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Bringt Spender und Bedürftige zusammen: die Kreuther Unternehmensberaterin Claudia Hummel (41).

Wer hat - wer braucht?

Kreutherin erfindet Plattform für Sachspenden

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Kreuth - Bedürftige gibt es viele. Helfer auch. Nur kommen Sachspenden nicht immer da an, wo sie dringend gebraucht werden. Bis jetzt: Denn Claudia Hummel (41) hat die Lösung.

Bei der Hochwasserkatastrophe im Juni 2013 wurde das Problem offensichtlich: Halb Bayern lud seine Kofferräume mit Dosennahrung, Küchenschränken und Altkleidung voll, um der anderen Hälfte, deren ganzes Hab und Gut im Donauschlamm versunken war, zu helfen. Die Hilfsbereitschaft war groß, nur koordiniert war sie anfangs wenig. Wer braucht meinen Küchentisch?, fragten sich die einen. Wo bekomme ich eine Kinderwagen her?, die anderen.

Das muss nicht sein, sagte sich Claudia Hummel (41) aus Kreuth. Das geht auch einfacher. Hummel ist eine Problemlöserin. Beruflich berät sie Unternehmen. Privat hat sie vor Kurzem eine Online-Plattform aufgebaut, mit der sich Helfer und Bedürftige finden sollen.

Auf ihrer Internetseite können Vereine, Hilfsorganisationen, Bedürftige und Spender ihre Gesuche und Angebote aufgeben. Zum Text lassen sich Bilder hochladen – ganz einfach per Mausklick und kostenfrei. Eigentlich funktioniert Hummels Seite wie Ebay – nur ohne Geld. Mitmachen kann man in ganz Deutschland. Bei jedem Inserat muss der Ort angegeben werden und wie weit man fahren möchte.

Die Startseite der Plattform.

Und alles muss für den guten Zweck sein. Das ist Hummels einzige Bedingung: „Das kann aber auch ein Sportverein sein, der für seinen Aufenthaltsraum ein Sofa sucht.“ Oder es sind gebrauchte Lkw-Planen, die Tierschützer im Ausland als Dach benutzen. Möglich ist alles. Beispiele gibt es viele: Als im beginnenden Winter die Asylbewerber frierend und teils barfuß in der Tegernseer Turnhalle ankamen, spendeten die Tegernseer tonnenweise Winterkleidung. Die Mäntel, Jacken, Schals kamen im Gymnasium direkt gegenüber an. Lehrkräfte und Sekretariat erstickten fast an der überragenden Hilfsbereitschaft. Nur: Was wirklich gebraucht wurde, war schwer zu erfassen.

Mit einem Klick bei Hummel wäre das einfacher gewesen. Und es geht Hummel nicht nur um die Vermittlung von Sachspenden. Sie hat sich die Koordination von Hilfstransporten vorgenommen. Wer durch Deutschland in Richtung Ukraine unterwegs ist, so die Idee, kann seine Route online stellen und angeben, was noch in den Lkw passt. Auch Sammelstellen kann man bei Hummels Seite anbieten oder finden. Das sind Dachböden oder Keller, die Privatleute für Hilfsorganisationen zur Verfügung stellen, damit die dort Hilfsgüter bis zum Transport lagern können.

„Und die, die Spenden erhalten haben, können sich auf meiner Plattform bedanken.“ Das war Hummel wichtig. Dafür hat sie eine extra Rubrik eingerichtet. Hummel: „Sachspenden sind so unpersönlich. Das Ding wird weggegeben. Und das war’s.“ Bei einem Foto von der Fußballmannschaft auf ihrem neuen Vereinssofa oder von den syrischen Kindern in warmen Winterjacken – da wird einem doch warm ums Herz. „Und es ist nachhaltig“, freut sich Hummel. „Auch Firmen, die etwas spenden, werden ein Dankeschön gern als Werbung nutzen“, ist sich die Unternehmensberaterin sicher.

Nur sie selbst verdient nichts an der Seite. Im Gegenteil: „Ich habe bis jetzt nur Geld reingesteckt.“ Hummel hofft, dass sie einen Teil der Kosten über Werbeeinnahmen refinanzieren kann. Nur ein Problem hat die engagierte Kreutherin noch: Kaum einer kennt ihre Seite. Bisher ist die Zahl der Inserate sehr überschaubar. Aber das kann sich ja schnell ändern – hoffentlich noch vor der nächsten Hochwasserkatastrophe.

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