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Das Ehepaar Hubert Burda und Maria Furtwängler, hier bei der 67. Bambi-Verleihung Ende 2015 in Berlin, besitzt in Bad Wiessee ein Grundstück am See.

Amtsblatt-Veröffentlichung sorgt für Wirbel

Baut Hubert Burda ein Golf-Hotel in Bad Wiessee?

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Bad Wiessee - Verleger Hubert Burda baut ein Hotel in Bad Wiessee? Ein Vermerk im Amtsblatt des Landkreises lässt daran keinen Zweifel - auf den ersten Blick. Wir sind den überraschenden Zeilen nachgegangen.

Es steht schwarz auf weiß im Amtsblatt 41 mit dem Vermerk „Öffentliche Zustellung“, veröffentlicht auf der Homepage des Landratsamts Miesbach: „Prof. Dr. Hubert Burda, Deutsche Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH & Co. Objekt Bad Wiessee KG, Neubau eines Golf- und Kurhotels (Kongresshotel), Bad Wiessee, Flurnummer 161/2, 154, 161/4, Gemarkung Bad Wiessee“. Bei der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) schrillten angesichts der Lage am See die Alarmglocken: „Baut der Verleger Hubert Burda etwa ein Hotel in Bad Wiessee?“ So fragte ein Mitglied jetzt ganz aufgeregt nach. 

Die Antwort liefert zum einen Helmut Köckeis, Bauamts-Leiter in der Gemeinde Bad Wiessee. „Bei der Bekanntmachung im Amtsblatt handelt es sich tatsächlich um die Zustellung einer Baugenehmigung“, räumt Köckeis ein. Er fügt aber hinzu, dass die Baugenehmigung „eigentlich keine Bedeutung“ habe. Wie kann das sein? Seit den 1980er-Jahren, so macht Köckeis deutlich, gebe es eine Baugenehmigung für ein solches Hotel. Diese Genehmigung sei stets auf zwei Jahre befristet, „und seitdem lässt Herr Burda die Baugenehmigung verlängern“. Verwirklicht wurde das Projekt nie. Die Gemeinde Bad Wiessee vertraut auf eine Abmachung, wonach Familie Burda nicht beabsichtigt, die Baugenehmigung umzusetzen. 

Warum wird die Genehmigung alle zwei Jahre verlängert, wenn doch angeblich kein Bauinteresse besteht? Unsere Zeitung fragte nach bei Stefan Leberfinger. Er ist Vermögensverwalter im Hause Burda. In den 80er-Jahren sei das Grundstück noch im Besitz der DG-Bank gewesen, erläutert Leberfinger. Besagte, zur Bank gehörige Vermögensverwaltungsgesellschaft, hatte geplant, auf dem Grundstück am See ein Hotel zu bauen. „Um das aber zu verhindern, hat Herr Burda, der schon damals direkt nebenan Grundbesitz hatte, das Gelände vor etwa 15 Jahren gekauft“, erklärt Leberfinger. Um den Wert des Grundstücks, der mit genehmigtem Bauplan wesentlich höher ist, zu erhalten, werde die Genehmigung regelmäßig verlängert. 

Gebaut hat Familie Burda dennoch. Schauspielerin Maria Furtwängler, Ehefrau des 75-jährigen Verlegers, hat gerade auf dem Grundstück am See ein Haus errichtet, zwei ähnlich große Gebäude wurden dafür abgerissen. Das Grundstück, das zunächst im Außenbereich lag, musste dafür dem Innenbereich zugeschlagen werden. Maria Furtwängler verzichtete dafür unwiderruflich auf den Bau zweier Einfamilienhäuser, für die ebenfalls seit 1999 eine Genehmigung vorlag. Dass diese Häuser in einer wertvollen Biotopfläche lagen, darauf hatte die Untere Naturschutzbehörde erst später hingewiesen. Von einem „Promi-Bonus“ war in Folge die Rede. Ein Vorwurf, den die Gemeinde zurückwies (wir berichteten). Dem Bau voraus ging dennoch eine umfangreiche arten- und naturschutzrechtliche Prüfung, die die Naturschutzbehörde des Landratsamts gefordert hatte. Heraus kam ein 60-seitiges Gutachten, in dem sorgfältig beleuchtet wurde, ob möglicherweise bedrohte Tierarten wie Fledermaus-Kolonien durch den Neubau gefährdet werden könnten. Das Ergebnis war negativ.

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