Vor Gericht: Es war auch LSD im Spiel

Wiesseer verkaufte und rauchte Marihuana im großen Stil

Bad Wiessee - Er war krank, so lautete die Erklärung seines Anwalts. Das Gras hätte ihm geholfen. Und der Wiesseer (20) ist seit einem Jahr clean. Dennoch muss er büßen.

Seit knapp einem Jahr ist ein heute 20-jähriger Wiesseer clean. Doch gestern musste er bei einer Schöffensitzung vor dem Miesbacher Amtsgericht noch einmal für seine Taten aus der Vergangenheit büßen. Zum einen war er als Fahrer für einen Drogen-Käufer aktiv, zum anderen vertickte er das Zeug selbst. Im August 2014 chauffierte der junge Mann einen Kumpel nach Ottobrunn, der dort Drogen erwarb – satte 1,2 Kilogramm Marihuana. Besagter Kumpel verkaufte die Ware größtenteils und vor allem gewinnbringend im Tegernseer Tal an Dritte weiter. „Wie viel er in Ottobrunn wirklich gekauft hat, weiß ich nicht“, sagte der Angeklagte.

Im Februar des vergangenen Jahres war der 20-Jährige dann aber selbst Käufer der Ware. In sechs Fällen soll er insgesamt rund 480 Gramm Marihuana und fünf LSD-Trips gekauft haben. Der Wiesseer gab alles zu, stellte aber Kleinigkeiten richtig: „Es waren etwa 500 Gramm Marihuana und lediglich vier LSD-Trips.“ Schon an dieser Aussage zeigte sich, dass der damalige Rottacher für seine Taten geradesteht. Andererseits merkte man ihm aber auch an, dass er nach der Verhandlung einfach nur mit seiner Drogen-Vergangenheit abschließen wollte. Sein Drogen-Konsum sei aber ohnehin auf eine Krankheit zurückzuführen. „Mit den Drogen ging es ihm dann besser“, erklärte Rechtsanwalt Stefan Korn für seinen Mandanten. So steigerte sich vor allem der Marihuana-Konsum immer weiter – den Verkauf von rund 250 Gramm davon gestand er zudem.

Auch den Gebrauch der gekauften LSD-Trips gab der Wiesseer zu – es war allerdings eine einmalige Sache. Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid wollte es genauer wissen: „Ich kenne mich nicht aus. Wie fühlt man sich mit LSD?“, fragte er den Angeklagten. Der jedoch konnte nicht viel dazu sagen. „Ich kann mich nicht erinnern“, meinte der 20-Jährige, „weil ich dabei auch noch etwas getrunken und geraucht habe“. All das soll an seinem 19. Geburtstag stattgefunden haben. Da nahm auch seine Freundin und heutige Verlobte zum ersten Mal LSD. Aber die Erinnerung der heute 16 Jahre alten Gmunderin war auch nicht mehr allzu frisch. „Man sieht Sachen, halluziniert, aber mehr weiß ich nicht mehr“, erklärte sie.

Unter Berücksichtigung der Umstände und des Geständnisses plädierte Staatsanwalt Dr. Meyer auf eine zehnmonatige Jugendstrafe auf Bewährung sowie die Absolvierung von Drogengesprächen- und screenings. Eine Jugendstrafe wäre laut Verteidiger Korn aber zu hart. Da die Taten lange zurück lägen und sein Mandant keine Drogen mehr konsumiere, hielt er einen ein- bis zweiwöchigen Arrest für angemessen.

Schmid verhängte gegen den Wiesseer letztlich eine Jugendstrafe auf Bewährung inklusive 100 Sozialstunden und zehn Beratungsgesprächen bei der Caritas Miesbach sowie Drogen-Screenings. Schmid sagte abschließend zum zweifach Vorbestraften: „Es muss schon etwas passieren, damit Sie wissen, dass sich so etwas nicht lohnt.“

hph

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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