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Prächtige Löwen zu schießen, kostet viel Geld. Auf Herrmanns Homepage faszination-jagdreisen.com ist die Jagd auf die „Big Five“ im Angebot. Er selbst ist nicht als Großwildjäger unterwegs.

Interview

Herrmann: „Großwildjagd hat ihre Berechtigung“

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Für den Wiesseer Michael Herrmann ist die Jagd eine Leidenschaft. Nun vermittelt er Jagdreisen nach Afrika. Die sind bekanntlich nicht unumstritten. Wir haben nachgefragt. 

Bad Wiessee – Die Jagd ist seit jeher die große Passion des Wiesseers Michael Herrmann, einst Geschäftsleiter der Gemeinde, inzwischen Mitarbeiter des Landratsamts Bad Tölz. Doch die Zeiten von Wallberg-Wild sind vorbei: Herrmanns neues Unternehmen heißt „Faszination Jagdreisen“. Neun Länder sind auf der Homepage im Angebot, sein persönlicher Favorit ist Namibia. Gebucht werden kann auch für die „Big Five“: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Eine umstrittene Leidenschaft. Wir haben mit Herrmann darüber gesprochen.

Herr Herrmann, was ist aus Ihrem Unternehmen Wallberg-Wild geworden?

Ich wollte Wildfleisch aus der Region anbieten, aber Aufwand und Ertrag standen in keinem zielführenden Verhältnis. Ich habe Ende letzten Jahres mit Wallberg-Wild aufgehört und mich als Partner des Genießerlands zurückgezogen. Ich bräuchte mehr Zeit, um das richtig aufzuziehen. Es ist trotz der Unterstützung des Genießerlands schwierig, Wild außerhalb der Herbst- und Winterzeit zu vermarkten.

Und dann haben Sie Ihre Leidenschaft für Afrika entdeckt?

Ich war jetzt vier Mal in Namibia und habe das Land lieben gelernt, es ist traumhaft schön. Jagdlich ist es super, man kann viel Spaß und Freude haben. Der Tierbestand ist sagenhaft. Namibia ist einfach ein Traum.

Im Revier am Wallberg ist Michael Herrmann zuhause. Das Unternehmen Wallberg-Wild hat er aber aufgegeben.

Wie kam es zu dem Entschluss, Reiseanbieter zu werden?

Wenn man sich die anderen Jagdreiseanbieter auf dem Markt anschaut, bin ich im Vergleich ein ganz kleiner Fisch. Ich will das Ganze auch klein halten. Auf diesem Level verdient man kein Geld. Es ist einfach ein Hobby. Ich bin auch nicht Reiseveranstalter, sondern nur Vermittler. Die Angebote stammen nicht von mir, aber ich kenne meine Anbieter persönlich. Wenn jemand über mich bucht, bekomme ich vom Eigentümer eine kleine Provision. Ich mache das jetzt erst wenige Wochen. Die ein oder andere Buchung hatte ich aber schon.

Die Großwildjagd ist sehr umstritten. Als ein Zahnarzt 2015 in Simbabwe den Löwen Cecil tötete, entfachte das einen Sturm der Entrüstung.

Ich biete keine Großwildjagd an und ich betreibe sie auch nicht. Sie hat aber ihre Berechtigung. Wie die Sache mit Cecil vom Veranstalter und vom Jäger in die Öffentlichkeit getragen wurde, war äußerst unglücklich. Aber an sich ist die Jagd auf Elefanten und auch auf Löwen sinnvoll. Kenia zum Beispiel hat die Auslandsjagd schon lange verboten. Resultat: In den letzten 40 Jahren ist der Wildreichtum um fast 70 oder 80 Prozent zurückgegangen. Ein Elefantenjäger zahlt sehr, sehr viel Geld. Damit wird das Tier für die Leute vor Ort schützenswert. Kleine Bauern haben dort ein einziges Feld, auf dem sie zum Beispiel Mais anbauen. Wenn da der Elefant einmarschiert und das Feld platt macht, ist die Lebensgrundlage für ein ganzes Jahr kaputt. Deshalb werden Elefanten und auch Löwen vergiftet oder gewildert. Nur durch die Devisen, die ins Land kommen und den Tieren einen Wert geben, wird der Bestand in Afrika nachhaltig gestützt. Vom Fototourismus kann keine Organisation gegen Wilderei leben. Das Geld, das die Elefantenjagd einbringt, wird nahezu vollständig in den Artenschutz investiert.

