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Stolz auf den Faun: Bauhofleiter Thomas Landes (l.) und Kommandant Christian Stiglmeier (r.).

Liebevoll restauriertes Tanklöschfahrzeug

Der „Faun“: Bad Wiessee hütet einen besonderen Schatz

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Die Feuerwehr Bad Wiessee hütet einen ganz besonderen Schatz: Ein Löschfahrzeug der Marke „Faun“, Baujahr 1937. Der Oldtimer wurde liebevoll restauriert. 

Bad Wiessee – Thomas Landes, Bauhofleiter und Feuerwehrmitglied, schwingt sich auf die lederne Bank und dreht den Anlasser nach rechts. Ein schlichter, silberner, kleiner Hebel. Einmal. Er orgelt. Warten. Zweimal. Dann springt der Motor an und knattert los. Eine Mischung aus Traktor und Porsche, satt, röhrend und laut. Das Wort Amaturen-„Brett“ ist hier wörtlich zu nehmen, denn es besteht, genauso wie der komplette Innenraum der Fahrerkabine, komplett aus Holz. Drei, vier kleine Anzeigen sind darin integriert. Ein schnörkelloser Schalthebel, Pedale – klar. Und dann noch eine Art überdimensionale Schraube, mit der sich die Windschutzscheibe unten einen Spalt öffnen lässt. Klimaanlage anno 1937. Ganz rechts, wo Autos heute ein Handschuhfach haben, befindet sich ein Knopf. Thomas Landes beugt sich über das dünne Lenkrad und dreht ihn. „Tatüü, tatütatütatüü“„ ertönt es. Der alte „Faun“ zeigt keine Schwäche, macht lautstark auf sich aufmerksam. Überhaupt steht das grüne Fahrzeug tadellos da.

Damals hieß es noch Feuerschutzpolizei

Zu verdanken ist sein guter Zustand dem Wiesseer Beppi Beil. Er kennt die ganze Geschichte des Fahrzeugs, das schon bei seiner Anschaffung 1937 für damals 13 670 Reichsmark die Wiesseer Wehr zu etwas Besonderem machte. Das Löschfahrzeug hatte eine Motorspritze und zugleich einen Löschwassertank. Das war nahezu einmalig im Landkreis, „nur die Tegernseer hatten noch ein Fahrzeug mit Wasservorratsbehälter“, weiß der 59-Jährige. Die Feuerwehr, die damals Feuerschutzpolizei hieß, sei im gesamten Deutschen Reich der Polizei unterstellt gewesen – daher die Farbe Grün. „Zum Ende des Zweiten Weltkriegs musste er mit den wenigen daheim gebliebenen Männern fast jede Nacht in das von Bomben schwer getroffene München fahren“, steht in der Chronik der Feuerwehr.

Beil kennt tragische Details darüber. Etwa von jener Nacht, als das Löschfahrzeug der Tegernseer, mit dem sich die Wiesseer in jeder Einsatznacht stets ein Wettrennen bis zum Münchner Berg in Gmund lieferten, in Ramersdorf von einer Bombe getroffen wurde. „Die Tegernseer waren in jener Nacht ausnahmsweise schneller, denn sie hatten das Löschwasser vergessen.“

Der Wiesseer „Faun“ überstand den Krieg und wurde als Allzweckfahrzeug eingesetzt. „Sechs Stunden lang Straße zum Sonnenbichl gespritzt“, steht am 11. Mai 1959 im sorgfältig geführten Fahrtenbuch. Viele Straßen waren damals staubig und nicht asphaltiert. Am 11. Juni 1970 wurde das Fahrzeug ausgemustert, es war mehr oder weniger Schrott. 1986 erwarb es Beil, der eigentlich gelernter Konditor, doch mit einem gehörigen Faible für alte Fahrzeuge ausgestattet ist, von der Gemeinde. 

Sechs Jahre hat Beppi Beil daran gearbeitet

Der Wiesseer zerlegte es bis auf den Rahmen, tauschte den Acht-Zylinder-Ford-Motor mit 75-PS komplett gegen ein gutes Originaltriebwerk aus, schraubte sechs Jahr daran. Die sechs Holzstühle für die Feuwehrmänner im Einsatz – drei auf jeder Seite – das Sprechrohr, mit dem man sich vom Heck aus mit dem Fahrer gut verständigen konnte, die Holzkiste für das Werkzeug – alles wurde erneuert. Nur das Hakenkreuz wurde entfernt. 1991 kaufte die Gemeinde das Fahrzeug wieder, „auf einem Teil der Restaurierungskosten bin ich natürlich sitzen geblieben“, sagt Beil, „aber das hab ich gerne gemacht.“

Dann kam der „Faun“ ins „Streicher“-Automobilmuseum im niederbayerischen Lalling. Zur 125-Jahr-Feier im Mai 2000 holte ein Tieflader das Schmuckstück wieder ab, man wollte es schließlich beim Festumzug zeigen. Das Fahrzeug blieb in Bad Wiessee, wurde aber stiefmütterlich behandelt und dadurch fahruntüchtig. Hans Eckersberger, Mechaniker im örtlichen Bauhof, nahm sich nun dem „Oldie“ an und päppelte ihn wieder auf.

„Er steht pickobello da“, freut sich Feuerwehr-Kommandant Christian Stiglmeier, der zu den Auserwählten gehört, die den „Faun“ fahren dürfen, wenn mal wieder eine Ausfahrt anlässlich eines Jubiläums ansteht – und auch können. „Das ist nämlich gar nicht so einfach“, räumt Stiglmeier ein.

Welch großen Schatz sie in ihren Reihen haben, ist den Feuerwehrlern wohl bewusst. Genau beziffern kann dies der Kommandant erst, wenn das Wertgutachten fertig ist, das gerade für die Versicherung erarbeitet wird. „Der Brand im Rettungszentrum hat uns gezeigt, wie wichtig das ist“, so der Kommandant. Für die Feuerwehrler ist der „Faun“ vor allem ein Zeichen dafür, dass Kameradschaft und Zusammenhang nach so langer Zeit noch Früchte tragen.

gr

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