Tourismus

Hoteliers im Tegernseer Tal haben kaum Buchungen für den Sommer

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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  • Bettina Stuhlweißenburg
    Bettina Stuhlweißenburg
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Tegernseer Tal – Die Verlängerung des Lockdowns ohne Öffnungsperspektive für die Tourismus-Branche verärgert die Hoteliers im Tegernseer Tal

Anastasia Stadler, Chefin des Webermohofs in Rottach-Egern

Große Hoffnung hat Anastasia Stadler in die Ministerpräsidenten-Konferenz am vergangenen Mittwoch nicht gesetzt. Dass es aber gar keine Öffnungsperspektive für die Hotellerie gibt, kann die Chefin des Webermohofs in Rottach-Egern nicht verstehen: „Die Politik betont immer, wie wichtig der Tourismus sei, wie viele Arbeitsplätze da dran hängen, aber jetzt sieht man, dass das nur Lippenbekenntnisse sind. Ich bin enttäuscht.“

Ob Pachtbetriebe durchhalten, ist fraglich

60 Betten in Zimmern und Ferienwohnungen hat Stadler – die Buchungen für den Sommer halten sich in Grenzen. „Die Menschen sind verunsichert. Jeder will wissen, wie er stornieren kann.“ Der Städte-Tourismus könne damit besser umgehen als der Tourismus im Tal. „Städtereisende bleiben nur wenige Tage. Da lässt sich eine Stornierung leichter neu belegen als eine Stornierung von 14 Tagen“, erklärt Stadler. „Ohne unsere Stammgäste wäre es bitter. Zum Glück haben wir Eigentum. Wie soll ein Pachtbetrieb das durchhalten?“

Auch die Geschäftsführerin des Relais-Chalets Wilhelmy in Bad Wiessee ist frustriert: „Es macht keinen Spaß mehr, in Deutschland Unternehmer zu sein“, sagt Stefanie Ziegelbauer. In der fast 100-jährigen Geschichte des Hauses habe man viele Krisen überstanden. „Das geht aber nur, wenn der Unternehmer handeln darf.“ Der Staat mische sich zu sehr ein und gängele das freie Unternehmertum. Mehr als 5000 Euro hatte Ziegelbauer in Hygienemaßnahmen investiert, darunter in Trennwände für Tagungsräume. Ende Oktober hatte sie noch Ware im Wert von 3000 Euro bestellt für Tagungen, die im November geplant waren. Dann kam der Lockdown. „Die Ware mussten wir wegschmeißen.“

Die Enttäuschung der Hoteliers ist groß

Ein Datum hatte Christian Kausch bei der jüngsten Ministerpräsidenten-Konferenz ohnehin nicht erwartet. „Es war wenig überraschend, dass noch kein Öffnungstermin für Beherbergungsbetriebe genannt wird“, sagt der Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus (TTT) GmbH. Die Enttäuschung bei den Gastgebern sei trotzdem da. „Eine Mischung aus Resignation und Existenzängsten“ beobachtet Kausch bei den Betreibern von Hotels und Ferienwohnungen im Tal.

Dennoch sei es allen daran gelegen, nicht überstürzt zu öffnen, um wenige Wochen später wieder schließen zu müssen. Der Tegernsee dürfe keinesfalls zu einem Corona-Hotspot werden. „Unser Ziel ist es, den Gästen einen unbeschwerten, aber auch sicheren Aufenthalt zu ermöglichen“, betont Kausch. Der Sommer 2020 habe gezeigt, dass die Hygienekonzepte gut funktioniert hätten.

Urlauber buchen bislang sehr zrückhaltend

Mit den Buchungen für 2021 seien nicht nur die Urlauber, sondern auch die Gastgeber noch zurückhaltend. „Sie wollen ungern Kontingente in Aussicht stellen, die sie am Ende wieder stornieren müssen.“ Kausch geht davon aus, dass 2021 erneut Flexibilität bei der Reiseplanung gefragt ist – auch wenn diese durchaus anstrengend für alle Beteiligten sei. Eine Kopie des für die damals noch frühe Phase der Pandemie lockeren Sommers 2020 werde man aber wohl nicht erleben. Das Motto: weniger ist mehr. Individuelle Angebote, Aktivitäten im Freien, keine Großveranstaltungen. So könne man die Saison verlängern und einen Winter 2021/2022 ohne Lockdown ermöglichen.

Wann der Tourismus im Tal wieder anläuft, kann Kausch derzeit noch nicht sagen. Er hofft aber auf einen (sanften) Start im Mai.

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Rubriklistenbild: © THOMAS PLETTENBERG

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