1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. DasGelbeBlatt

Bad Wiessee: Folgen der Corona-Pandemie auch im Haushalt sichtbar

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Spielbank Bad Wiessee
Pandemie-bedingt ist die Abgabe der Spielbank Bad Wiessee an die Gemeinde 2021 massiv eingebrochen. © Gernböck

Bad Wiessee – Der Haushalt 2022 in Bad Wiessee ist bereits beschlossen, die Abrechnung für 2021 nun auch. Darin zeigen sich deutlich die Folgen der Corona-Krise.

„Die Entwicklung schaut nicht gut aus“ – mit diesen Worten eröffnete der Kämmerer der Gemeinde Bad Wiessee, Franz Ströbel, seinen Rechenschaftsbericht für das Haushaltsjahr 2021. Die Folgen der Corona-Pandemie werden auch in den Zahlen sichtbar, machte er klar.

So sei die jährliche Zuführung an den Vermögenshaushalt rückläufig: 2019 waren es noch 5 Millionen Euro, aber 2021 lediglich gut 3 Millionen Euro, die vom Verwaltungshaushalt bei einer Gesamt­einnahme von rund 19,3 Millionen Euro zugeführt werden konnten. Ein drastisches Minus war 2021 bei der Spiel­bankabgabe zu verzeichnen. Mit rund 2,2 Millionen Euro lag das Ergebnis da um 1,6 Millionen Euro niedriger als im Vorjahr – ein Einbruch von 42 Prozent. Dabei müsse auch die inbegriffene staatliche Corona-Hilfe in Höhe von knapp 350.000 Euro berücksichtigt werden, gab Ströbel zu bedenken.

Weniger Gewerbesteuer eingenommen

Die seit Dezember 2021 wieder greifende Beteiligung der übrigen Talgemeinden an den Einnahmen werde die Gemeinde zusätzlich hart treffen. Zu Buche schlagen die Verpflichtungen gegenüber der Firma Bayerngrund bei der Vorfinanzierung des Spielbankbaus mit gut 900.000 Euro, die ebenso wie die Kreisumlage in Höhe von rund 575.000 Euro von der Spielbankabgabe abgedeckt werden müssen. Durch die Vermietung des Spielbankgebäudes konnte die Gemeinde 2021 900.000 Euro erwirtschaften.

Drastisch gesunken sind auch die Einnahmen aus der Gewerbesteuer. 2020 flossen da noch gut 4 Millionen Euro in die Gemeindekasse. 2021 verringerte sich die Einnahme um satte 1,6 Millionen Euro. „Das belastet unseren Haushalt extrem“, sagte Ströbel. Als Mann der Tatsachen wolle er nichts beschönigen. Bad Wiessee sei an Corona nicht locker vorbeigekommen. Die Folgen werden wohl bis 2024 weiter spürbar sein.

Neues Kita-Zentrum hat Priorität

Reduziert haben sich allerdings die Personalkosten. Sie beliefen sich 2021 auf 3,8 Millionen Euro. Das sind über 400.000 Euro weniger als in den beiden Vorjahren. Diese Entwicklung sei nicht zuletzt der Schließung des Badeparks geschuldet, führte Ströbel aus. Auch in anderen Bereichen habe man die Kosten zurückgeschraubt, doch werde es immer schwieriger, noch weiter einzusparen.

Angesichts der finanziellen Lage müsse sich die Gemeinde Bad Wiessee auf ihre Pflichtaufgaben konzentrieren, unterstrich der Kämmerer. Investitionen seien immer schwieriger zu stemmen. Doch sei etwa der Neubau des Kita-Zentrums auf dem Areal der Grundschule an der Sanktjohan­serstraße 36 eine absolut notwendige Maßnahme, um der Versorgung von Kindern berufstätiger Eltern gerecht zu werden. Das Projekt ist mit 12,3 Millionen Euro veranschlagt.

Zwei neue Projekte machen Hoffnung

Um die Sanierung des gemeindeeigenen Hotel Gasthof zur Post zu planen, sind im Haushalt 2022 zudem 200.000 Euro eingeplant. Kämmerer Franz Ströbel rechtfertigte diese Projekte als durchdachte Investitionen in die Zukunft des Ortes. „Da wird nicht leichtfertig mit dem Geld herum geschmissen“, erklärte er.

Neben Corona werde auch der Krieg in der Ukraine seine Auswirkungen zeitigen, prognostizierte Ströbel. So seien auf dem Rohstoffmarkt extreme Preiserhöhungen zu erwarten, die auch die Kommunen zu spüren bekommen werden. Vorsichtig positiv blickte der Kämmerer hingegen auf zwei aktuelle Projekte: den Neubau des Strüngmann-Hotels und das Bauprojekt auf dem Areal um das ehemalige Hotel Ritter an der Ortsmitte. Dort sei mit zusätzlichen Einnahmen für die Gemeinde zu rechnen.

Unsicherheiten im Haushalt wegen Corona

Habe Corona schon bei der Aufstellung des Haushaltsplans für Unsicherheit gesorgt, bringe der Krieg als Folge nun steigende Zinsen, vor allem im Baubereich, gab Florian Sareiter (CSU) zu bedenken. Investitionen würden sich entsprechend verteuern. Es gelte deshalb, variabler bezüglich der Wünsche und deren Umsetzung zu sein. Auch Fraktionskollege Kurt Sareiter mahnte, die Kommune müsse in den kommenden Jahren Prioritäten setzen.

Bernd Kuntze-Fechner (SPD) empfahl, achtsam, aber auch optimistisch in die Zukunft zu schauen. Er setze Hoffnung auf die Stabilität der Einkommensteuer. Diese hatte der Gemeinde 2021 gut 360.000 Euro mehr eingebracht als im Vorjahr. Schließlich gab das Gremium dem Abschluss sein einstimmiges Ja. ger

Auch interessant

Kommentare