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Das Modell zeigt links die Wandelhalle mit dem markanten Turm, davor entsteht ein tiefer gelegter Platz. Es schließen sich die beiden Flügel des geplante Hotels an. Rechts oben ist der OP-Trakt der Anlage zu sehen, dahinter der bestehene Bade-Park. Der flache Bau links neben dem Bade-Park ist das geplante Badehaus.

Wir geben einen ersten Überblick

Endlich! Planung fürs Wiesseer Kurviertel steht

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Bad Wiessee - Lange wurde im Geheimen diskutiert, jetzt präsentierte die Gemeinde Bad Wiessee ihr Modell fürs Kurviertel - vor zahlreichen neugierigen Zuschauern. Dabei gab’s zwei Überraschungen.

Die Neugier war groß. Die Vorstellung der Kurviertel-Planung im Gemeinderat zog zahlreiche Zuschauer an. Was sie zu sehen bekamen, schien zu gefallen: Zum Abschluss der Präsentation brandete Applaus auf. Der Gemeinderat selbst zeigte sich euphorisch. „Mein Bauchgefühl ist, dass wir jetzt das Konzept haben, das Bad Wiessee in die Zukunft führt“, meinte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block). Auch die CSU-Fraktion war rundum zufrieden. „Das ist eine richtig tolle Planung“, so Florian Sareiter.

Einig war man sich, dass intensive Planungsarbeit zu einer optimalen Lösung geführt hat. „Es ist etwas herausgekommen, was begeistert“, sagte Bernd Kuntze-Fechner (SPD). Weihnachten 2018 könnte das Gesundheitshotel Sportsclinic Germany des Schweizer Unternehmens Sport Medicine Excellence Group (SME) bereits stehen. „Optimistisch geschätzt“, sagte Planer Gerald Schnell vom Architekturbüro Matteo Thun.

Zur Vorstellung des Modells waren auch die beiden SME-Chefs Florian Kamelger und Andreas Bänziger nach Bad Wiessee gekommen. Für SME als Investor hatte sich der Gemeinderat bei einer Klausur im April dieses Jahres entschieden. Damals war auch das Münchner Unternehmen Kull&Weinzierl als Betreiber der Hotellerie mit im Boot. Dem ist inzwischen nicht mehr so. Man habe sich hinsichtlich der Philosophie nicht einigen können, erklärte Bänziger. Die Gemeinde könne sich aber darauf verlassen, dass SME „Top-Leute“ für den Hotelbetrieb engagieren werde. Es gebe bereits Gespräche, mehr könne er aktuell nicht sagen.

Das Konzept

Das Konzept der SME ist ganz auf die Bedürfnisse von Gästen abgestimmt, die Probleme mit dem Bewegungsapparat haben und in schöner Umgebung genesen wollen. „Das läuft in der Natur besser als im zweiten Untergeschoss eines Gebäudes in der Stadt“, legte Kamelger dar. Der Entwurf, den das Büro Thun im Auftrag der SME erarbeitet hat, folgt der Idee, Bauten behutsam in die Natur zu betten und Blickachsen zum See, über die Wiesen und in die Berge zu schaffen. Dies alles ausgehend von der historischen Wandelhalle. Kein Gebäude ist höher als der Turm der denkmalgeschützten Halle, dieser ist auch Dreh- und Angelpunkt der Planung.

Das Hotel

Bislang war stets von einem Hotel mit 65 Zimmern die Rede gewesen. Eine geringe Zahl, die Zweifel an der Rentabilität geweckt hatte. Nun sind es doch 114 Zimmer, verteilt auf zwei Flügel. Ein drittes Gebäude beherbergt ein medizinisches Zentrum mit zwei OP-Sälen und Therapieräumen. Nach ambulanten Operationen sollen die Patienten gleich ins Hotel umziehen. Aber nicht alle Gäste werden in der Tagesklinik operiert. Die Sportsclinic biete auch konservative Behandlungen an, zum Beispiel für Bandscheibenpatienten, meinte Kamelger. Das alles auch für Kassenpatienten: „Es soll bezahlbar bleiben.“ Für die Beschäftigten errichtet SME Personalwohnungen. Sie werden auf den jetzigen Tennisplätzen entstehen, was das Modell nicht zeigt. „Das ist auch schon der einzige Wohnungsbau auf dem Gelände“, merkte Bürgermeister Höß an.

