+
Die Pläne für dieses Seegrundstück in Abwinkl sorgen für Verärgerung bei der Schutzgemeinschaft.

Tiefgarage der größte Knackpunkt?

Pläne für See-Grundstück sorgen für Ärger

  • schließen

Bad Wiessee - Auf einem Grundstück am Ringseeweg in Abwinkl soll ein Einfamilienhaus mit großer Tiefgarage entstehen. Kein Problem, findet die Gemeinde. Ein großes, findet die Schutzgemeinschaft.

Weil für den Bereich ein Bebauungsplan existiert, winkte der Wiesseer Bauausschuss das Vorhaben einer einheimischen Familie ohne größere Magenschmerzen durch. Doch die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) schlägt jetzt Alarm: Hier werde eine der letzten See-Idyllen dem Bauwahn geopfert, moniert Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck. 

Kritik gibt’s außerdem an der Tiefgarage mit ihren fünf Stellplätzen, die hier in direkter Seenähe entsteht: „Was passiert mit den unterirdischen Wasserströmen, wenn die ganze Fläche versiegelt wird?“, fragt Brogsitter-Finck, die sich mit ihrer Kritik auch schon ans Wasserwirtschaftsamt in Rosenheim gewandt hat. 

Tatsächlich war die Tiefgarage auch in der Sitzung des Bauausschusses ein Knackpunkt. Das Wohnhaus selbst, so erläuterte Bauamtsleiter Helmut Köckeis, entspreche zur Gänze den Festsetzungen des Bebauungsplans. Seine Genehmigung war daher reine Formsache – und erfolgte im Ausschuss mit 8:0 Stimmen. 

Anders bei der Tiefgarage. Hier, so Köckeis, werde die Baugrenze unterirdisch überschritten. Trotzdem empfahl der Amtsleiter eine Zustimmung: „Das ist eigentlich eine gute Lösung.“ Die meisten im Gremium sahen es ähnlich. „Es ist generell zu befürworten, wenn die Autos von der Bildfläche verschwinden“, meinte Georg Erlacher (CSU). Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) fand es zudem positiv, dass der Antragsteller bei seinem geplanten Einfamilienhaus die mögliche Maximalhöhe nicht ganz ausschöpfe. „Es wären 1,60 Meter mehr zulässig gewesen“, betonte er. 

Es gab aber auch kritische Stimmen. Klaudia Martini (SPD) sah in der Tiefgarage einen „massiven Eingriff in den sensiblen Uferbereich“. Auch ihr Fraktionskollege Bernd Kuntze-Fechner war nicht begeistert. Beide stimmten in Sachen Tiefgarage gegen die beantragte Überschreitung der Baugrenze. Dennoch hätte mit der mehrheitlichen Zustimmung das Thema abgehakt sein können. 

Doch jetzt rief das Vorhaben die Schutzgemeinschaft auf den Plan, die schon bei der Aufstellung des Bebauungsplans vor etlichen Jahren gegen eine Bebauung dieser und der benachbarten Fläche interveniert hatte – damals allerdings erfolglos. In zwei Schreiben an Kreisbaumeister Werner Pawlovsky und das Wasserwirtschaftsamt spricht Brogsitter-Finck von wütenden und besorgten Anrufen von Bürgern, die sie tagtäglich wegen dieses Bauvorhabens erreichen würden. „Wie kann es sein, dass so nah am Wasser gebaut werden darf, wo man heute weiß, welche Hochwasser drohen?“, fragt sie. Zudem reiche die Tiefgarage bis ans Nachbar-Grundstück heran – die Bewohner hätten Angst, dass sich das Grundwasser künftig neue Wege suche. 

Köckeis sieht die Angelegenheit völlig anders. „Das Gebäude fällt nicht ins Überschwemmungsgebiet“, sagt er. Öffentliche und nachbarschaftliche Interessen würden daher keineswegs beeinträchtigt. Das benachbarte Badegelände sei durch die Neubauten ebenfalls nicht gefährdet. Und noch eines ist Köckeis ganz wichtig: „Es ist eine einheimische Familie, die hier bauen möchte. Es handelt sich also um kein Spekulations-Objekt.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Klinik-Erbe Klitzsch auf rasantem Erfolgskurs
Es war ein großes, aber kein leichtes Erbe. Vor zehn Jahren erkämpfte sich Ludwig Klitzsch, damals 29, die Führung der beiden Kliniken seiner Familie am Tegernsee. Mit …
Klinik-Erbe Klitzsch auf rasantem Erfolgskurs
Nach Unfall: Drogentütchen fällt aus dem Socken
Ein Betrunkener lief am Samstagabend einem Rottacher (55) vors Auto. Der Mann erlitt schwere Verletzungen, wollte sich aber nicht behandeln lassen. Warum, zeigte sich …
Nach Unfall: Drogentütchen fällt aus dem Socken
Zum Abschied der 91 Schüler singen die Schulleiter sogar ein Lied
Mindestens sechs Jahre haben die 91 Schüler an der Realschule in Gmund verbracht. Mit dem Abschluss werden sie nun auf ihren weiteren Weg entlassen. Ein Abschied mit …
Zum Abschied der 91 Schüler singen die Schulleiter sogar ein Lied
Orthopädische Klinik sucht Alternativ-Grundstücke
Die Orthopädische Klinik in Tegernsee soll wachsen. Doch bei den Planungen ist mit heftigem – auch juristischem – Gegenwind zu rechnen. Die Rentenversicherung wappnet …
Orthopädische Klinik sucht Alternativ-Grundstücke

Kommentare