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Luxus-Schwarzbau am Tegernsee: Bauherr wehrt sich gegen Abriss - Vorwürfe gegen Behörden

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Von: Gabi Werner

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Ein komfortables Wochenendhäuschen ist aus der einfachen Aufenthaltshütte im Wiesseer Bergwald geworden (hier ein Bild aus dem Winter). Das Landratsamt fordert daher den Abriss des Bauwerks.
Ein komfortables Wochenendhäuschen ist aus der einfachen Aufenthaltshütte im Wiesseer Bergwald geworden (hier ein Bild aus dem Winter). Das Landratsamt fordert daher den Abriss des Bauwerks. © Archiv Thomas Plettenberg

Der zum Wochenendhäuschen umgebauten Hütte im Wiesseer Bergwald droht der Abriss. Nun melden sich erstmals die Projekt-Verantwortlichen zu Wort: Sie fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Bad Wiessee – Für das Landratsamt Miesbach liegt die Sache klar auf der Hand. Weil aus einer einfachen Aufenthaltshütte „durch umfassende Baumaßnahmen ein vergleichsweise komfortables Wochenendhäuschen“ entstanden sei und damit ein Identitätsverlust des Bauwerks einhergehe, sei der Bestandsschutz der Hütte erloschen. Die Behörde hatte daher im April eine so genannte Anhörung zur Beseitigung an den Eigentümer rausgeschickt. Einer schriftlichen Stellungnahme des Bauherrn solle nun noch ein mündliches Gespräch folgen, heißt es auf Nachfrage aus dem Landratsamt. Sodann werde „zeitnah eine abschließende Entscheidung“ zum Abriss getroffen.

Luxushütte am Tegernsee: Verfahrensfreie Maßnahmen? Bauherr beruft sich auf Behörden-Aussagen

In dieser Phase melden sich nun erstmals auch der für die Umbauten verantwortliche Vater des Hütteneigentümers, Rudolf Schwaab, und der Jurist Christian Pegau als Mitnutzer der Hütte oberhalb des Breitenbachtals zu Wort. Sie betrachten die Sanierungsmaßnahmen nicht nur gemäß Bayerischer Bauordnung als verfahrensfrei, sondern berufen sich dabei auch auf frühere Aussagen der Behörden.

Demnach hat es bereits am 11. Januar 2021 einen Kontrollbesuch von Mitarbeitern des Landratsamtes Miesbach auf der Baustelle der „Winner Alm“ – wie die Hütte offiziell heißt – gegeben. Zu dem Zeitpunkt, so versichern Schwaab und Pegau, seien unter anderem der Wintergarten bereits saniert und auch der neue Querträger in der Hütte errichtet gewesen.

Bad Wiessee: Bereits im Januar 2021 hatte an der Hütte eine Baukontrolle stattgefunden

Alle vorgefundenen Sanierungsarbeiten seien damals vor Ort überprüft und für in Ordnung befunden worden. Warum sei man nicht unmittelbar nach dem Besuch des Landratsamtes über mögliche Beanstandungen informiert und die Baustelle eingestellt worden?, fragen sich die beiden nun. Erst aus der Presse habe man im März 2022 – also gut ein Jahr später – erfahren, „dass die Hütte behördlicherseits beanstandet“ wird.

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Auch das Rathaus in Bad Wiessee nehmen die beiden Hüttennutzer ins Visier. Im dortigen Bauamt sei man im September 2020 mit den geplanten Sanierungsmaßnahmen vorstellig geworden. Auch hier hätten Schwaab und der beauftragte Zimmermann die Auskunft erhalten, dass die Maßnahmen, abgesehen von der neuen Dachabdeckung, allesamt genehmigungsfrei seien.

Luxus-Schwarzbau am Tegernsee: „Wollen hier eine nette Zeit mit der Familie haben“

Insgesamt können Pegau und Schwaab, beide im Tegernseer Tal ansässig, die Aufregung um ihre Hütte nicht nachvollziehen. Es handle sich hier keineswegs um einen Neubau, sondern um die Sanierung einer bestehenden Hütte aus den 40er- oder 50er-Jahren, die im Kern erhalten geblieben und immer schon zu Wohnzwecken genutzt worden sei. „Wir wollen hier eine nette Zeit mit der Familie haben“, sagt Pegau über das Wochenendhäuschen im Bergwald. Ein Schlafraum mit sechs Betten – früher gab es hier ein Lager mit angeblich acht Schlafstellen –, eine Terrasse mit Seeblick und ein beheizbarer Badezuber sorgen seit dem Umbau für die entsprechenden Annehmlichkeiten.

Landratsamt äußert sich zur Luxus-Hütte: Sanierung kommt praktisch Neuerrichtung des Gebäudes gleich

Eben diese neue Aufenthaltsqualität ist für das Landratsamt die Krux an der Sache. Eine Behörden-Sprecherin räumt auf Nachfrage zwar ein, dass die Hütte im Januar vergangenen Jahres vom Landratsamt kontrolliert wurde. Dass im Ergebnis aus einer simplen Aufenthaltshütte ein komfortables Häuschen entstehen würde, sei damals aber „so nicht erkennbar“ gewesen.

Tatsächlich seien bei der damaligen Kontrolle einzelne bereits durchgeführte Baumaßnahmen festgestellt worden, „die jedoch für sich betrachtet teilweise nicht genehmigungspflichtig waren“, sagt die Landratsamts-Sprecherin. Darüber hinaus hätten Teile des Objekts aufgrund der seinerzeitigen Schneesituation nicht ausreichend beurteilt werden können. Ausschlaggebend für die Eröffnung des bauaufsichtlichen Verfahrens, so stellt das Landratsamt klar, seien eben nicht nur die einzelnen Veränderungen an der Hütte gewesen, sondern vielmehr ihre Gesamtheit. Dies komme praktisch einer Neuerrichtung des Gebäudes gleich.

Der Wiesseer Bauamtsleiter Anton Bammer räumt ebenfalls ein, dass es eine kurze Besprechung zu der Hütte bei ihm im Büro gegeben habe. Dabei sei es im Wesentlichen aber nur um die Dacherneuerung und reine Renovierungsmaßnahmen gegangen. gab

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