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Bergfilmfestival in Tegernsee: Themenabend zu Nepal beeindruckt

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Nepalabend in Tegernsee
BR-Moderator Florian Schwarz (r.) und Ingrid Versen von der Hillary-Stiftung Deutschland (l.) begrüßten den Filmer Ganesh Panday mit Produzentin Sharada Gaire, die erst eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn direkt aus Nepal in Tegernsee eintrafen. © GB

Tegernsee – Bei einem Nepalabend im Rahmen des 18. Internationalen Bergfilmfestivals in Tegernsee haben sich andere Eindrücke aus dem Urlaubsland gezeigt.

Einen außergewöhnlichen Filmbeitrag konnten im ausverkauften Ludwig-Thoma-Saal die Besucher beim Nepalabend anlässlich des 18. Internationalen Bergfilmfestivals in Tegernsee erleben.

„Unser Film feiert heute hier und zeitgleich in Tschechien Premiere“, berichteten voller Stolz die Nepalesen Sharada Gaire, Produzentin des Films, und Filmer Ganesh Panday. Zuvor war der 35-minütige Streifen mit dem Titel „Co-Husband“ (Vielmännerei) erstmals dem nepalesischen Parlament vorgestellt worden – eine einmalige Handhabung.

Seltsam anmutende Lebensform Polyandrie

Der Grund: Noch nie in der 300-jährigen Geschichte Himalayas wurde ein Film über die seltsam anmutende Lebensform der Polyandrie gedreht, die auch in Nepal eigentlich nicht legal, aber wegen der Tradition geduldet ist. Dokumentiert wird die sogenannte Macht der Frau, die gleichzeitig mit drei Brüdern verheiratet ist, wobei die etwas andere Familie mit den hervorgegangenen Kindern unter einem Dach lebt.

Drei Jahre lang dauerte die Recherche des Filmers, der dabei drei Familien im Alltag begleitete. Hintergrund dieser Lebensform, die natürlich nicht konfliktfrei ist? Wegen fehlenden Landes wird durch die Polyandrie die Zahl der Nachkommen beschränkt. Noch bis vor 30 Jahren brachte jede Nepalesin auf dem Land bis zu elf Kinder zur Welt.

Nepalesin genießt ihren Sonderstatus

Deshalb gingen mehrere Männer, also Brüder, eine Verbindung mit einer Frau ein, deren Kapazität biologisch natürlich beschränkt ist. Eine Nepalesin im Film genoss ihren Sonderstatus sichtlich, denn sie nimmt auch die Arbeitsteilung für ihre drei Männer vor.

Kein Wunder, dass es am Ende viele Fragen aus dem Publikum gab, die von den Filmproduzenten auch offen und mit viel Geduld beantwortet wurden.

Müllberge im Naturparadies

„Trekking am Mount Everest – Müllberge im Naturparadies“ lautete der Titel der deutschen Produktion von Lisa Seemann. Der 44-minütige Streifen beschreibt nicht nur die großartige Natur auf der Klassikroute von Lukla bis zum Everest-Basiscamp mit Besteigung des Kala Patthar bis auf 5.643 Meter, sondern befasst sich auch mit Beschwernissen in großen Höhen.

Im Mittelpunkt aber stand der Schwede Tommy Gestatson, der über neue Ansätze im Kampf gegen den Müll berichtete. Ein gewaltiges Problem sind Plastikflaschen. Touristen sollen in der Höhe sehr viel trinken, um nicht höhenkrank zu werden – pro Tour und Tourist zirka 40 Flaschen. Das macht jährlich etwa zwei Millionen, die dann auf dem Müll landen.

Bring-mich-zurück-Beutel gegen Müll

Es wurden seitens der nepalesischen Regierung bisher viele Versuche gestartet, vor allem durch Verbrennung, die Flaschen loszuwerden – zum Leidwesen der Natur. „Der Tourismus war Segen für die Menschen, die hier leben, aber natürlich hat dieser auch Nachteile, und Müll ist einer davon“, erzählte Tommy Gustafsson, der seit einigen Jahren in Namche Bazar auf 3.400 Metern Höhe lebt.

Gemeinsam mit der lokalen Müll­organisation hat der Schwede es mit einem neuen Projekt versucht, das bei den Touristen gut ankommt. „Das ist der Beutel, den wir Bring-mich-zurück-Beutel nennen. Er enthält 20 zerkleinerte Plastikwasserflaschen, die nicht verbrannt, sondern in kleine Flocken geschreddert wurden, verpackt in einen Ein-Kilo-Beutel“, erzählt der Schwede.

Mehr als 5.000 Beutel aus Naturparadies

Auf freiwilliger Basis wird jeder Tourist gebeten, einen Sack zum Flugplatz nach Lukla mitzunehmen, wo die gesammelten Säcke dann in die Hauptstadt Kathmandu geflogen und dort recycelt werden. „Ich hoffe, dass man in zehn Jahren hier keine der heute 75 Müllkippen mehr sieht“, hoffte auch ein Tourist, der sich öfter in der Everest-Region aufhält. Bisher wurden mehr als 5.000 Beutel zu Fuß aus dem Naturparadies getragen – das sind rund fünf Tonnen Müll. Gustafsson rechnet: „Wenn jeder Tourist und Guide einen einzigen Beutel mitnimmt, könnten rund 80 Tonnen Plastik jährlich aus der Everest-Region herausgebracht werden.“ Die zündende Idee fand auch beim Tegernseer Publikum großen Anklang.

Zwischen den beiden sehr verschiedenen Filmbeiträgen interviewete BR-Moderator Florian Schwarz die in Bad Wiessee beheimatete Gründerin der Sir-Edmund-Hillary-Stiftung Deutschland, Ingrid Versen, die über die verschiedenen privaten Hilfsprojekte in der Everest-Region berichtete, die das harte und karge Leben der Sherpas erträglicher machen. iv

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