Die Wandelhalle

Die Wandelhalle bleibt von außen unangetastet. Um sie zu nutzen, hat Planer Schnell ein Haus-im-Haus-Konzept ausgetüftelt. „Wir stellen quasi Kisten in die Halle“, erklärte er. In den Kisten ist Platz fürs Restaurant und einen Eventbereich. Das System löst auch das Energie-Problem. Die historische Hülle dient dem thermischen Ausgleich. „Und wir müssen kein Isolierglas einsetzen“, erklärte Schnell. Die Wandelhalle mit ihrem markanten Turm wird als Bauwerk freigestellt. Um das zu schaffen, entsteht ein tiefer liegender Platz. Am Turm wird auch die Rezeption des Hotels ihren Platz haben. Gespeist wird nicht nur im Restaurant, sondern auch auf der Terrasse vor der Wandelhalle. Von dort aus haben die Gäste einen wunderbaren Blick über das Grün in Richtung See. Um das zu erreichen, hat sich SME entschlossen, den Südflügel des Hotelbaus nicht vor die Halle zu stellen. „Sonst sitzt man auf der Terrasse im Schatten“, erklärte Kamelger. Ingrid Versen (CSU) hält das für eine Fehlentscheidung. „Da haben die Hotelgäste keinen Seeblick“, bemängelte sie. Aus diesem Grund lehnte Versen den Entwurf als einzige ab. Die Wandelhalle soll nicht nur für die Gäste der Sportsclinic zum Anziehungspunkt werden, sondern für den gesamten Ort.

Das Badehaus

Das Hotel mit dem OP-Trakt entsteht auf dem Gelände des jetzigen Jodschwefelbads. Dieses wird im Winter 2016/17 abgerissen. Jodbäder verabreicht die Betriebsgesellschaft der Gemeinde dann in einem neuen Badehaus. Ursprünglich hatte die Gemeinde dafür einen Investor gesucht und wollte selbst Mieter sein. Es fand sich zwar ein Investor, aber dessen Planung gefiel dem Gemeinderat ganz und gar nicht. Östlich der Klinik Medical Park Am Kirschbaumhügel wäre ein großes Zentrum mit etlichen Arztpraxen entstanden. Monatlich hätte die Gemeinde 30.000 Euro Pacht zahlen müssen. „Da haben wir kein Land gesehen, jemals in die schwarzen Zahlen zu kommen“, erklärte Bürgermeister Höß. Die Gemeinde hat die Ausschreibung aufgehoben und baut nun selbst ein kleines Badehaus. Kosten: rund vier Millionen Euro. Geplant wird das Haus ebenfalls vom Büro Thun. Der edel gestaltete Flachbau mit vielen Innenhöfen wird neben dem Bade-Park stehen. Dessen Außenbereich wird darum kleiner, die große Rutsche muss weg. Im Frühjahr 2017 soll Eröffnung sein. Es eilt, weil der Badebetrieb – fast – ohne Unterbrechung weitergehen soll. Der schnelle Bau spart eine teure Zwischenlösung.

Die Knackpunkte

Bei aller Begeisterung: „In manchen Punkten ist das noch nicht der Weisheit letzter Schluss“, meinte Rolf Neresheimer (ranBW). Er bemängelte die geringe Zahl der Stellplätze und den Rückbau der Adrian-Stoop-Straße. Über etliche Details gerade in Sachen Verkehr sei noch zu sprechen, räumte Bürgermeister Höß ein. Ein wichtiger Punkt wird die Suche nach einem Hotel-Betreiber sein, der für Cull&Weinzierl einspringt. Dass dies noch ungenannt ist, dämpfe seine Euphorie etwas, erklärte Florian Sareiter. Er blieb aber optimistisch. „Ich gehe davon aus, dass die Herren eine Lösung im Ärmel haben“, meinte Sareiter mit Blick auf die Investoren. Den Wiesseern will Höß die Planung noch in einer eigenen Bürgerversammlung vorstellen, voraussichtlich zu Beginn des nächsten Jahres.

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