Nicht nur in Höhenlagen mit Seeblick im nördlichen Stadtbereich der Stadt Tegernsee sind die Bodenpreise in die Höhe geschnellt.
+
Nicht nur in Höhenlagen mit Seeblick im nördlichen Stadtbereich der Stadt Tegernsee sind die Bodenpreise in die Höhe geschnellt.

Neue Bodenrichtwerte veröffentlicht

Teures Pflaster Tegernsee: Quadratmeterpreise explodieren - „Der Markt ist überhitzt“

  • Gerti Reichl
    VonGerti Reichl
    schließen

Die neuen Bodenrichtwerte sind da und belegen: Es geht weiter steil nach oben mit den Preisen für Grund und Boden. Tegernsee und Rottach-Egern sind Beispiele für die Situation.

Tegernseer Tal – Als er die neuen Zahlen gesehen habe, sei er einfach nur geschockt gewesen, sagt Josef Bogner. Der Rottacher Gastronom und Kreisrat der Freien Wähler kämpft seit Langem gegen den Ausverkauf seiner Heimat und gegen die Erbschaftssteuer auf Privatvermögen, die sich eben nach den Bodenrichtwerten bemisst. Im Sommer 2018 war er mit einer Petition im Landtag dazu gescheitert. „Da zeichnet sich eine Katastrophe ab“, sagt Bogner, denn alles, was mit Steuer zu tun habe, ob Grundsteuer oder Erbschaftssteuer, habe mit Bodenrichtwerten zu tun.

Besonders im Gebiet der Stadt Tegernsee sind sie weiter in die Höhe geschnellt. In Tegernsee-Nord, dem Bereich bis zum Point-Parkplatz, kostet Wohnbaufläche 1400 Euro pro Quadratmeter. 2018 waren es 1050 Euro. Die erste Bauzeile oberhalb der B307 und an der Bahnlinie ist 1200 Euro pro Quadratmeter wert (2018: 900 Euro). Je höher es hinauf geht, desto höher der Preis: Bei Höhenlagen im nördlichen Bereich mit Seeblick müssen für den Quadratmeter schon 3000 Euro angesetzt werden, 1900 Euro waren es noch 2018. Unten am Seeufer wird’s richtig teuer: Der Preis für Seeufergrundstücke ist von 2600 Euro auf 4000 Euro pro Quadratmeter geklettert, die erste Bauzeile dahinter wird mit 2500 Euro bewertet, 1600 Euro waren es 2018.

Bodenrichtwerte in Tegernsee: Spitzenpreise am Seeufer

Tegernsee-Süd, beginnend am Stielerhaus, ist eine eigene Nummer: Hier kostet der Quadratmeter 1600 Euro, 400 Euro mehr als zuletzt. Die erste Bauzeile in vergleichbarer immissionsbelasteter Lage entlang der B307 wird mit 1400 Euro pro Quadratmeter bewertet, 950 Euro waren es 2018. Höhenlagen, etwa am Leeberg oder an der Riedersteinstraße kosten 2700 Euro pro Quadratmeter, 700 Euro mehr als 2018. Grundstücke in der ersten Bauzeile zum Seeufer, einseitig der B307, kosten 2600 Euro pro Quadratmeter, 1700 Euro waren es noch im Jahr 2018. Die teuersten Grundstücke liegen direkt am Seeufer, unterhalb der B307. Hier liegt der Quadratmeterpreis bei 4500 Euro, 3000 Euro waren es 2018. Die übrigen Gemarkungen haben ebenfalls eine Steigerung erfahren: von 650 Euro auf 950 Euro. Der Vollständigkeit halber: Das Grünland in Tegernsee wird mit elf Euro pro Quadratmeter bewertet, im Forstbereich liegt der Preis bei durchschnittlich 2,90 Euro je Quadratmeter.

Lesen Sie auch: So entwickelten sich die Preise in Miesbach

Rottach-Egern kommt in vielen Bereichen nicht an Tegernsee heran, auch wenn im südlichen Gemeindebereich 2300 Euro fällig sind. 2018 waren es noch 1700 Euro. Die erste Bauzeile an der B307 ist wegen der Lärmbelastung 1600 Euro wert, 400 Euro mehr als 2018. Die Wohngegend südlich der Rottach wird mit 1600 Euro bewertet (2018: 950 Euro), ebenso die Gegend entlang der B307 bis zur Ludwig-Thoma-Straße (2018: 1100 Euro) und westlich der Weißach (2018: 950 Euro). Spitzenreiter sind auch Hagrain und Ellmau, wo 2000 Euro pro Quadratmeter angesetzt sind, 1100 Euro waren es 2018. 1200 Euro besagt das neue Gutachten für die Wohngebiete Kühzagl und Erlach (2018: 850 Euro), 1400 Euro (2018: 950 Euro) für die Bereiche Kalkofen und Brandstatt. Ellmösl, Unterwallberg und Haslau sind mit 1100 Euro pro Quadratmeter bewertet, 300 Euro mehr als 2018. Die Bodenrichtwerte in den übrigen Gemarkungen stiegen von 400 auf 600 Euro.

Baulandpreise am Tegernsee: Die Gründe für den Anstieg

Woher kommt gerade in Tegernsee der enorme Preisanstieg? „Zum einen ist kein Angebot da. Zum anderen haben einige Wenige sehr, sehr teure Objekte verkauft. Das hat sich für Tegernsee-Nord ausgewirkt“, weiß Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Möglichkeiten, um die Preisspirale anzuhalten, sieht Hagn nicht: „Wir können zwar nicht in den Markt eingreifen, können aber versuchen, Objekte zu kaufen und dann selbst als Anbieter zu agieren.“ Die Zweitwohnungssteuer sei ein wesentliches Instrument. „Sie fließt komplett in die Beschaffung von Wohnraum.“

Lesen Sie auch: So entwickelten sich die Preise in Holzkirchen

Mit der sogenannten Amerikanerwiese am Leeberg hat die Stadt selbst 11.700 Quadratmeter in der Hinterhand und könnte sie zu Geld machen – viel Geld. „Es herrscht aber Einigkeit im Stadtrat, dass der Außenbereich geschützt wird“, erklärt Hagn. „Außerdem brauchen wir das Geld im Augenblick nicht.“ Weil keine Flächen da sind, steigt der Druck. „Der Markt ist überhitzt“, findet Hagn. Er befürchtet, dass der Großraum München bis 2040 auf fünf Millionen Menschen anwächst. „Und die Natur wird nicht mehr.“

Ein Ende der Preisspirale sieht der Rottacher Josef Bogner nicht: Inzwischen gebe es immer weniger Einheimische, die standhaft bleiben und nicht der Verlockung der Millionen erliegen, die von Maklern geboten werden. „Wir sägen uns den Ast ab, auf dem wir und unsere Kinder sitzen, das ist verantwortungslos.“ Seine Forderung: „Die Politik muss eingreifen und auf die Entwicklung am Markt reagieren, etwa durch höhere Freibeträge für normale Menschen.“ Die Bodenrichtwerte für die Stadt Tegernsee sind im Rathaus mit Terminvereinbarung einzusehen. (gr)

Tegernsee-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Tegernsee-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Tegernsee – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare