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Eine saftige Mietsteigerung erwartet die Bewohner des Hauses am Hügelweg 4. Patrik Zeitler dokumentiert, warum dies trotzdem mehr Gerechtigkeit bringt: Derzeit sind die Mieten dort unverhältnismäßig niedrig.

Betroffene findet: Das ist rechtswidrig

Gemeindewohnungen: Mieten steigen um 150 Prozent

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Bad Wiessee - Gemeindewohnungen bauen, modernisieren, abreißen: Das will Patrik Zeitler, Chef des Kommunalunternehmens Bad Wiessee. Es gilt, alte Fehler zu bereinigen - auch mithilfe von Mietsteigerungen.

Um jungen Polizeibeamten und ihren Familien das Leben am teuren Tegernsee schmackhaft zu machen, wurde die Wohnanlage am Hügelweg 4 1968 gebaut. Zwölf Wohnungen in Seenähe für ganz kleines Geld. Die Hälfte der ersten Mieter lebt immer noch dort. 2,76 Euro zahlen sie für den Quadratmeter. Künftig sollen es 7 Euro sein. Das heißt: Eine knapp 75 Quadratmeter große Wohnung kostet statt 204,06 Euro ab 1. März 518,24 monatlich. Entsprechende Schreiben an die Mieter hat Patrik Zeitler als Vorstand des Wiesseer Kommunalunternehmens (KBW) kürzlich verschickt. 

Die Briefe kamen nicht unerwartet. Zeitler hatte zuvor zu einer Mieterversammlung eingeladen. Dabei schien die Bereitschaft hoch, eine Mieterhöhung zu akzeptieren. Schließlich wohnt man am Hügelweg sehr viel günstiger als in anderen Gemeindewohnungen. Und das trotz recht guter Ausstattung und Zentralheizung. Mancher Mieter zahlt 7,50 Euro pro Quadratmeter für ein schlechteres Domizil. Dieses Ungleichgewicht gilt es zu beseitigen. „Das sind Altlasten“, sagt Zeitler. 

Nun, da die Vereinbarung zur Mietpreiserhöhung auf dem Tisch liegen, ist mancher Bewohner dann doch schockiert. Eine Steigerung um 150 Prozent, das sei doch rechtswidrig, meint eine Anruferin, deren Eltern am Hügelweg wohnen, gegenüber der Tegernseer Zeitung. Dem ist allerdings nicht so, wie Zeitler darlegt. Ein Vermieter könne die ortsübliche Vergleichsmiete verlangen. Und die liege in Bad Wiessee bei mindestens 10,20 Euro. Das KBW bewege sich auf dem Boden des geltenden Rechts, das sei selbstverständlich. „Ich denke auch, dass wir den Mietern ein sehr gutes Angebot machen“, erklärt Zeitler. So sollen die Mieten nach dieser Erhöhung zehn Jahre nicht mehr steigen. Wird modernisiert, verlangt das KBW lediglich 2,50 Euro pro Quadratmeter mehr. Laut Mietgesetz dürften elf Prozent der Renovierungskosten umgelegt werden. 

Die Modernisierung der Anlage am Hügelweg wird allerdings noch auf sich warten lassen. Das erste große Projekt liegt an der Dr. Scheid-Straße. Dort will das KBW einen Neubau errichten, derzeit wird ein Architekt gesucht. Wie viele Wohnungen in dem Haus entstehen, ist noch unklar. „Wir möchten dort ein Generationenprojekt integrieren“, meint Zeitler. Es könnten auch die Senioren einziehen, die derzeit das Haus Scheidstraße 4 bewohnen. Es steht ganz in der Nähe des Grundstücks, auf dem der Neubau geplant ist und wird abgerissen. „Das Haus ist ein Totalschaden“, erklärt Zeitler. Von früher neun Wohnungen sind noch sechs vermietet. Vier Mieter sind hochbetagt. Umziehen möchten sie eigentlich nicht. „Wir machen da jetzt auch keinen Druck“, erklärt Zeitler. Er hoffe, die Mieter des maroden Hauses ohne Zentralheizung von den Vorzügen eine Neubauwohnung überzeugen zu können. Es gebe aber mit Rücksicht auf die Bewohner keinen Termin für den Abriss des Hauses Scheidstraße 4. Den Neubau will Zeitler heuer noch hochziehen. Das Geld dafür, rund eine Million Euro, holt sich das KBW von der Bank.

Zu finanzieren ist auch die Modernisierung eines weiteren Wohnhauses. Sie soll ebenfalls heuer erfolgen. „Das sind unsere beiden Projekte für 2016“, erklärt Zeitler. Insgesamt hat das KBW rund 200 Wohnungen, verteilt auf fünf Anlagen mit 20 Häusern, wobei manche Häuser einzeln stehen. Sanierungsbedürftig ist der ganze Bestand, allerdings nicht im gleichen Maß. Zug um Zug wird das KBW alles sanieren, kündigt Zeitler an: „Und wir fangen dort an, wo die Bereitschaft der Mieter, das mitzutragen, am größten ist.“

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