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Neben dem Fußballplatz an der Hagngasse entstehen wieder Eisbahnen. Gefallen tut das nicht jedem.

Zu abgelegen, zu klein

Wiesseer vermissen ihren Natur-Eisplatz - „Ersatz eine Katastrophe“

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Der Wiesseer Natur-Eisplatz ist verloren, aber nicht vergessen. Der Ersatz kam bei Schlittschuhläufern bisher nicht an. Trotzdem soll der Platz wieder am Sportgelände entstehen.

Bad Wiessee– Ein Rechteck am Fußballplatz, 14 Meter breit und 30 Meter lang. Das ist der Eisplatz an der Sportanlage Hagngasse. Erstmals angelegt hat ihn die Gemeinde Bad Wiessee im vergangenen Winter, nachdem sie den traditionsreichen Natur-Eisplatz an der Freihausstraße aufgeben musste. Auch heuer soll besagtes Rechteck genau so wieder entstehen. „Sobald wir Minusgrade haben“, erklärt Thomas Holzapfel vom gemeindlichen Bauamt.

Unterdessen ist der Verlust des früheren Platzes längst nicht verschmerzt. Ein Thema war dies beim Ortsgespräch, zu dem der CSU-Ortsverband eingeladen hatte. „Um den alten Eisplatz ist viel zu wenig gekämpft worden“, erklärte CSU-Gemeinderat Georg Erlacher. Die Gemeinde habe den Natur-Eisplatz leichtfertig hergegeben, zudem die Hütten verschenkt. „Das war ein Fehler“, wetterte Erlacher. Einen Platz mit einer fast 100 Jahre alten Geschichte gebe man doch nicht so leicht auf. Der Ersatz an der Hagngasse sei „eine Katastrophe“. Für die Eisstockschützen reichten die Bahnen zwar aus. Aber ein Ersatz für den Natur-Eisplatz, auf dem vor allem Kinder ihren Spaß hatten, sei die Anlage an der Hagngasse absolut nicht.

„Das ist nur ein Notbehelf“, bestätigt Franz Grauvogl, Leiter der Sparte Eisschützen des SV Bad Wiessee, auf Nachfrage. Genutzt werde er von eingefleischten Eisschützen, die dort auch gute Bedingungen vorfänden. Für Schlittschuhläufer, die ihre Runden drehen wollen, sei der Platz zu klein und vor allem zu abgelegen. Kinder habe er dort nur sehr vereinzelt gesehen, es kamen auch kaum mehr Gäste zum Stockschießen. „Dabei hatten wir den schönsten Natur-Eisplatz in der ganzen Gegend“, sagt Grauvogl.

Weichen musste der schmerzlich vermisste Platz wegen der Lage bei einem Biotop. Wie berichtet, brachte ein Bauantrag den Stein ins Rollen. Die Erben einer Grundstücksbesitzerin ließen sich ein Dreifamilienhaus an der Freihausstraße genehmigen. Im Verfahren zeigte sich, dass der benachbarte Natur-Eisplatz teils in einem Biotop lag. „Und in einem Biotop kann ich weder die Hütten für den Schlittschuhverleih noch Lichtmasten aufstellen“, erklärt Bürgermeister Peter Höß. Dies allein sei schon ein K.-o.-Kriterium. Obendrein verursache der Betrieb auf dem Eisplatz Lärm. Hätte sich ein Anlieger beschwert, dann sicher erfolgreich, lässt Höß durchblicken. Der Vorwurf, er habe den Platz ohne Not und leichtfertig aufgegeben, treffe nicht zu, versichert Höß. „Wir konnten nichts anderes tun.“ Die gesetzlichen Regelungen hätten sich verändert, dem müsse die Gemeinde Rechnung tragen.

Dass der Platz an der Hagngasse bei Schlittschuhläufern keinen Anklang findet, ist Höß bewusst. Leider gebe es keinen anderen Standort – und sicher keine Möglichkeit, den alten Platz zu reaktivieren, macht er deutlich: „Das ist die einzige Lösungsmöglichkeit.“

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