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Ein Brennpunkt für die Polizei: die Turnhalle in Tegernsee.

Bürgermeister Hagn setzt sich durch

Wegen Flüchtlingen: Mehr Personal für Wiesseer Polizei

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Tegernsee - Mehr Flüchtlinge, mehr Einsätze: Daher kriegt die Polizei Bad Wiessee jetzt doch einen Mann mehr.

Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) verkündete die Nachricht bei der Stadtratssitzung am Dienstagabend: „Die PI Bad Wiessee wird personell aufgestockt. Sie bekommt einen Dienstposten mehr.“ Dass Hagn und schließlich alle Bürgermeister rund um den Tegernsee, einschließlich Rathauschef Sepp Hartl (FWG) aus Waakirchen, so hartnäckig geblieben sind, hat sich also gelohnt.

Denn nach ihrem ersten Appell Anfang Oktober hatte sich die Stadt Tegernsee mit ihrer Initiative noch eine Abfuhr eingeholt. Zusammen mit seinem Vize Heino von Hammerstein (Bürgerliste) hatte Hagn damals ein deutliches Schreiben an Innenminister Joachim Herrmann verfasst – mit der Forderung, für die Dauer der Unterbringung der Asylbewerber in der Dreifachturnhalle die Polizei mit mehr Personal auszustatten. Die Absage kam postwendend.

Doch Hagn gab sich mit der ablehnenden Antwort nicht zufrieden. Zumal sich die Flüchtlingssituation weiter verschärfte. Angesichts steigender Zahlen und auch vor dem Hintergrund, dass sich der Bau einer Traglufthalle in Rottach-Egern für weitere 120 Asylbewerber bereits abzeichnete, legte er nach. Diesmal nicht alleine. Gemeinsam mit allen Tal-Bürgermeistern wurde ein neuer Brief an den Innenminister geschickt. Man wolle schon genau wissen, warum die Forderung der Tegernseer auf taube Ohren stoße. Argumentiert wurde unter anderem damit, dass die Auswirkungen der steigenden Flüchtlingszahlen auf das Tourismusgewerbe am Tegernsee unabsehbar seien. Auch sei nicht abzuschätzen, wann die Tegernseer Dreifachturnhalle wieder geräumt werden könne. Die Halle, aktuell belegt mit 200 Mann, ist ein Brennpunkt. Immer wieder muss die Polizei anrücken. Zuletzt sorgte ein aggressiver Senegalese (27) für Ärger, er wurde erst vor wenigen Tagen verhaftet. 

Diesmal lenkte Herrmann ein. Er lud Hagn zu einem persönlichen Gespräch, an dem auch Ministerin Ilse Aigner teilnahm. Das Ergebnis: Bad Wiessee bekommt einen zusätzlichen Posten. „Immerhin, besser als nichts“, sagt Hagn. Wiessees Polizei-Chef Wilhelm Sigel reagiert erleichtert. Beim ersten Anlauf im Oktober hatte er noch wenig Hoffnung, dass der Brief aus Tegernsee etwas bewirken könnte. „Einer ist besser als keiner“, sagt Sigel. Der zusätzliche Dienstposten bringe zwar eine gewisse Entlastung, „langfristig befriedigend“ sei die Personalausstattung dennoch nicht. 

Fakt ist: Durch die steigenden Zahlen an Flüchtlingen steigt für die Polizisten die Mehrbelastung. Konkrete Einsatzzahlen will Sigel auf Nachfrage zwar nicht nennen, jedoch seien wöchentlich durchschnittlich zwei Einsätze in Sachen Flüchtlinge zu leisten. Bisher sind die Dreifachhalle in Tegernsee und auch das Haus Rheinland in Bad Wiessee immer wieder Einsatzorte, demnächst rückt auch die Traglufthalle in Rottach-Egern ins Blickfeld. Relativ ruhig ist es hingegen in der alten Seeturnhalle in Gmund. 

Sigel hat noch einen Grund aufzuatmen. Im April verabschiedet sich ein Beamter seiner Inspektion in den Ruhestand. Bisher war völlig offen, ob diese Stelle nachbesetzt wird. Am Mittwoch hat Sigel nun die gute Nachricht erhalten: Ab 1. März wird diese Stelle wieder besetzt – mit einer Beamtin. Andernfalls hätte die Aufstockungs-Zusage des Innenministeriums keinen Sinn gemacht. 

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