Es werden auch nur alte, reife Bullen geschossen, die weg sollen, damit der Nachwuchs aufwachsen kann.

Auf Ihrer Homepage sind die Big Five im Angebot. Also doch Großwildjagd.

Ich bewerbe keine Elefanten- und keine Löwenjagd. Wenn ein Jagdgast kommen würde, der nach einem Elefanten fragt, dann würde ich versuchen, ihn zu vermitteln. Aber ich habe den Elefanten nicht im Portfolio. Was wir in Afrika anbieten, sind zum Beispiel Antilopen. Mir persönlich gibt es nichts, Elefanten zu jagen. Das ist ein sehr schönes, majestätisches Tier. Eine Ausnahme sind Schad-Elefanten, die Menschen bedrohen und Felder zerstören. Die würde ich schießen. Aber einen Elefanten wegen seiner Zähne jagen: nein.

Aber es geht schon um Trophäen. Was macht eigentlich deren Reiz aus?

Diese Frage gilt nicht nur für die Auslandsjagd. Bei uns ist es der Hirsch, der Rehbock, der dicke Keiler, in Afrika eben andere Tiere. 90 Prozent der Jäger erfreuen sich an einer Trophäe. Wenn man sagt, der Jäger schießt nur armes und krankes Wild, ist das geheuchelt und gelogen. Wer eine Jagd hat, selektiert, nimmt die Schwachen weg und schaut auf einen gesunden Altersaufbau. Der Lohn der Mühen und der Hege ist einfach die reife Trophäe. Warum die für Jäger einen Reiz hat und für andere nicht, ist schwierig zu erklären.

Wer eine Trophäe schießen will, muss zahlen. Laut Ihrer Homepage kostet ein Krokodil ab vier Metern 12 000 Euro, eine Giraffe 2000 Euro. Wie kommen die Preise zustande?

Keine Ahnung, ich mache sie nicht. Es sind halt die auf dem Markt üblichen Preise. Sie schwanken auch, je nach Wildbestand.

Haben Sie Ihr Revier am Wallberg noch?

Ja, das ist mein zweites Wohnzimmer. Die Jagdreisen sind mein Urlaub und kommen nur ein oder zwei Mal im Jahr in Frage.

Zahlen und Expertenmeinungen

Die strahlenden Gesichter stolzer Jäger neben dem toten Tier: Wer nicht selbst vom Jagdfieber beseelt ist, kann den Anblick kaum ertragen. Etliche Tierschutzorganisationen wie zum Beispiel Pro Wildlife fordern auch für Deutschland ein Einfuhrverbot für Jagdtrophäen. Aber: Zahlreiche Experten halten die Großwildjagd für einen Beitrag zum Artenschutz und zur Armutsbekämpfung. Um einen Löwen oder einen Elefanten töten zu dürfen, zahlen Jäger bis zu 50 000 Euro. Damit erhält die Ressource Wild einen Wert – ihr Lebensraum wird geschützt. Soweit die Argumente. Aber treffen sie auch zu? Schließlich ist Korruption ein Problem, es fehlen Kontrollen. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat dazu im Jahr 2009 eine umfangreiche Studie erstellt. Demnach profitieren die Parks und die einheimische Bevölkerung in Afrika nur wenig von den Einnahmen. Zum Staatshaushalt trägt die Großwildjagd nur 0,006 Prozent bei. Aber die Studie berichtet auch von erfolgreichen Modellen, zum Beispiel am Okavango, bei denen die Einheimischen und die Tierwelt tatsächlich einen Nutzen vom Jagdtourismus haben. Für gewöhnlich geht das meiste Geld an die Veranstalter.

Das Potenzial ist groß. Laut IUCN kommen jedes Jahr 18 500 Jagdtouristen nach Afrika, die etwa 105 000 Tiere schießen, davon 640 Elefanten, 3800 Büffel, 600 Löwen und 800 Leoparden. Zahlen, die in Relation zu sehen sind: Im Fall der Löwen etwa beziffert der IUCN die Population auf 25 000 Tiere. Die deutschen Jäger sind der Organisation Pro Wildlife zufolge übrigens nach ihren Genossen aus USA und Spanien Spitzenreiter bei der Jagd auf bedrohte und geschützte Arten. 2017 sei nach Auskunft der Bundesregierung die Einfuhr von 615 Tieren gemeldet und genehmigt worden, darunter 26 Leoparden, 24 Löwen, 18 Elefanten, zwei Nashörner, 14 Braunbären, 211 Zebras und 154 Bärenpaviane.

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