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Der kleine Holzbau diente Waldarbeitern als einfaches Quartier.

Neue Touristenattraktion?

In Bad Wiessee gibt's bald ein Holzfällermuseum

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Bad Wiessee - Einst diente die 100 Jahre alte Zeiselbach-Winterstube Waldarbeitern als schlichtes Quartier. Die Gemeinde Bad Wiessee will sie jetzt zum Holzfällermuseum machen. 

Wildromantisch liegt die Zeiselbach-Winterstube mitten im Wald. Es führt ein schöner Wanderweg dorthin, vom Parkplatz Sonnenbichl aus sind es zwei Kilometer. Gepachtet hat die Gemeinde Bad Wiessee die Holzhütte schon im Oktober 2012. Damals wurde ein Zehn-Jahresvertrag mit den Bayerischen Staatsforsten geschlossen. Die Hütte könne ein schönes Ziel für Fackelwanderungen sein, meinte Bürgermeister Peter Höß (FWG), als er das Pachtobjekt im Gemeinderat präsentierte. Seitdem hat es in der Hütte nur eine Veranstaltung gegeben: Die Gemeinde richtete 2014 dort ihre Weihnachtsfeier aus. 

Viel Einsatz fürs neue Museum: (v.l.) Michael Herrmann, Petra Wagner und Maria Huber in einer halb renovierten Stube. Hinter ihnen der alte Kachelofen.

„Super war das“, erinnert sich Geschäftsleiter Michael Herrmann. Die Musik spielte, in der hölzernen Stube war’s gemütlich, Fackeln erleuchteten die Nacht. Die Hütte hat das Potenzial zum Ausflugsziel. Aber um sie zum Leben zu erwecken, ist viel Arbeit nötig. Da passte es gut, dass 2015 zwei Mitarbeiterinnen der gemeindlichen Mittagsbetreuung bereit waren für neue Aufgaben. Petra Wagner und Maria Huber – Ehefrau von Vize-Bürgermeister Robert Huber – hatten die Mittagsbetreuung für Schulkinder mit aufgebaut und den Nachwuchs liebevoll betreut. Doch die gemeindliche Mittagsbetreuung wurde zu Schuljahresbeginn 2015 zum Hort unter der Trägerschaft der evangelischen Kirche. Wagner und Huber schieden aus dem Betreuungsteam aus, blieben aber Angestellte der Gemeinde, 15 Stunden die Woche. Schließlich galt das Versprechen, dass keine der Mittagsbetreuerinnen gekündigt wird. Geschäftsleiter Herrmann bat die beiden, sich um die verlassene Winterstube zu kümmern. Die Idee: Hier könnte ein Holzfällermuseum entstehen, mit Gerätschaften und Dokumenten aus alten Zeiten. 

Die Hütte würde damit als Ausflugsziel für Familien attraktiv. Ein gut erreichbares obendrein: Der Weg dorthin ist reizvoll und erfordert wenig Kondition. Seit August 2015 haben Maria Huber und Petra Wagner in der Hütte schwer gearbeitet. „Wir sind bis zu den Knien im Dreck gestanden“, erinnert sich Wagner. Denn so romantisch die Hütte im Forst wirkt: Sie war sehr heruntergekommen und beileibe kein angenehmes Quartier. Eiskalt ist es in den kleinen Stuben, es gibt keinen Strom und kein Trinkwasser, lediglich Gaslampen. Die Waldarbeiten hausten dort gleich neben den Pferden, mit denen sie die Stämme abtransportierten. In einer Kammer im Obergeschoss hatte der Jäger ein karges Domizil. Die Winterstube war kein idyllisches Daheim, sondern nur ein Dach über dem Kopf für harte Männer. 

Mit dem Leben der Waldarbeiter damals, mit dem Weg, den die Stämme vom Wiesseer Forst zu den Salinen nahmen, mit Einschlagmengen und Holzrechten haben sich Wagner und Huber inzwischen intensiv beschäftigt. Es ist Neuland für die beiden. „Aber ein sehr interessantes Metier“, sagt Wagner. Die beiden Projekt-Beauftragten sind derzeit viel mit Archivarbeiten beschäftigt. Demnächst werde sie mit dem Holzknechtmuseum Ruhpolding Kontakt aufnehmen, um über Konzepte zu reden, berichtet Wagner. 

In der Winterstube selbst können die beiden Frauen derzeit kaum arbeiten. „Das ist wirklich zu kalt“, räumt Geschäftsleiter Herrmann ein. Um die Hütte liegt viel Schnee, die Sonne erreicht sie kaum. Im Innern steht ein alter Kachelofen aus dem Jahr 1907. „Da passt ein halber Baumstamm rein“, erklärt Herrmann. Aber um die Stube auf eine angenehme Temperatur zu bringen, müsste der Ofen tagelang angeheizt werden. Das lohnt nicht, um dort ein paar Stunden zu arbeiten. 

Mit Hilfe des Bauhofs und teils unter der Regie von Vize-Bürgermeister Robert Huber ist in der Winterstube schon viel passiert. Die hölzernen Wände aus alten Zeiten wurden freigelegt, die Böden zum großen Teil saniert. Allerdings ist baulich auch noch einiges zu tun. Im Obergeschoss haben die beiden Mitarbeiterinnen einen Raum für Utensilien und Unterlagen bekommen. An den Fenstern hängen neue Vorhänge, der uralte Holzherd ist blank geputzt. Die Frauen haben dort schon Kaiserschmarrn zubereitet. „Wir könnten einen Kaiserschmarrnkurs anbieten“, meint Wagner. 

Wenn der Schnee weg ist, soll das Museum mit Leben erfüllt werden. Geplant ist eine Ausstellung in den oberen Räumen, unten in der Stube könnten auch Events stattfinden. Das Konzept wolle die Gemeinde gemeinsam mit den Touristikern entwickeln, meint Herrmann. Dabei werde man sich auch über Öffnungszeiten und Eintrittspreise Gedanken machen. Wirtschaftlich rechnen werde sich das Museum für die Gemeinde nicht, meint Herrmann: „Aber touristisch ist das sicher ein Gewinn.“

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