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Ein Gebäude mit Innenhöfen und viel Licht soll künftig das Badehaus von Bad Wiessee beherbergen.

Jodbad-Chefin stellt Konzept vor

Neues Badehaus soll neue Kundschaft locken

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Bad Wiessee - Ein kleines, feines Badehaus, in dem das heilsame Jodschwefelwasser verabreicht wird, will die Gemeinde Bad Wiessee bauen. Im kommenden Frühjahr soll es stehen. 

Erst war ein Investor gesucht, jetzt baut die Gemeinde selbst und investiert rund vier Millionen Euro. Als die Entscheidung kurz vor Weihnachten fiel, hat Jodschwefelbad-Chefin Renate Zinser „eine Woche lang gefeiert“. Nicht allein: Das gesamte Jodschwefelbad-Team, insgesamt 13 Mitarbeiter, war erleichtert und froh. „Wir finden es schon sehr gut, dass die Gemeinde das in der Hand behält“, meinte Zinser.

Zuvor hatte ein privater Investor Pläne vorgelegt, die hinter den Kulissen für viel Wirbel sorgten. Auf einem Grundstück nahe dem Medical Park am Kirschbaumhügel hätte ein großes Gebäude mit etlichen Praxen für Ärzte und Therapeuten entstehen sollen. Darin wäre die gemeindliche Jodbad-Gesellschaft Mieter gewesen. Aber nicht nur die Dimension des Gebäudes, sondern auch die der Miete veranlasste den Gemeinderat, die Reißleine zu zu ziehen. 30.000 Euro hätte die Gemeinde monatlich zahlen müssen.

Nun bekommen Zinser und ihr Team neben dem Bade Park ein edles kleines Badehaus mit viel Licht von oben und stillen Innenhöfen. Von dort kann der Badende und Ruhende nach draußen blicken, wird aber nicht gesehen. Die Abgeschiedenheit ist ein Luxus, den die Kundschaft schätzt. Es sind Menschen, die unter Hautkrankheiten oder Rheuma leiden, ihre Atemwege kurieren wollen oder schmerzende Knochen. Viele kommen auch nur um der Prävention willen. Aber alle schätzen die einfühlsame Betreuung durch die engagierten Badefrauen.

Die vorhandenen Wannen ziehen auch ins neue Badehaus mit um. "Etwas Besseres gibt es nicht", sagt Jodbad-Chefin Renate Zinser.

„Dass einer im Handtuch über den Flur muss, das geht gar nicht“, weiß Zinser. Für ihr Konzept hat sie gekämpft. „Unser Thema ist Gesundheit“, erklärt Zinser. Das bedeutet etwas anderes als Wellness. Darum gibt es auch im neuen Badehaus keine Therme, in der es sich planschen lässt. „Wir bleiben beim Prinzip Einzelwanne“, berichtet Zinser. Die vorhandenen Wannen ziehen ins neue Gebäude mit um. „Die sind wie neu, und etwas Besseres findet man nicht“, schwärmt Zinser.

16.000 Bäder wurden 2014 im alten Jodbad verabreicht. Die Zahlen für 2015 stehen noch aus, dürften aber auf demselben Niveau liegen. Das gilt auch fürs Defizit. 2014 lag es bei 480 000 Euro. Das Minus resultiert vor allem aus den hohen Energiekosten im jetzigen Bad. Das alte Gemäuer wird abgerissen, um einem Gesundheitshotel Platz zu machen. Zinser hofft inständig, dass das neue Badehaus bis dahin steht. Denn nur so kann der Badebetrieb ohne Pause weitergehen. „Wir dürfen einfach nicht schließen“, sagt Zinser. Zu groß sei die Gefahr, dass treue Kunden in andere Bade-Orte abwandern.

Im jetzigen Jodbad stehen 15 Wannen, bei Bedarf können weitere zehn Wannen genutzt werden. Das neue Badehaus soll 16 Wannen haben. Trotzdem können dort dreimal so viele Anwendungen verabreicht werden – wegen der Öffnungszeiten. Aktuell ist das Bad nur halbe Werktage geöffnet, am Wochenende gar nicht. Das soll sich ändern. Die Hoffnung ist, dass der edle Neubau neue Kundschaft bringt.

Neben dem Bad selbst werden auch noch ein oder zwei Bade-Ärzte dort Räume haben. Schon im vergangenen Jahr hat Zinser festgestellt, dass vermehrt auch jüngere Gäste kommen. Viele ab Mitte 40 wollen durch Jodbäder Krankheiten vorbeugen, setzen auf die vitalisierende und entspannende Wirkung.

Die Ausschreibung für das neue Badehaus wurde schon im Dezember gestartet, in der zweiten Märzwoche erfolgt laut Städteplaner Eberhard von Angerer die Vergabe. Im Juni/Juli könnte der Bau beginnen, bereits im kommenden Frühjahr soll Einzug sein. Das Badehaus ist zwar nicht groß, trotzdem wird es neben dem Bade Park eng: Der Außenbereich verkleinert sich, die Außenrutsche soll deshalb weichen.

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