Urlauber/Senioren genießen Zeit am Seeufer in Bad Wiessee. Die Gemeinde hat den Kurbeitrag wieder gesenkt.
+
Auch in Bad Wiessee zahlen Urlauber bald wieder einen Kurtaxe in Höhe von 3 Euro pro Gast und Übernachtung.

Gemeinderat spricht sich mehrheitlich für Senkung aus

Zähes Ringen bis zum Schluss: Entscheidung zu Wiesseer Kurbeitrag ist gefallen

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
    schließen

Es ist entschieden: Bad Wiessee hat seinen Kurbeitrag auf drei Euro gesenkt und zieht so mit den anderen Talgemeinden wieder gleich. Das Thema wurde im Gemeinderat noch einmal kontrovers diskutiert.

  • Der Wiesseer Gemeinderat hat sich dazu durchgerungen, den Kurbeitrag wieder zu senken
  • Damit gilt bald wieder eine talweit einheitliche Abgabe von 3 Euro
  • Angesichts der schwierigen Haushaltslage stimmten acht Gemeinderäte gegen die Senkung

Bad Wiessee - Bis zuletzt war es ein zähes Ringen – doch nun steht fest: Das Tegernseer Tal bekommt wieder einen einheitlichen Kurbeitrag. Mit 12:8 Stimmen beschloss der Gemeinderat Bad Wiessee bei seiner Sitzung am Donnerstagabend, die vor zwei Jahren beschlossene – und seither heiß diskutierte – Erhöhung der Kurtaxe auf 3,30 Euro zu korrigieren und stattdessen 3 Euro pro Gast und Übernachtung zu verlangen. Damit zieht Bad Wiessee mit den Nachbargemeinden gleich. Angesichts der schwierigen Haushaltslage in Corona-Zeiten taten sich einige Gemeinderäte mit der Entscheidung sichtlich schwer.

Angespannte Haushaltslage macht Gemeinderäten die Entscheidung schwer

„Die Realität hat uns eingeholt. Wir müssen uns wohl auf eine Zukunft mit Corona einstellen“, prophezeite Johannes von Miller (Grüne), der den Antrag der CSU auf Senkung des Kurbeitrags als Erster kommentierte. Unmittelbar davor hatten die Gemeinderäte einen Haushalt verabschiedet, der angesichts der Krise schwindende Einnahmen, viele Fragezeichen und zugleich ein dickes Investitionsprogramm inklusive Schuldenberg aufzuweisen hatte. Durch die Reduzierung des Beitrags um 30 Cent, so der Hinweis von Millers, würden der Gemeinde zusätzlich um die 120.000 Euro pro Jahr durch die Lappen gehen. Kurt Sareiter (CSU) ging sogar von einem noch höheren Fehlbetrag aus und sprach von einer Summe zwischen 150.000 und 200.000 Euro. „Wir werden für die Schuldentilgung jeden Cent benötigen“, sagte er mit Blick unter anderem auf den Neubau des Badeparks. Kurt Sareiter hatte den Antrag seiner Fraktion auf Senkung der Kurtaxe daher nicht unterschrieben und scherte später auch bei der Entscheidung aus.

Seien wir mutig, lassen wir es, wie es ist!

Klaudia Martini (SPD)

Während Wilhelm Dörder (FWG) einräumte, dass er sich angesichts der aktuellen Haushaltslage sehr schwer tue mit der Entscheidung, positionierte sich Klaudia Martini (SPD) gewohnt deutlich: Bad Wiessee habe nichts zu verschenken und dürfe sich nicht selbst schlecht reden, sagte sie. Ihre Forderung: „Seien wir mutig, lassen wir es, wie es ist!“

Vermieter hatten sich in Umfrage für die Senkung ausgesprochen

Die CSU stützte sich mit ihrem Antrag unter anderem auf das Ergebnis einer schriftlichen Umfrage unter den Vermietern: Diese hatten sich mit der klaren Mehrheit von 75 Prozent dafür ausgesprochen, den Beitrag um besagte 30 Cent zu kürzen. Auch die Solidarität gegenüber den anderen Talgemeinden war in der Vergangenheit immer wieder als Argument für eine Senkung ins Feld geführt worden. Das wollten von Miller und auch Martini so nicht gelten lassen. Immerhin sei man den Nachbarn bei der Defizitvereinbarung zum Badepark weit entgegen gekommen. Von Miller: „Solidarität ist keine Einbahnstraße.“

CSU-Gemeinderat spricht von Rücknahme einer „überdimensionierten Erhöhung“

Eine Lanze für die Senkung brach als CSU-Vertreter dagegen Thomas Erler. Er rief die damalige mangelnde Abstimmung mit den Vermietern und den anderen Talgemeinden in Erinnerung und sah in dem jetzigen Beschluss-Vorschlag nicht eine Senkung, „sondern die Rücknahme einer überdimensionierten Erhöhung“. Ebenfalls für den CSU-Antrag sprach sich Rolf Neresheimer (Bürgerliste Bad Wiessee) aus. Er war der Überzeugung, dass es ein niedrigerer Kurbeitrag den Vermietern leichter mache, mögliche künftige Beschwerden der Gäste „zu managen“. Es sei nämlich zu befürchten, so Nerseheimer, dass Urlaub in Bad Wiessee wegen der anstehenden Großbaustellen „hörbar beeinträchtigt“ werde. Schließlich kündigte auch Bürgermeister Robert Kühn (SPD) an, der Senkung zuzustimmen: Er wollte es als Signal verstanden wissen, „dass ich zum Tourismus stehe“.

Lesen Sie hier: Debatte um Kurbeitrag am Tegernsee: Hoffen auf den Schulterschluss

Mit acht Gegenstimmen sprach sich das Gremium am Ende für die Senkung auf 3 Euro aus. Der neue Beitrag tritt zum 1. Dezember dieses Jahres in Kraft. Im Beschluss wurde aber zugleich der Hinweis verankert, dass es mittelfristig notwendig sein werde, den Kurbeitrag „deutlich zu erhöhen“. Eine talweit einheitliche Abgabe sei dabei erstrebenswert.

gab

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare