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Am Info-Terminal vor der Wiesseer Tourist-Info können Reisende bequem eine Unterkunft suchen. Aber sind die freundlichen Mitarbeiterinnen des Info-Büros darum verzichtbar?

Wiessee fragt nach - TTT antwortet

Was soll der Tourismus kosten? Wie soll er aussehen?

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Bad Wiessee – Wie sieht die touristische Zukunft des Tegernseer Tals aus? Der Wiesseer Gemeinderat wollte das vom neuen TTT-Chef Stephan Köhl genau wissen.

Die Fokussierung auf die Premiummarke Tegernsee, die sinnvolle Zusammenführung der TTT und der Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS), Digitalisierung auf allen Ebenen – dies sind nur drei der Themen, mit denen sich der neue TTT-Chef Stephan Köhl befassen wird. Bei der Sitzung des Wiesseer Gemeinderats hatte Köhl jetzt erstmals seit seinem Amtsantritt zum Jahresbeginn die Gelegenheit, sich persönlich vorzustellen. TTT-Prokurist Christian Kausch präsentierte zugleich das Budget 2016, das demnächst im Rahmen der Haushaltsdebatte zur Diskussion steht. 

Jede Menge Fragen hatten die Gemeinderäte an das TTT-Duo. Florian Sareiter (CSU) sah das Wiesseer Budget „am oberen Limit“ angesiedelt und wollte wissen, wie sich die Personal-Situation entwickeln werde. Laut Kausch würden offene Stellen „nur zaghaft nachbesetzt“. Auf Sareiters Frage, wo er die Stärken des Tals sehe, antwortete der TTT-Chef: „Der Tegernsee ist ein Genuss-See.“ Die exklusive Qualität von Gastronomie und Kulinarik sei vorrangig. Man müsse Übernachtungsgäste von Rhein, Main und Donau an den Tegernsee locken, „aber auch Familien und Gäste, die sich Vier-Sterne-Hotels nicht leisten können.“ 

Birgit Trinkl (Wiesseer Block) wollte wissen, inwieweit die Gemeinde von der Marketing-Umlage aller Talgemeinden in Höhe von 75 000 Euro an die ATS profitiere. Dass damit etwa die Erstellung von Wanderkarten finanziert wird, wie Kausch erklärte, stellte Trinkl allerdings nicht zufrieden: „Nur Wanderkarten, das wäre zu wenig.“ Die ATS, versicherte Kausch, werde demnächst eine genaue Aufstellung liefern. 

Rolf Neresheimer (ranBW) kritisierte, dass für Familien als zweite Zielgruppe zu wenig Geld zur Verfügung stehe – er wusste von 500 Euro für ein Kinderprogramm. „Dass für die Webcam am Wallberg 40 000 Euro ausgegeben werden, ist ein krasses Unverhältnis“, sagte Neresheimer. Köhl und Kausch räumten ein, dass Familien im Tegernseer Tal nicht die Zielgruppe Nummer eins seien. „Sicher brauchen wir Familien, aber mit dem Aufwand, den Tiroler Familienhotels betreiben, können wir nicht mithalten.“ Bei der Strategie-Klausur werde die TTT aber auch darüber nachdenken. 

Während es Bernd Kuntze-Fechner (SPD) unter anderem für wichtig hielt, deutlliche Schwerpunkte im Veranstaltungs-Management herauszuarbeiten, wünscht sich Vize-Bürgermeister Robert Huber (SPD) künftig wieder eine Struktur, „in der sich die Gemeinden zurücknehmen und die Hoteliers mehr Gewicht kriegen“. Rathauschef Peter Höß (Wiesseer Block) hielt den Beirat, in dem Hoteliers der TTT ratgebend zur Seite stehen, für „gut besetzt“. Höß blickte aber auch in die Zukunft: Ob man die örtlichen Tourist-Infos in der jetzigen Form in Zukunft noch brauche, werde sich zeigen, so Höß.

Das Budget der TTT

Knapp 4,182 Millionen beträgt das Gesamt-Budget der TTT für 2016. Rund 1,8 Millionen entfallen aufs Marketing, knapp 1,5 Millionen Euro werden für das Gäste- und Anbieterwesen aufgewendet, knapp 870 000 Euro müssen für die Verwaltung aufgebracht werden. 46 Köpfe, so Kausch, arbeiten aktuell für die TTT. Mit 3,1 Millionen Euro werden heuer die Gesellschafter, also die fünf Tal-Gemeinden, die TTT finanzieren. Bad Wiessee trägt davon einen Löwen-Anteil: knapp 1,1 Millionen Euro, wenngleich dies 115 000 Euro weniger sind als im Vorjahr. 2014 betrug das Wiesseer Budget 1,052 Millionen Euro bei einem Gesamt-Gesellschafter-Anteil von 3,058 Millionen Euro. Für die Marketingumlage muss Bad Wiessee knapp 820 000 Euro beitragen. Der laufende Betrieb der Tourist-Info kostet die Gemeinde heuer 276 000 Euro. Auch am Umzug der Tourist-Info vom Haus des Gastes an den Lindenplatz musste sich Wiessee mit 27 000 Euro beteiligen.

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