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Spürnase in Aktion: Gehölzpathogen-Spürhund Mäx prüft einen Baum auf Pilzbefall. 

Bad Wiessee lässt ein Baumkataster erstellen

Weltklasse-Spürhund unterwegs in Bad Wiessee

Bad Wiessee – Wenn im Baum der Pilz sitzt, riecht Mäx das sofort. Mit seinem Herrchen, dem Baum-Experten Edgar Wenisch, und Baumkontrolleur Matthias Hartmann ist er in Bad Wiessee unterwegs. 

Wenn sie dem Wind nicht mehr trotzen oder unter der Schneelast zusammenbrechen, können Bäume für Menschen gefährlich sein. Aber auf Verdacht fällen, das will die Gemeinde Bad Wiessee auch nicht. Darum lässt sie die Bäume auf Gemeindegrund auf ihre Verkehrssicherheit hin untersuchen. Und sie dokumentiert in einem Kataster, wo sie stehen. Als für diese Aufgabe der richtige Mann gesucht wurde, war Bauhof-Mitarbeiter Matthias Hartmann (31) gleich dabei. Der Waakirchner absolvierte eine Ausbildung zum Baumkontrolleur bei Edgar Wenisch (55) aus Konnersreuth in der Oberpfalz.

Wenisch ist Sachverständiger für die Verkehrsssicherheit von Bäumen. Und er ist ein Lehrmeister, der staunen lässt. Bäume kann er lesen wie kaum ein Zweiter. Ihre Körpersprache, meint er, sage schon viel aus über den Zustand. Bei der Erstellung des Wiesseer Baumkastasters unterstützt Wenisch seinen Schüler – gemeinsam mit Mäx, dem Baumschnüffler.

Mäx hat eine Ausbildung zum Gehölzpathogen-Spürhund an der Uni Göttingen absolviert

Mäx ist ein Kleiner Münsterländer, ein weißbrauner Jagdhund mit excellenter Nase. Der Rüde hat eine Ausbildung zum Gehölzpathogen-Spürhund an der Uni Göttingen absolviert und ist – im Gegensatz zu anderen Spürhunden, die speziell für Sprengstoffe oder Drogen ausgebildet sind – Generalist. Er kann beliebige Geruchsartikel suchen.

Empfindliche Sensoren schiebt Edgar Wenisch in den Stamm einer mächtigen Eiche im Kurpark Abwinkl. Damit lässt sich beim Zugtest messen, ob der Baum noch standfest ist.

Um Witterung aufzunehmen, bekommt Mäx eine Geruchsprobe des Pilzes, den Wenisch im Baum vermutet. Dann lässt ihn sein Herrchen am Wurzelraum und dem Stammfuß suchen. Zeigt Mäx nicht an, sind keine weiteren Nachforschungen vonnöten. Ziemlich sicher ist dann kein Pilz im Baum: Die Trefferquote von Mäx liegt bei etwa 95 Prozent. Signalisiert er jedoch Pilzbefall, müssen zusätzliche Tests durchgeführt werden – und die sind aufwendig und teuer.

Beim Zugtest muss der Baum eine Zuglast von drei Tonnen überstehen

Nötig sind sie zum Beispiel bei der stolzen Eiche im alten Kurpark in Abwinkl. Sie muss einen Zugtest überstehen. Eine harte Sache für den Baum. Mit einer Hebebühne bringt der Baum-Experte ein Seil am Stamm an. Das wiederum wird an einem Traktor festgemacht. Und dann wird gezogen. Zuglast: drei Tonnen.

Eine Schalltomographie ist wie Kernspin beim Menschen

Nach außen hin steht die Eiche unerschütterlich. Wie es innen aussieht, das kann Wenisch mit Hilfe von Sensoren exakt bestimmen. Die hat er vorher in den Stamm seines bemoosten Patienten geschoben. Es sind zwei Neigungssensoren und ein Dehnungssensor. „Die Neigung lässt sich auf ein Tausendstel Grad und die Dehnung auf einen Tausendstel Millimeter bestimmen“, erklärt Wenisch. 

Das Ergebnis kann Wenisch an seinem Laptop auslesen und so die Standsicherheit eines Baumes beurteilen. Möglich ist auch eine Schalltomographie. „So können wir in den Baum hineinschauen“, sagt Wenisch. „Das ist wie Kernspin beim Menschen.“

Je nach Resultat müssen Maßnahmen getroffen werden. „Das kann eine Kroneneinkürzung oder Sicherung sein“, sagt Wenisch. Im Notfall müsse der Baum gefällt werden. Die Eiche, da ist er sicher, kann stehen bleiben.

"Wir werden je nach Wetter noch etwa zwei Wochen brauchen"

Rund 1500 Bäume sind in Bad Wiessee bereits für das Kataster erfasst, etwa 500 weitere fehlen noch. „Für einen Baum brauchen wir ungefähr eineinhalb Stunden“, sagt Wenisch. Mit Baumkontrolleur Hartmann ist er seit dem Herbst 2015 in der Gemeinde unterwegs. Der größte Teil ist geschafft, wie Hartmann erklärt: „Wir werden je nach Wetter noch etwa zwei Wochen brauchen.“

Bastian Huber

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