beginn der Corona-Krise geschlossen
+
Der Wiesseer Badepark ist seit Beginn der Corona-Krise geschlossen

Bürgerentscheid zum Badepark Bad Wiessee

Wasserwacht und DLRG machen sich für den Neubau stark - Sportbecken gefordert

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
    schließen

Wasserwacht und DLRG sitzen auf dem Trockenen, ebenso die Schulen: Der Wiesseer Badepark ist geschlossen. Aber wie soll es jetzt weitergehen?

  • Bürger entscheiden am 27. September über die Zukunft des Badeparks.
  • Wasserwacht und DLRG plädieren für einen Neubau.
  • Schwierige Übergangszeit für die Wasserretter.

Bad Wiessee – Den Abriss des Badeparks hatten die Amtsvorgänger des jetzigen Gemeinderats schon beschlossen. Doch der neue Rathauschef Robert Kühn (SPD) und seine Mannschaft wollen, dass die Bürger über die Zukunft ihres Bads entscheiden. Darum das Ratsbegehren. Die Frage lautet: „Möchten Sie, dass der Badepark abgerissen wird und auf demselben Grundstück schnellstmöglich der Neubau eines Bades entsteht, welches mindestens die vorhandenen Nutzungsmöglichkeiten beinhaltet?“ Stimmt die Mehrheit zu, öffnet der alte Badepark nie mehr. Doch auch wenn sie ablehnt, wird der Betrieb nur dann wieder aufgenommen, wenn die vier Nachbargemeinden künftig helfen, das Betriebsdefizit zu stemmen.

„Der Badepark macht nicht mehr auf“, ist Hans Mielke, Leiter der Wiesseer Wasserwacht, überzeugt. Das hält er auch für sinnvoll. Jetzt noch Geld in das marode Bad zu pumpen, wäre ein wirtschaftliches Fiasko, meint Mielke. „Die Gemeinde soll lieber in einen Neubau investieren.“ Für den macht sich die Wasserwacht so stark, dass sie einen Flyer zum Bürgerentscheid entworfen hat. „Stimmen Sie mit JA zum Neubau!“, heißt es dort. Die Wasserwacht brauche ein Hallenbad mit Sportbecken.

„Die Ertrinkungszahlen in Bayern steigen“, erklärt Mielke. Gerade in einer Region mit einem der schönsten Badeseen müssten Kinder schwimmen lernen. „Und sie lernen es eben nicht im See.“

Wasserwacht will Nachwuchs bei der Stange halten

Die Wasserwacht richtet sich auf eine schwierige Zeit bis zur Eröffnung des neuen Hallenbads ein. Aktuell gehören rund 240 Kinder und Jugendliche zu den Mitgliedern. Die will die Wasserwacht bei der Stange halten. „Wir hoffen, dass uns das gelingt“, sagt Mielke. Zum Glück stünden Lehrsäle zur Verfügung, es werde Gruppenstunden geben. Für Kinder ab etwa zwölf Jahren bietet die Wasserwacht im Sommer See-Überquerungen an. Begleitet von Motorbooten, Stand-up-Paddlern und erwachsenen Schwimmern geht es vom Wiesseer Baustadel der Wasserwacht nach Tegernsee. Wer dann noch Luft und Kraft hat, schwimmt auch wieder zurück. 800 oder 1600 Meter Schwimmstrecke legt der Nachwuchs so zurück. „Die Kinder sind begeistert“, weiß Mielke. So groß sei der Ehrgeiz, dass nur selten einer der jungen Schwimmer an den Ballon fasse, der zur Kennzeichnung und als Schwimmhilfe dient.

Doch so groß der Spaß auch ist: Fürs Training und den Schwimmunterricht braucht es ein neues Hallenbad. Bis zur Schließung des Badeparks trainierte die Wasserwacht dort jede Woche 120 Kinder und Jugendliche. Pro Jahr nahmen die Ehrenamtlichen zudem rund 40 Seepferdchen und Jugendschwimmabzeichen ab.

Spaß im Wasser: Das Foto entstand bei einer Veranstaltung der Wasserwacht im Badepark im Juli 2018.

Nicht nur die Wiesseer, sondern auch die Rottacher und Gmunder Wasserwacht vermissen den Badepark. „Für uns ist es wichtig, dass wir wieder ein Sportbecken bekommen“, erklärt Alexander Schwarz, Vorsitzender der Kreiswasserwacht.

DLRG Tegernsee erinnert sich an Schließung des Hallenbads in Tegernsee

Andreas-Bernd Lange, Vorsitzender der DLRG Tegernsee, fühlt sich an die Zeit vor 15 Jahren erinnert, als die Stadt Tegernsee ihr Hallenbad schloss. „Damals ist uns der Nachwuchs flöten gegangen“, meint er. Inzwischen habe sich die DLRG erholt. Rund 250 Jugendliche sind jetzt wieder dabei. Ein Teil schwimmt im Badepark, ein Teil im Holzkirchner Hallenbad. Künftig werde der Verein versuchen, auch Tegernseer Kinder in Holzkirchen zu trainieren, meint Lange. Dies sei aber wegen der knappen Zeiten und auch der Entfernung schwierig. Aktuell habe die DLRG auch viele Anfragen in Sachen Schwimmkurse. „Aber wir hängen leider komplett in der Luft“, erklärt Lange. Er sei sehr für einen Neubau des Badeparks: „Ich glaube, dass es mit einer Sanierung nicht hinhaut.“

Auch Realschulleiter hofft auf einen Neubau

Für den Neubau plädiert auch Tobias Schreiner, Leiter der Realschule Tegernseer Tal. Zwar wäre es „himmelschade“, wenn die Schulen bis zur Eröffnung des Neubaus auf Schwimmunterricht verzichten müssen, so Schreiner. „Aber dafür sind wir das Damoklesschwert los, dass der Badepark plötzlich ausfällt.“ Im Sommer könnten Klassen möglicherweise ins Rottacher Warmbad ausweichen, meint Schreiner. Es müsse halt nun eine Übergangszeit bewältigt werden.

Der Kurs der Gemeinde Bad Wiessee stimmt den Schulleiter optimistisch. Zweimal schon habe er sich mit dem neuen Bürgermeister Robert Kühn über das Bad unterhalten, so Schreiner. Dabei habe er „sehr klar“ den Eindruck gewonnen, dass die Gemeinde die Bedürfnisse der Schulen und der Ehrenamtlichen verstanden habe und großen Wert darauf lege, sie zu erfüllen: „Und diesen Eindruck hatten wir Schulen nicht immer.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Grühn-Areal in der Wiesseer Ortsmitte an Investor aus Irschenberg verkauft
Grühn-Areal in der Wiesseer Ortsmitte an Investor aus Irschenberg verkauft
Mord-Prozess gegen Tegernseer Arztwitwe beginnt
Mord-Prozess gegen Tegernseer Arztwitwe beginnt
Waakirchner Ehepaar wegen mysteriöser Einbrüche in Georgenried vor Gericht
Waakirchner Ehepaar wegen mysteriöser Einbrüche in Georgenried vor Gericht
Nach Bachmair am See: Nächstes Luxus-Hotel am Tegernsee schließt völlig überraschend
Nach Bachmair am See: Nächstes Luxus-Hotel am Tegernsee schließt völlig überraschend

Kommentare