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Areal Tegernsee-Villen: Bad Wiessee lehnt Antrag für Neubau ab

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Tegernsee-Villen in Bad Wiessee
Auf diesem Grundstück neben den Tegernsee-Villen in Bad Wiessee soll eine Gaststätte entstehen. © Gernböck

Bad Wiessee – Für die Tegernsee-Villen in Bad Wiessee will Bauherr Planquadrat noch eine Gaststätte bauen. Das Thema sorgte nun im Bauausschuss für Kritik.

In ihrer jüngsten Sitzung haben sich die Mitglieder des Bauausschusses der Gemeinde Bad Wiessee mit einem Antrag befasst, der mit einer jahrelang währenden und keineswegs unkomplizierten Historie verknüpft ist: dem Bau der Tegernsee-Villen im Ortsteil Abwinkl.

Nach dem Abbruch der ehemaligen Schlemmer-Klinik sollte auf dem Grundstück an der Ringbergstraße der Brenner-Park entstehen, ein Wohnpark für Betuchte. Auch eine Gaststätte war damals geplant. Nach dem Scheitern des Projekts kaufte 2015 das Salzburger Unternehmen Planquadrat das Areal und verwirklichte dort das Wohnprojekt Tegernsee-Villen, das bereits in der Entstehungsphase für kontroverse Diskussionen gesorgt hat. Die neun Häuser mit 38 Wohnungen wurden 2018 fertiggestellt.

Geplantes Restaurant für 80 Gäste

Nun will der Investor auch auf die Gaststättenpläne zurückkommen. Bereits 2013 war dafür ein Antrag auf Genehmigungsfreistellung eingereicht worden, schilderte Anton Bammer, Leiter des Bauamts der Gemeinde Bad Wiessee. Damals war der Antrag bewilligt worden, es aber nicht zur Realisierung gekommen. Nach einigen Jahren verliere solch eine Freistellung ihre Gültigkeit und müsse daher neu beantragt werden, erläuterte Bammer. Auch dann, wenn – wie in diesem Fall – der Antrag mit dem ursprünglich gestellten identisch ist.

Nach den Vorstellungen des Bauwerbers soll das geplante Restaurant Raum für 80 Gäste bieten. Während die Gaststube im Erdgeschoss und eine Terrasse allen Gästen offen stehen, soll ein weiterer Gastraum im ersten Stock den Bewohnern der Villen vorbehalten bleiben. Zudem soll das Gebäude mit zwei Untergeschossen unterkellert werden. Die Freistellung vom Genehmigungsverfahren würde Planquadrat die Möglichkeit geben, sofort mit dem Bau des Lokals zu beginnen.

2013 wegen Massivität dagegen gestimmt

Dass die Mitglieder des Bauausschusses nicht zuletzt aufgrund der Vorgeschichte dem Antrag kritisch begegneten, zeigten die Wortmeldungen nach der Darstellung durch den Bauamtschef. Florian Sareiter (CSU) erinnerte angesichts der Historie des ganzen Projekts daran, dass seine Fraktion 2013 wegen der Massivität des ganzen Projekts geschlossen gegen den Bau gestimmt hatte.

Damals habe man von einem Mehrwert für den ganzen Ort gesprochen, heute sei die Ansicht wohl ganzheitlich revidiert worden: „Das Ganze ist ein Tragikum, man ist da sehenden Auges ins Verderben gelaufen.“ Bei den meisten Wohnungen handle es sich zudem um Zweitwohnsitze. Bei dem Antrag für das Restaurant biete sich nun eine Chance, den Riegel vorzuschieben. Bürgermeister Robert Kühn bat an dieser Stelle, die Diskussion nicht zur Generalabrechnung mit dem ganzen Projekt geraten zu lassen.

Optik des künftigen Restaurants missfällt

Wenn der Ausschuss die Genehmigung nicht erteile, liege die Entscheidung beim Landratsamt Miesbach, vergewisserte sich Johannes von Miller (Grüne). Sollte die Behörde grünes Licht geben und alle Vorgaben erfüllt sein, werde die Gemeinde letztlich nicht mehr gefragt.

Wozu ein Gasthaus nötig sei, da es sich vorwiegend um Zweitwohnungen handle, gab Benedikt Dörder (SPD) zu bedenken. „Wir haben uns das anders vorgestellt“, erklärte Fraktionskollegin Klaudia Martini. Keiner sei glücklich mit dem Ding. Auch die Optik des künftigen Restaurants missfiel Martini. Der obere, den Bewohnern vorbehaltene Stock wirke wie eine Glasturnhalle.

Keine Gaststätte für Allgemeinheit

Auch über die Frage, warum die Gaststättenpläne nach Jahren nun wieder aufs Tapet gekommen waren, machte sie sich Gedanken. Möglicherweise hätten einige Besitzer sich dort eingekauft, um mit einem Speiselokal in unmittelbarer Nähe versorgt zu sein. Nach dessen Ausbleiben habe sich womöglich Protest geregt. „Der Gedanke liegt nahe, uns ist aber nichts bekannt“, erklärte Bammer. Auch die zwei Untergeschosse machten Martini stutzig: Sie würden eine Unsumme Geld kosten.

Zwar sei der Wunsch nach Gastronomie dort verständlich, befand Kühn. Doch mit einer Gaststätte für die Allgemeinheit habe das nicht viel zu tun. Einstimmig lehnte das Gremium schließlich den Antrag ab. ger

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