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Die Musiker des Salonorchesters Bad Wiessee, hier bei einem Auftritt im Kultur im Oberbräu in Holzkirchen, müssen nicht um ihre Gehälter bangen.

Gemeinde stellt wegen Corona Ausgaben auf den Prüfstand

Bad Wiessee: Bei der Kurmusik lässt sich deutlich sparen

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Wo lässt sich sparen? Angesichts der Corona-Krise stellt sich diese Frage auch in Bad Wiessee. Die Gemeinde hat sich jetzt das Thema Kurmusik vorgenommen.

Bad Wiessee – Die Corona-Krise zwingt die Gemeinden, den Gürtel enger zu schnallen. Auch in Bad Wiessee wurden bei der jüngsten Gemeinderatssitzung deutliche Mindereinnahmen durch die Pandemie prognostiziert. Die Kommune stellt deshalb ihre Ausgaben auf den Prüfstand – und will bei der Kurmusik deutlich einsparen.

„Da muss ich erst einmal tief Luft holen“, erklärte Bürgermeister Robert Kühn (SPD), als er den Tagesordnungspunkt eröffnete. Der Rathaus-Chef schickte voraus, dass Bad Wiessee dringend eine „deutliche Kostensenkung“ brauche. Zugleich betonte er, dass die Kultur nicht als erstes unter dem derzeitigen Kostendruck leiden dürfe. Bad Wiessee verfüge mit dem Kurorchester über ein echtes Alleinstellungsmerkmal, das es auch zu erhalten gelte. „Aber wir wollen die Organisationsstruktur verschlanken“, kündigte der Bürgermeister an. Dadurch lasse sich einiges einsparen.

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Auch beim Repertoire der Musiker möchte die Gemeinde künftig tonangebend sein: Moderner und kreativer solle es werden, der Schwerpunkt solle aber auch auf typisch bayerischer Musik liegen. Derzeit werden die Profimusiker von Bernhard Krahl-Urban gemanagt. Mit seiner Agentur „Events am Tegernsee“ hat er vor zehn Jahren die Vermarktung der Wiesseer Kurmusik übernommen und das Thema „in ruhiges Fahrwasser geführt“, würdigte Kühn.

„Es geht nicht um eine Beschneidung der Leistung unserer Musiker“, stellte CSU-Sprecher Florian Sareiter klar. Hier werde nicht die Musik eingestampft, sondern nur die Organisationsstruktur optimiert. „Da kann man zustimmen“, meinte Sareiter.

Vize-Bürgermeisterin wünscht sich von Musikern „gewagteres“ Repertoire

Vize-Bürgermeisterin Birigt Trinkl (Wiesseer Block), Vermieterin von Ferienwohnungen, zeigte sich ebenfalls froh darüber, dass hier „nichts beschnitten“ werden solle. Schließlich habe sich die Kurmusik gut bei den Gästen etabliert. Aber auch Trinkl fand, dass sich die Musiker mit ihrem Programm durchaus „gewagter“ präsentieren dürften. Das sah Korbinian Herzinger, CSU-Gemeinderat und Chef der Wiesseer Blaskapelle, ähnlich. Eine gute Kurmusik könne den Ort voranbringen. „Ich stehe gerne mit Rat und Tat zur Seite – meine Unterstützung habt ihr“, sagte Herzinger.

Johannes von Miller (Grüne) erinnerte daran, dass es bei der Kurmusik vor vielen Jahren einmal einen regelrechten „Kahlschlag“ gegeben habe, deshalb sei dies ein „sehr sensibler Punkt“. Es gehe hier nicht darum, an Gehältern oder Auftrittsmöglichkeiten zu sparen – diese Angst müsse man den Beteiligten nehmen.

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Der einstimmig gefasste Beschluss besagt unter anderem Folgendes: Krahl-Urbans Firma „Events am Tegernsee“ wird seitens Bürgermeister Kühn darüber informiert, „dass ab sofort keine Konzerte mehr über sie gebucht werden“. Stattdessen werde die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) damit beauftragt, ein Konzept für die Kurmusik zu erstellen und dieses möglichst zur nächsten Gemeinderatssitzung vorzustellen. Im Anschluss wolle man die TTT damit beauftragen, entsprechende Konzerte für die Gemeinde zu buchen. Die Rechnung dafür gehe an die Kommune. In der Hauptsaison vom 1. Juni bis zum 30. September dürfe es „keinerlei Einbußen hinsichtlich Quantität und Qualität der Konzerte geben“, heißt es in dem Beschluss weiter.

Umstrukturierung soll Einsparungen zwischen 50.000 und 100.000 Euro bringen

Die Einsparungen, die sich die Gemeinde durch diese Umstrukturierung ausrechnet, sind üppig: Die Einsparungen sollten jährlich mindestens 50.000 Euro und höchstens 100.000 Euro betragen. Zudem ist im Beschluss verankert, dass künftig ein größerer Schwerpunkt „auf typisch bayerische Musik“ gelegt werden solle.

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„Völlig überrascht“ von der Debatte und der Entscheidung im Gemeinderat zeigte sich Manager Krahl-Urban. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte er, dass er nun das Gespräch mit dem neuen Bürgermeister suchen wolle.

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