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Aus der Ex-Klinik soll nach einem Umbau ein massiv vergrößertes Hotel werden. Der Gemeinderat sieht das allerdings anders.

"Negativstes Beispiel eines Antrags seit langem"

Betreiber will Ex-Klinik zu Riesen-Hotel umbauen

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Bad Wiessee - Erst ist Schluss mit dem Klinikbetrieb, dann wird das Haus Sonnenfeld in Bad Wiessee zum Hotel - und jetzt will der Betreiber es massiv vergrößern. Der Gemeinde gefällt das gar nicht.

Das Landhotel Sonnenfeld in Abwinkl, einst eine Privatklinik, hat in jüngster Zeit mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Das Landratsamt hatte dem Betrieb im Juni 2014 die Konzession als Klinik entzogen. Der Betreiber zog vor Gericht – und scheiterte. Mittlerweile wird das stattliche Anwesen aus den 60er-Jahren offiziell als Hotel geführt, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft ist Udo Schulz. Der ist mit dem derzeitigen Zustand des Hauses offenbar nicht glücklich, und so wurde die Sonnenfeld Immobilien Management GmbH im Rathaus vorstellig. „Die wollen ihre baulichen Erweiterungs-Möglichkeiten ausloten“, erläuterte Helmut Köckeis.

Doch was der Bauamtsleiter anschließend an Plänen präsentierte, sorgte für breite Empörung im Gremium. „Das ist eines der negativsten Beispiele eines Antrags seit langem“, machte Vize-Bürgermeister Robert Huber (SPD) seinem Ärger Luft. Wünschen würde sich die Sonnenfeld GmbH unter anderem den Abriss des erdgeschossigen Verbindungsbaus und einen zweieinhalb-geschossigen Neubau, eine Verlängerung des Baukörpers in Richtung See um 22 Meter, einen zusätzlichen Bauteil im hinteren Grundstücksteil mit 21 Metern Länge sowie diverse Abböschungen, um die Kellerräume zu erhellen.

Richtig deutlich wurde das Ausmaß der Erweiterungswünsche, als Köckeis Bilder vom Altbestand und dem gewünschten künftigen Anwesen gegenüberstellte. „Wie die Titanic“, lautete ein spontaner Ausruf aus den Gremiums-Reihen. „Fassungslos“ zeigte sich auch Ingrid Versen. Die CSU-Gemeinderätin kritisierte zudem den Umstand, dass das Hotel Sonnenfeld mit Billig-Angeboten seine Gäste ködere. „So ein Ramsch passt nicht zu Bad Wiessee“, zürnte sie. Während Fritz Niedermaier (Wiesseer Block) die Planungen als Zumutung bezeichnete und die Vermutung in den Raum stellte, dass die Betreibergesellschaft möglichst viel Baurecht herausschlagen wolle, um das Grundstück später zu „verscherbeln“, empfahl Klaudia Martini (SPD) einen harten Kurs gegenüber dem Antragsteller: Die insgesamt sieben Voranfragen seien allesamt mit einem kategorischen Nein – ohne weitere Begründung – zu beantworten. „Wir sind hier ja nicht auf dem Basar“, meinte Martini.

Dabei würde der Gemeinderat eine touristische Entwicklung an dieser exponierten Stelle grundsätzlich durchaus begrüßen. Florian Sareiter (CSU) plädierte daher für einen freundlicheren Umgang mit dem Antragsteller: Freilich seien die Pläne in der vorgelegten Form „irreal“ und daher „absolut abzulehnen“. „Aber wir könnten ihnen zumindest mitteilen, woran es liegt“, meinte Sareiter. Die meisten Gemeinderäte sahen dafür keine Veranlassung und wollten den Hotel-Betreibern vor allem eines deutlich signalisieren: So nicht! Einstimmig beschloss das Gremium, die Voranfrage mit einem siebenfachen Nein abzulehnen. Am Schluss stand jedoch eine Prophezeiung von Bauamtsleiter Köckeis: „Das wird uns noch viel Zeit und Energie kosten.“

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