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Goldschmied Thomas Scheingraber befürchtet, dass das Chaos im Wiesseer Ortszentrum nach der Baustelle nur noch schlimmer wird.

Goldschmied Thomas Scheingraber: "Geschäftsleben in Bad Wiessee ohnehin im freien Fall"

Geschäftsmann: Mit neuem Lindenplatz wird Stau "Normalzustand"

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Bad Wiessee – Der Umbau des Lindenplatzes verlangt den Geschäftsleuten einiges ab: Goldschmied Thomas Scheingraber (51) schildert im Interview die Lage - und befürchtet noch Schlimmeres.

Seit Mittwoch ist die Ortsdurchfahrt in Wiessee komplett gesperrt. Grund ist die Neugestaltung des Lindenplatzes. Der soll eigentlich für einen Aufschwung im Wiesseer Ortszentrum sorgen. Thomas Scheingraber, der durch die Sperre kaum mehr zu seinem Geschäft kommt, befürchtet das Gegenteil.

Herr Scheingraber, wie lange brauchen Sie unter normalen Umständen in Ihr Geschäft?

Scheingraber: Mit dem Auto sind es fünf Minuten. Aber seit der Lindenplatz umgebaut wird, sind es schon mal bis zu 20 Minuten.

Wie kommen Sie jetzt während der Sperrung zur Arbeit?

Scheingraber: Ich mache es so: Ich arbeite mich von Abwinkl kommend über die Seestraße vor und versuche, irgendwo, so nahe wie möglich am Lindenplatz, einen Parkplatz zu bekommen. Die restliche Strecke bis zu meinem Geschäft muss ich zu Fuß zurücklegen. Gestern hatte ich aber zudem einen Termin in Rottach-Egern. Ich habe mein Auto also südlich der Sperrzone geparkt, bin zum Auto gelaufen, um dann auf kürzestem Weg nach Rottach-Egern zu kommen.

Kommen in diesen Tagen überhaupt noch Kunden, oder hätten Sie besser gleich ein paar Tage zugesperrt?

Scheingraber: Seit ein paar Jahren befindet sich das Geschäftsleben in Bad Wiessee ohnehin im freien Fall. Für viele Geschäfte wird es heuer auch wegen der Baustelle echt eng, das weiß ich. Was mich persönlich betrifft, so habe ich mein Geschäft so strukturiert, dass ich mich im Laufe der Jahre unabhängig von Laufkundschaft gemacht habe. Ich arbeite viel auf Anfrage, und so kann ich auch diese Zeit jetzt überstehen.

Die Neugestaltung des Lindenplatzes soll aber doch mehr Gäste und Kunden anziehen.

Scheingraber: Ich sag’s mal ganz krass: Was die Verkehrssituation betrifft, so wird er dazu beitragen, dass der Stau, wie er zuletzt wegen der Bauarbeiten war, zum Normalzustand wird.

Das heißt also, der Lindenplatz ist Ihrer Meinung nach eine Fehlplanung?

Scheingraber: Ja, das ist er. Ein Beispiel: Geschäftsleute haben Testfahrten mit Anhängern gemacht und festgestellt, dass sie von der Freihausstraße kommend kaum um die Verkehrsinsel kommen, wenn sie Richtung Gmund abbiegen. Von Süden her wird die Abbiegespur zur Freihausstraße meines Erachtens zum Nadelöhr. Und drittens sind die Busbuchten so klein angelegt, dass es wieder einen Stau geben wird.

Zeitpunkt der Bauarbeiten "nicht gut gewählt"

Wollen Sie nicht erst einmal abwarten, wie sich alles entwickelt?

Scheingraber: Doch schon, aber ich finde zudem, dass der Zeitpunkt der Bauarbeiten nicht gut gewählt war. Die komplette Saison für die Geschäftsleute hat gelitten. Es wäre schön gewesen, wenn die Gemeinde die Gewerbesteuer heuer halbiert hätte. Aber nein, sie hat im Landkreis eine Spitzenposition damit.

Sie werden sich also nicht mit dem neuen Lindenplatz anfreunden?

Scheingraber: Die Gemeinde hat Spezialisten zur Planung geholt und ihnen voll und ganz vertraut. Es hätte sicherlich bessere Lösungen gegeben. Aber jetzt muss Bad Wiessee da durch.

Das Gespräch führte:

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