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Übergabe: Anton Grauvogl (l.) hat seinen Metallbaubetrieb Michael Spitz (r.) anvertraut. Zum Team gehören Benedikt Lausecker (2.v.l.) und Daniel Essenfelder. Nicht auf dem Bild ist Geselle Oliver Vega-Cordova.

Übergabe an Michael Spitz

Das Schmiedefeuer brennt weiter: Wiesseer Traditionsfirma Grauvogl in neuen Händen

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Seit 99 Jahren brennt das Schmiedefeuer in der Wiesseer Metallbau-Firma Anton Grauvogl. Es wird auch mit Grauvogls Rückzug in den Ruhestand nicht erlöschen. 

Bad Wiessee– Im Jahr 1921 beschloss der Rottacher Ludwig Grauvogl, die heimische Schmiede zu verlassen und einen Neuanfang in Bad Wiessee zu wagen. Sein Betrieb kam schnell in Schwung. Der Schmied kümmerte sich ums Werkzeug und die Wagen von Bauern und Holzknechten. „Oft am Wochenende, damit die Knechte am Montag weitermachen konnten“, weiß Anton Grauvogl, Enkel des Firmengründers. Auch das Beschlagen der Pferde gehörte zum Handwerk. „Aber da gab’s viel Verdruss“, weiß Grauvogl. Mancher Bauer zahlte lange nicht, manches Pferd schlug aus und verletzte den Schmied.

Vom Wagenschmied zum Kunstschlosser 

Der Sohn des Firmengründers, Anton Grauvogls gleichnamiger Vater, beschloss, den Betrieb anders auszurichten. Er wurde Schlossermeister und beschlug keine Pferde mehr. Wie auch sein Sohn Anton, der den Betrieb 1986 übernahm. Heute ist Anton Grauvogl 66 Jahre alt und hat gerade einen gesunden Betrieb an einen Nachfolger übergeben. Michael Spitz (30) heißt der neue Chef. Es ist ein Vertrauter: Vor 15 Jahren hat Spitz seine Lehre bei Grauvogl begonnen. Nach der Ausbildung arbeitete er bei anderen Betrieben, lernte viel dazu und machte die Meisterprüfung. Vor drei Jahren dann klopfte er wieder bei Grauvogl an: Ob er Subunternehmer werden könne? Sein ehemaliger Lehrherr hatte eine bessere Idee: Er stellte Spitz als Meister ein, mit dem Versprechen, dass er den Betrieb komplett übernehmen kann. Jetzt war es soweit: Seit Jahresbeginn gehört die Firma Spitz. „Ich bin nur noch als Berater da“, lächelt Grauvogl. 

Gesellen sind schwer zu bekommen: „Es gibt ja keine Leute“

Dass er einen Nachfolger für den Betrieb gefunden hat, ist für ihn ein absoluter Glücksfall: „Da sind Kollegen neidig“, weiß er. „Es gibt ja keine Leute.“ Zwei Gesellen und einen Auszubildenden hat die Firma. Arbeit gibt’s reichlich, aber ans Aufstocken ist nicht zu denken: Schlosser sind rar. Zu ihrer großen Freude, so Grauvogl, haben sich für dieses und auch schon fürs nächste Jahr jeweils ein Auszubildender beworben. Auch das ist ein Glücksfall.

Den Betrieb will Spitz genauso weiterführen, wie er ihn übernommen hat: „Das läuft hier alles so weiter.“ Ändern wird sich dennoch ständig etwas, wie bisher schon. Während Anton Grauvogl noch viel zu schmieden hatte, ist der junge Meister Spitz vor allem mit den modernen Stahlbauarbeiten vertraut. Kunstvoll geschmiedete Fenstergitter etwa sind nur noch selten gefragt. Die Kundschaft will gerade Linien, klare Formen. Spitz fertigt Geländer, Handläufe, übernimmt viele Stahlbauarbeiten, arbeitet Hand in Hand mit Zimmern und Maurern. Die Firma hat viele Stammkunden, die fast alle im Tegernseer Tal zuhause sind.

Das Schmiedefeuer brennt seltener

Das Schmiedefeuer, das in alten Zeiten täglich von 7.30 bis 17 Uhr brannte, wird meist nur noch für einen halben Tag pro Woche entzündet. „Wir freuen uns immer, wenn noch jemand kommt, der eine geschmiedete Sache möchte“, sagt Grauvogl. Früher einmal schmiedete er zehn Grabkreuze im Jahr, heute vielleicht eines. Vor Kurzem hat ein Kunde einen Brunnenauslauf für eine Burg in Südtirol bestellt, ein schöner Auftrag. Eine Besonderheit sind auch die Schlittenbremsen, die Grauvogl kreiert hat. Sie waren heuer sehr gefragt. „Die Bahnen waren vereist und es gab keine Schneewandl, da braucht man Bremsen“, weiß Grauvogl.

Auszeichnung für Lehrlingsausbildung

Die Leidenschaft für den Beruf hat er nie verloren. Für sein 35-jähriges Engagement als Lehrlings-Ausbilder hat er sogar ein Ehrenzeichen bekommen. Dass die ererbte Firma eine Zukunft hat, macht ihn froh. Die Auftragslage sei gut, sagt Grauvogl, der Druck aber oft hoch: „Oft pressiert’s, weil der Kunde etwas bestellt, was er gestern schon gebraucht hätte.“

Lesen Sie auch: Anton Grauvogl hat Schlittenbremse erfunden

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