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Diese Stelen aus weißem Granit wurden in Bad Wiessee am See errichtet.

Stelen in Bad Wiessee ohne Genehmigung errichtet

Kunst am Seeufer: Darf das sein?

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Bad Wiessee - Darf man am Ufer des Tegernsees Kunstwerke nach Lust und Laune errichten? Offenbar nicht, wie ein aktueller Fall in Bad Wiessee am Terrassenhof zeigt.

Unterhalb seines Hotels Terrassenhof hat Inhaber Alwin Gericke mehrere Stelen in den Boden gerammt. Zwei Pfeiler aus weißem Marmor ließ er dort installieren, wo eine kleine Abzweigung vom Seeuferweg zu einer Bootshütte führt. Drei weitere mächtige Stelen ragen als Abgrenzung und Sichtschutz in den Himmel. Ein paar dünnere, weiße Pfeiler aus Beton lockern das Gesamtkunstwerk auf. Wilder Wein soll hier später ranken. 

Jeder Pfeiler wiegt eine Tonne

Gericke und der Greilinger Künstler Michael Junker haben einen ziemlichen Aufwand betrieben: „Der weiße Marmor stammt aus Laas in Südtirol und ist besonders frostsicher“, erklärt Junker. Und besonders schwer: Die Stelen wurden aus einem großen Block gespalten, „jeder Pfeiler“, sagt Junker, „wiegt eine Tonne.“ Um für Standfestigkeit zu sorgen, wurde jeder Pfeiler mit einem Betonsockel im Erdreich befestigt. Zudem wurden in zwei der immerhin zwei Meter hohen Stelen dünne Löcher hineingebohrt. „Was schon eine Herausforderung war“, berichtet der Künstler. Zwei Feuerschalen sollen nun auf den Stelen platziert werden und die Blicke der Passanten und Gäste auf sich ziehen. Die Kunstwerke sollen den Weg zur Bootshütte weisen, die der Terrassenhof für Events anbietet. „Mein Sohn hat sich das so ausgedacht“, erklärt Alwin Gericke senior und freut sich, dass an der Seepromenade mal wieder „etwas Besonderes“ entstanden sei. 

Nicht jeder kann einfach seine Kunstwerke installieren

Etwas Besonderes, das dem Hotelier womöglich noch Ärger bereiten könnte. Gericke ließ das Stelenkunstwerk nämlich ohne Genehmigung errichten. Inzwischen befasste sich auch der örtliche Bauausschuss mit dem Gebilde. Er gab eine Stellungnahme zu dem Vorgang ab – mit negativem Tenor: Es könne nicht im Sinne der Gemeinde sein, wenn jeder hergehe und am See einfach seine Kunstwerke installiere. Das Landratsamt wird nun sogar prüfen, ob für das Platzieren der Marmor-Steine ein wasserrechtliches Verfahren nötig ist. „Das Kunstwerk wurde schließlich auf dem Grund der Schlösser- und Seenverwaltung errichtet“, weiß Bauamtsleiter Helmut Köckeis. Planungshoheit hat die Stadt Tegernsee. Doch zu der ist die Angelegenheit noch nicht durchgedrungen. Falls doch, so sieht Rathaus-Geschäftsführer Hans Staudacher keinen Grund zur Panik: „Gestaltungsdinge überlassen wir der jeweiligen Gemeinde. Da schreiben wir nichts vor. Nur wenn es um Bauangelegenheiten geht, dann ist das Sache der Stadt.“ 

Noch ist offen, wie sich der Fall entwickelt. Künstler Michael Junker freut sich jedoch bereits, dass das Kunstwerk den Spaziergängern am See schon aufgefallen ist: „Das kommt gut an. Die Leute bleiben stehen und schauen.“ Was noch fehle, sei eine Beschilderung, sagt Junker. Und eben die nötige Genehmigung.

gr

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