Die Saurüsselalm wird kräftig ausgebaut.. Foto. Archiv tp
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Die Saurüsselalm wird kräftig ausgebaut.. Foto. Archiv tp

Saurüsselalm mit täglichem Betrieb

Bündnis gegen neue Almwirtschaft: Brandrief an drei Ministerien - „Wem gehört das Tegernseer Tal?“

  • Christina Jachert-Maier
    VonChristina Jachert-Maier
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Insgesamt 240 Plätze, ein Tanzboden und Schmankerl vom Event-Caterer: Noch in diesem Herbst soll die Saurüsselalm von Franz Haslberger eröffnen. Doch es gibt Widerstand.

Bad Wiessee – Damit Wanderer wieder am Berg einkehren können, haben der Wiesseer Gemeinderat und das Miesbacher Landratsamt den Weg freigemacht für den Umbau der Söllbachaualm. Künftig heißt sie Saurüsselalm und bietet reichlich Platz für Wanderer, die sich stärken wollen. Für eine ordentliche Speisekarte werden Tanja und Martin Frühauf sorgen, die als Event-Caterer auch den Bauern in der Au bewirtschaften, der ebenfalls Unternehmer Franz Haslberger gehört. Die ehemalige Ausflugsgaststätte steht aber nur noch für einzelne Events zur Verfügung. Dass es jetzt wieder ein täglich geöffnetes Wanderlokal geben wird, ist Ergebnis von Verhandlungen zwischen Bürgermeister Robert Kühn und Haslberger.

Saurüsselalm mit täglichem Betrieb: Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal wenig erfreut

Die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) hingegen absolut keinen Grund zur Freude. Gemeinsam mit dem Münchner Verein zum Schutz der Bergwelt sorgt sie sich um die Natur und grätscht dazwischen. In einem Schreiben an Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Umweltminister Thorsten Glauber fordern die beiden Vereine die Adressaten auf, als oberste Rechts- und Fachaufsichtsbehörde einzuschreiten und die Umwandlung der Alm in eine Wirtschaft zu untersagen.

An der Haltung des Landratsamts übt Rudi Erlacher als Geschäftsführender Vorsitzender des Vereins zum Schutz der Bergwelt heftige Kritik. „Kaum ist über die Affäre Kreidl wieder etwas Gras gewachsen, feiert hier der alte Ungeist offenbar wieder fröhlich Urständ“, heißt es in dem Schreiben an die Ministerien. Zentrale Grundwerte stünden im Feuer, nämlich die Bindung der Exekutive an Recht und Gesetz sowie den Gleichbehandlungsgrundsatz.

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Wütender Brief an drei Ministerien: Bergschützer im Widerstand gegen Saurüsselalm

Nach Meinung der beiden Initiativen kommen Gemeinde und Landratsamt dem Großgrundbesitzer Haslberger zu weit entgegen. „Der verständliche Wunsch, langjährige Streitigkeiten zu beenden, kann nicht als Grund dafür herhalten, fundamentale Voraussetzungen rechtsstaatlichen und umweltverträglichen Handelns über Bord zu werfen“, erklärte Sabine Rösler, Vorsitzende des Vereins zum Schutz der Bergwelt, bereits im Juli in einem Brief an Landrat Olaf von Löwis. Die Antwort aus dem Landratsamt, alles sei rechtens, überzeugte den Verein nicht.

Darum fährt der Verein mit Unterstützung der SGT jetzt stärkere Geschütze auf. „Wem gehört das Tegernseer Tal?“, ist eine Pressemitteilung überschrieben, in der die beiden Organisationen über ihr Schreiben an die drei Ministerien informieren.

Was die Vereine empört, ist zum einen die Genehmigung einer Almgaststätte mitten im Idyll. Von einer einfachen Verköstigung für Wanderer könne unter der Regie der Frühaufs kaum die Rede sein. Zum Zweiten rügen die Organisationen den Bau einer Lkw-tauglichen Zufahrtsstraße durch den Schutzwald. Es stünden bereits zwei geeignete Zufahrten zur Verfügung, die dritte verkürze den Weg um wenige Minuten. Die alpine Natur komme buchstäblich unter die Räder, monieren die Beschwerdeführer. Dass das Landratsamt vom Ausbau eines bestehenden Weges spricht, lassen sie nicht gelten. Zum Dritten ist eine neue Fußgängerbrücke den Verfassern des Protests ein Dorn im Auge.

Bei ihren Forderungen an die Ministerien gehen der Verein zum Schutz der Bergwelt und die SGT in die Vollen. Die Genehmigungen sollen wieder aufgehoben und die Nutzung als Almwirtschaft untersagt werden. Baurechtliche Verstöße sollen geahndet, die Straße, die Furt und die Brückenfundamente zurückgebaut werden. Angesichts der wirtschaftlichen Verhältnisse des Eigentümers, so heißt es in dem Brief wäre dies „nicht unverhältnismäßig“.

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