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Das Modell des historischen Einfirsthofs Bauer in der Au vor dem – seit einem Jahr geschlossenen – Ausflugslokal Bauer in der Au. Die Klage gegen die Ablehnung seiner Pläne hat Franz Haslberger zurückgezogen.

Vor dem Ortstermin

Bauer in der Au: Haslberger zieht Klage zurück

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Bad Wiessee - Um seinen Traum vom Wiederaufbau des historischen Hofs Bauern in der Au durchzusetzen, ringt Unternehmer Franz Haslberger seit 2011 mit den Behörden. Am Mittwoch hätte das Verwaltungsgericht entscheiden sollen. Wenige Stunden vor dem Ortstermin zog Haslberger die Klage zurück.

„Herr Haslberger hat ein Signal gesetzt“, sagt Bürgermeister Peter Höß. Ein positives. Denn eigentlich standen die Zeichen auf Konfrontation. Mit seiner Klage wollte der Baustoffunternehmer aus Freising gegen den Willen der Gemeinde einen Mammutbau, 61 Meter lang, in idyllischer Berglage durchsetzen. Die Klage ist vom Tisch, dafür laufen neue Gespräche über die Zukunft des Anwesens Bauer in der Au. „Wir wollen mit dem Eigentümer zu einem Konsens kommen“, betont Höß.

Ein Ausgangspunkt könnte der neue Landesentwicklungsplan sein. Dieser, erklärt Höß, lasse die Schaffung neuer touristischer Attraktionen auch im Außenbereich unter bestimmten Voraussetzungen zu. Vielleicht könne man auf dieser Basis eine neue Planung für den Bauern in der Au entwickeln.

Ein Touristenmagnet wäre der Einfirsthof nach historischem Vorbild zweifelsohne. Im November 2011 hatte Haslberger dem Gemeinderat erstmals seine Pläne für den Wiederaufbau des 1971 abgebrannten Hofs präsentiert. Er sollte das einige Jahre nach dem Brand errichtete Ausflugslokal Bauer in der Au ersetzen. Haslberger ließ ein detailgetreues Modell seines Herzensprojekts in den Sitzungssaal tragen und hoffte auf Begeisterung.

Die blieb aus. Der Gemeinderat fürchtete eine Erweiterung der Gastronomie, „eine Verrummelung“ des Bergs, und lehnte die Pläne ab. Im Außenbereich, so hieß es, hätten nur Landwirte das Privileg, einen Neubau zu errichten. Haslberger, Naturliebhaber, Jäger und Besitzer mehrerer Almen, ließ nicht locker. Dem Landratsamt legte er im Juli 2013 ein Gutachten zur Gewinnprognose des historischen Hofs vor. Errechnet wurde, was die Tierhaltung in Kombination mit Gastronomie, Hofladen und Fremdenzimmern abwirft. Um bäuerliche Privilegien zu genießen, müssen die Einnahmen aus der Landwirtschaft allerdings höher sein als die aus der touristischen Nutzung.

Haslbergers Gutachten überzeugte nicht. Das Amt für Landwirtschaft kam im November 2013 zu dem Urteil, die Neugründung eines landwirtschaftlichen Betriebs im historischen Nachbau wäre nicht wirtschaftlich. Daraufhin lehnte das Landratsamt Haslbergers Bauantrag ab.

Gegen die Ablehnung hatte Haslberger die - jetzt zurückgezogene - Klage vor dem Verwaltungsgericht eingelegt.

Unterdessen wurde es am Berg sehr still. Das Ausflugslokal Bauer in Au - bis dahin von Bräustüberl-Wirt Peter Hubert als Pächter erfolgreich betrieben - machte im November dicht. Die auch für wenig konditionsstarke Wanderer gut erreichbare Berggaststätte fehlt im touristischen Angebot schmerzlich. Im Februar dieses Jahres kaufte Haslberger auch die Gaststätte Söllbachklause, am Fuß des Bergs gelegen. Auch sie ist jetzt geschlossen. Im Juni erwarb Haslberger ein innerorts gelegenes Geschäftshaus, zu dem das Gasthaus Niederstub'n gehört.

Welches Ziel er verfolgt, darüber schweigt sich Haslberger der Öffentlichkeit gegenüber eisern aus. Presseanfragen lässt er abblitzen, und auch der Gesprächsfaden zu den Vertretern der Politik riss zumindest zeitweise ab.

Inzwischen scheinen bessere Zeiten anzubrechen. Erst im September legte Haslberger dem Gemeinderat neue, gefällige Pläne für die Söllbachklause und das Geschäftshaus mit der Niederstubn vor. Zudem will er seine Söllbachalm und die Scheibenaualm auf Vordermann bringen. Der Gemeinderat stimmte freudig zu - und hofft, dass Haslberger die schönen Pläne auch umsetzt.

„Es wurde ja immer wieder spekuliert, dass Haslberger uns unter Druck setzen will“, sagt Höß. Etwa so: Die Gemeinde stimmt dem Mammuthof Bauer in der Au zu - oder die Gaststätten bleiben zu. Einen solchen Druck sehe er aber nicht, versichert Höß. Er wünscht sich, dass der Bauer in der Au bald wieder eröffnet. Derzeit lässt Haslberger dort die Tiefgarage erweitern, was Höß für die Zukunft hoffen lässt: „Herr Haslberger investiert da oben ja jetzt schon viel Geld.“

Von Christina Jachert-Maier

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