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Verlassen den Tegernsee: Pfarrer Martin Voß und seine Frau Tanja, die in der Gemeinde als Kirchenmusikerin angestellt war.

Wiesseer Pfarrer verlässt den Tegernsee

Ein leises Servus fürs Ehepaar Voß

  • Gabi Werner
    VonGabi Werner
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Es wird ein ruhiger Abschied werden: Ende April verlässt der evangelische Pfarrer von Bad Wiessee, Martin Voß, den Tegernsee. Wegen Corona fallen alle geplanten Feierlichkeiten aus.

Bad Wiessee – Keine Salutschüsse, kein Aufmarschieren der Vereine, keine Ehrengäste: Wenn Martin Voß (57) Ende April mit seiner Frau Tanja nach knapp neun Jahren Pfarrer-Dasein in Bad Wiessee in Richtung fränkische Heimat zurückkehrt, wird der Abschied sehr viel leiser ausfallen als gedacht. Schuld ist die Corona-Krise, die den für Sonntag, 26. April, geplanten Verabschiedungsgottesdienst unmöglich macht. Es sind Dinge, die sich nicht ändern lassen, sagt der evangelische Pfarrer. „Ein wenig enttäuscht bin ich aber natürlich schon.“

Gerne hätte Seelsorger Voß, der am 1. Mai eine Pfarrstelle in Prichsenstadt (Unterfranken) antritt, noch einmal das Wort an die Gläubigen in seinen Kirchengemeinden Bad Wiessee und Waakirchen gerichtet. Es liege ja im Wesen eines Pfarrers, zu predigen, sagt er und formuliert ein Anliegen, das ihm am Herzen liegt: Die Kirchengemeinden rund um den Tegernsee müssten in Zukunft noch stärker kooperieren und als Einheit auftreten. Denn: „Die einzelnen Gemeinden sind nicht existenzfähig, wenn jede vor sich hinwirtschaftet“, glaubt Voß.

Und noch an anderer Stelle ist ihm ein Zusammenwachsen ganz wichtig. Es müsse so viel Ökumene geben wie irgendwie möglich, findet der 57-Jährige. Zudem appelliert er an die Menschen am Tegernsee, die richtige Balance zu finden zwischen Stolz auf die eigene Heimat auf der einen Seite und Offenheit für Zugezogene auf der anderen. Er selbst fühle sich hier noch immer als „Pfarrer der Zugereisten“, erklärt Voß.

Nun steht die Rückkehr in die alte Heimat und zu den familiären Wurzeln an. Martin und Tanja Voß (49), die als Kirchenmusikerin angestellt ist und als solche in Bad Wiessee tätig war, tauschen sozusagen die Voralpen gegen die Weinberge. „Das war ein Qualitäts-Kriterium für einen nochmaligen Wechsel“, meint der Pfarrer schmunzelnd. Sein neuer Wirkungsort liege in einer wunderschönen Weinregion, das alte Städtchen habe besonderen Charme. Wohnen wird die Familie Voß im evangelischen Pfarrhaus, einem opulenten barocken Gebäude.

Hier finden Sie ein Interview mit Pfarrer Voß: Sportlich, Herr Pfarrer!

Die letzten Wochen seiner Amtszeit am Tegernsee waren auch für Voß geprägt von der Corona-Krise. Er habe versucht, das geistliche Leben über digitale Wege aufrecht zu erhalten, erzählt der Pfarrer. Ein Ersatz für lebendige Gottesdienste mit Besuchern und Musik sei dies freilich nicht gewesen. Nun sitzt die Familie quasi auf gepackten Koffern – der Umzug nach Prichsenstadt soll wie geplant am 30. April über die Bühne gehen. Die Pfarrstelle in Bad Wiessee wird neu ausgeschrieben und bleibt vorläufig vakant. Vermissen wird Voß die Schönheiten des Tegernseer Tals natürlich schon. Für einen Urlaub werde man sicher einmal hierher zurückkehren, meint er.

Pfarrer Martin Voß ins Amt eingeführt

Neben dem Abschiedsgottesdienst am 26. April muss auch die für 3. Mai geplante Busfahrt zum Einführungsgottesdienst von Pfarrer Voß nach Unterfranken entfallen. Dazu hatten sich bereits 30 Teilnehmer angemeldet. Die Fahrt, so verspricht Voß, soll im Herbst 2020 als Weinfahrt nachgeholt werden.

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