Wolfgang Kuhn Jagdberater
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Wolfgang Kuhn ist neuer Jagdberater des Landkreises Miesbach.

Interview mit dem neuen Jagdberater

Wolfgang Kuhn: „Ich berate, aber ich mache keine Jagdpolitik“

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Seit 1. November ist Wolfgang Kuhn (67) neuer Kreisjagdberater. Wir haben ihn gefragt, wie er an seine Aufgabe herangehen will.

Herr Kuhn, kaum im Amt und schon Ärger. Bereuen Sie Ihre Entscheidung?

Nein, ich bereue das nicht, auch wenn die ersten Tage schon recht intensiv waren. Aber beim Interview mit dem Landrat hatte ich das Gefühl, mit ihm als Forstmann gut zusammenarbeiten zu können.

40 Jahre Förster, 50 Jahre Jäger – welche Seite überwiegt?

Ich bin beides zu 100 Prozent. Das will ich auch nicht trennen. Ich bin in einem Forsthaus im Ammergebirge aufgewachsen. Für mich gehört beides zusammen. Und trennen bedeutet auch, dass es konträr wird.

Lesen Sie auch den Bericht: „Affront beim Dienstantritt: Protestbrief gegen neuen Jagdberater“

Das wird auch Ihre Linie sein als Jagdberater, oder?

Ja, denn nur eine Richtung bedeutet Polarisierung. Das macht die Aufgabe nicht einfacher.

„Ich möchte meine Erfahrung einbringen“

Sie haben bei den Staatsforsten gearbeitet. Mussten Sie da nicht trennen?

Ich hatte immer Glück, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die es ähnlich gesehen haben wie ich. Vorgesetzte haben meine Begeisterung für die Waldverjüngung stets begrüßt und unterstützt.

Sie sind seit zwei Jahren im Ruhestand. Wieso übernehmen Sie nun diese Aufgabe?

Weil der Wald und die Jagd mein Leben sind. Und ich habe viel Erfahrung, die ich einbringen möchte.

„ich bin nur Berater – ich mache keine Jagdpolitik“

Wie beurteilen Sie die Lage im Miesbacher Wald?

Wir hatten hier vor vielen Jahren massivste Wildschäden, aber da hat sich viel verbessert. Auch heute gibt es Bereiche zum Nachbessern, aber diese Gruppe gilt es ins Boot zu holen. Beim Hegering, dessen Leitung ich aber abgeben werde, sobald Corona wieder Versammlungen zulässt, habe ich Bewährtes übernommen und Neues ausprobiert. Dort gibt es nun eine offene, transparente Abschussplanung, die auch der Nachbar einsehen kann. Zudem wird der Gamsabschuss auf den Schutzwaldsanierungsflächen flexibel gehandhabt. Das funktioniert sehr gut.

Sie sind also offen für den Dialog?

Natürlich. Aber ich bin nur Berater – ich mache keine Jagdpolitik. Ich will meine Erfahrung einbringen und mein Netzwerk. Mir geht es um zielführende Lösungen ohne Ideologie. Ich will Leute einbinden und nicht vor den Kopf stoßen. Die Jagd ist notwendig für Wald und Wildbestände, aber man muss sie sachlich fundiert und im Sinne des Tierschutzes durchführen. Das ist vielen Menschen wichtig.

ddy

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