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Fürs Schneefräsen gelten in Bad Wiessee eigene Regeln, die sich an Sonn- und Werktagen unterscheiden. Bei „Gefahr für Leib und Leben“ macht die Gemeinde eine Ausnahme.

„Wir sind schließlich ein Heil- und Kurort“

Gemeinde Bad Wiessee regelt Lärmschutz neu

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Bad Wiessee - Bad Wiessee rüstet sich für bevorstehende Zeiten mit viel Baulärm: Ab sofort gibt es eine eigene Verordnung, und auch die Zeiten für Haus- und Gartenarbeiten sind neu geregelt.

Die bisherige Verordnung über die zeitliche Beschränkung von Haus- und Gartenarbeiten stammte aus dem Jahr 1983. Sie sei lediglich „zusammengewurschtelt gewesen“ und juristisch zudem nicht haltbar, wie Wiessees Geschäftsleiter Michael Herrmann in der Gemeinderatssitzung betonte. Das neue Regelwerk hat nun Hand und Fuß und stützt sich auf Artikel 14 des Bayerischen Immissionsschutzgesetzes. 

Neu ist, dass Hausbesitzer künftig erst ab 8 Uhr mit den Arbeiten beginnen dürfen, laute Geräte sind erst ab 9 Uhr erlaubt. Die Mittagspause zwischen 13 und 15 Uhr war umstritten. Während Herbert Stadler (CSU) eine Ruhezeit von 12 bis 14 Uhr für passender hielt („alles andere ist verlorene Zeit“), war Fraktionskollege Kurt Sareiter für das spätere Zeitfenster: „Wir sind schließlich ein Heil- und Kurort.“ Er bekomme laufend Anrufe von Bürgern, die sich beschweren. 

Florian Sareiter (CSU) setzte gegen die Stimme von Klaudia Martini (SPD) durch, dass abends das Arbeiten nicht nur bis 18 Uhr, wie eigentlich von Herrmann vorgeschlagen, sondern bis 19 Uhr möglich ist. Neu ist, dass sich auch Hausmeisterfirmen an die neuen Spielregeln halten müssen. 

Angesichts großer Bauvorhaben im Ort, hielt Herrmann den Zeitpunkt für die Einführung einer Baulärmverordnung genau für richtig. „Unsere bisherigen Regeln waren ein zahnloser Tiger“, fand der Geschäftsleiter. Dass die Baufirmen künftig erst ab 8 Uhr loslegen dürfen, sei wichtig: „Die Beschwerden der Leute wären sonst massiv“, ist Hermann überzeugt. Außerdem könnten von den Baufirmen Ausnahmen beantragt werden. 

Wer allerdings gegen die Regeln verstößt, muss kräftig zahlen: bis zu 10.000 Euro. Die neuen Verordnungen wurden reihum begrüßt. „Wir sind ein Tourismusgebiet, da ist es wichtig, dass wir auf unsere Gemeinde schauen“, fand Markus Trinkl (Wiesseer Block). Klaudia Martini hofft, dass Bad Wiessee nun eine Vorreiterrolle im Tegernseer Tal einnimmt, „so wie dies bei der Bewirtschaftung der Wanderparkplätze war“. Eine talübergreifend einheitliche Lösung, auf die Bürgermeister Peter Höß im Vorfeld gehofft hatte, war bisher nämlich nicht möglich.

Rasenmähen, Schneefräsen, Laubsaugen, Baulärm: Was am Tegernsee erlaubt ist

Bad Wiessee: Ruhestörende Haus- und Gartenarbeiten dürfen von Montag bis Samstag zwischen 8 und 13 Uhr sowie 15 bis 19 Uhr ausgeführt werden. Besonders laute Geräte mit Verbrennungsmotor sowie Laubbläser und -sauger dürfen von Montag bis Samstag zwischen 9 und 13 Uhr sowie von Montag bis Freitag von 15 bis 19 Uhr benutzt werden. Schneefräsen ist von Montag bis Samstag zwischen 7 und 12 Uhr sowie 15 bis 18 Uhr, an Sonntagen zwischen 9 und 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr erlaubt. Die Verordnung gilt auch für Hausmeister und Hausverwalter. Musik ist zwischen 22 und 7 Uhr verboten. Bußgeld: bis zu 2500 Euro. Bauarbeiten sind von 8 bis 13 Uhr und 14 bis 19 Uhr erlaubt. Bußgeld: bis zu 10.000 Euro.

Gmund: Ruhestörende Haus- und Gartenarbeiten sind zwischen 8 und 12 Uhr sowie 13 bis 20 Uhr erlaubt. Gilt auch für Hausmeisterdienste. Bei Musik gilt zwischen 22 und 7 Uhr Nachtruhe. Bußgeld: bis zu 2500 Euro.

Tegernsee: Ruhestörende Haus- und Gartenarbeiten dürfen von Montag bis Samstag von 8 bis 13 Uhr sowie 15 bis 19 Uhr ausgeführt werden. Lärmarme Geräte (weniger als 88dBA oder Emissionswert mit weniger als 60dBA) dürfen von Montag bis Samstag zusätzlich von 19 bis 20 Uhr betrieben werden. Musik ist zwischen 22 und 8 Uhr verboten. Bußgeld: bis zu 2500 Euro.

Rottach-Egern: Ruhestörende Haus- und Gartenarbeiten sind von Montag bis Samstag zwischen 8 und 12 Uhr sowie 14 bis 19 Uhr erlaubt. Lärmarme Geräte dürfen Montag bis Freitag von 19 bis 20 Uhr eingesetzt werden. Bei Musik gilt zwischen 22 und 7 Uhr Nachtruhe. Bußgeld: bis zu 2500 Euro. Regelung gilt auch für Hausmeisterbetriebe und Gartenbaubetriebe.

Kreuth: Haus- Gartenarbeiten sind von 1. April bis 31. Oktober von 7 bis 12 und 15 bis 20 Uhr erlaubt, an Samstagen bis 18 Uhr. Von 1. November bis 31. März von 7 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 20 Uhr, an Samstagen bis 18 Uhr. Hausmeisterdienste sind ausgenommen. Bei Musik gilt zwischen 22 und 7 Uhr Nachtruhe. Bußgeld ist nicht fällig.

Waakirchen hat keine Verordnung. Hier gilt die bayerische Immissionsschutzverordnung.

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