Ergebnisse der Umfrage zu BRB-Zügen
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Mitglieder der Initiative haben die Umfrageergebnisse zu den BRB-Zügen am Gmunder Bahnhof vorgestellt: (v.l.) Rudolf Probst, Markus Ertl, Gisela Hölscher und Ralph Seifert.

Bündnis fordert neue Züge

Umfrage zu Lint-Zug mit ernüchterndem Ergebnis: Wie die BRB dagegen hält

Gmund/Landkreis – Die Kritik an den neuen Zügen reißt nicht ab: Die Initiativen „Endstation Lint“ und „BRB barrierefrei“ haben nun eine Umfrage vorgestellt. Die BRB kontert.

Die Kritik an den Lint-Zügen, die zwischen München und dem Oberland pendeln, reißt nicht ab. Nach einer Umfrage – dazu aufgerufen hatte das Aktionsbündnis aus „BRB barrierefrei“ und „Endstation Lint“ – wurden nun die Ergebnisse präsentiert. Das Urteil der knapp 3.000 Teilnehmer, die den neuen Zug mit seinen Vorgängern verglichen, fiel deutlich aus: Zu den 17 Fragepunkten gab es mehrheitlich Bewertungen wie schlechter und inakzeptabel. Die Bayerische Regiobahn (BRB) hält jedoch die Studie für tendenziös.

Neben der Lärmemission durch Kreischen, Quietschen und Poltern wurde laut Umfrage des Aktionsbündnisses vor allem die Barrierefreiheit in den Lint-Zügen kritisiert. Insbesondere dem Ein- und Ausstieg stellten 95 Prozent der Befragten ein ernüchterndes Zeugnis aus.

Nachteile für Fahrgäste mit Behinderung

„Die Ergebnisse sind für den Lint vernichtend. Es ist schade, dass man einen neuen Zug hat, der nur Ärger macht“, sagt Gisela Hölscher von der Arbeitsgruppe „BRB barrierefrei“ beim Ortstermin am Gmunder Bahnhof. Die Gemeinde- und Kreisrätin sowie Senioren- und Behindertenbeauftragte aus Waakirchen hatte gemeinsam mit Markus Ertl, Vorsitzender vom Verein „Ungehindert“, Ralph Seifert, Behindertenbeauftragter des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, Barbara Sokat, Behindertenbeauftragte in Holzkirchen, und Rudolf Probst, Sprecher der Bürgerinitiative „Endstation Lint“, die Umfrage initiiert. Wie Hölscher berichtet, seien die ausgefüllten Fragebögen von den Teilnehmern per Post oder online auf den Weg gebracht worden. Um Mehrfachabstimmungen zu verhindern, hätten die Initiatoren benutzte IP-Adressen geblockt.

Über die Umfrageergebnisse zeigt sich der Lenggrieser Ertl wenig überrascht: „Mir war klar, dass viele die Züge ebenso als Schritt zurück bewerten. Ich war 2020 nicht minder enttäuscht, was hier den Fahrgästen, vor allem aber Fahrgästen mit Behinderungen zugemutet wird.“

Spalt zwischen Bahnsteigkante und Zug

Seifert, auch Landesvorsitzender der VKIB (Vereinigung Kommunaler Interessenvertreter von Menschen mit Behinderung in Bayern), ist genervt: „Die Bayerische Regiobahn betont zwar immer wieder, dass die Züge eine Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt gemäß der europäischen Richtlinie TSI PRM hat und findet dies ausreichend. Da aber wir im bayerischen Behindertengleichstellungsgesetz die Barrierefreiheit deutlich enger definiert haben, verstehe ich nicht, warum die Politik und die Bayerische Eisenbahngesellschaft nicht unsere bayerischen Gesetze als Maßstab anlegen.“

In puncto Barrierefreiheit bringt Hölscher einmal mehr den Spalt zwischen Bahnsteigkante und Zug zur Sprache, der sowohl für Menschen mit Behinderungen als auch Senioren, Eltern mit Kinderwagen, Kinder und Fahrgäste mit Koffern ein großes Problem mit gefährlichen Fallen darstelle. „Außerdem gibt es nur einen einzigen Zugang für Rollstuhlfahrer, keinen Notausgang“, weist Hölscher auf eine mögliche Lebensgefahr für Rollstuhlfahrer hin. Der Waakirchnerin stellt sich die Frage: „Warum müssen eigentlich Menschen mit Behinderungen für ihre Rechte kämpfen?“

BRB mit eigener Umfrage

Was die Lärmbelästigung angeht, sind laut Umfrageergebnis Geräusche und Vibrationen im Vergleich zu den Vorgängerzügen schlimmer geworden. „Offenbar wurde bei den wenigen Testfahrten der BRB im Vorfeld der Einführung der neuen Zugflotte kein Wert auf Lärmvermeidung gelegt“, mutmaßt Probst und merkt an: „Wie sonst käme es an den vermeintlich umweltfreundlichen Fahrzeugen nun aufgrund öffentlichen Drucks zu kostspieligen Nachbesserungen, die die Steuerzahler tragen müssen.“

Interessant ist, dass beispielsweise bei den Fragen zu Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, Klimatisierung beziehungsweise Heizung sowie Komfort und Sauberkeit die große Mehrheit den Lint mit besser oder gleich gegenüber den alten Zügen bewertete. Nichtsdestotrotz steht für das Aktionsbündnis fest, dass etwas passieren muss. „Der Lint ist das falsche Produkt“, sagt Hölscher und fordert neue Züge, betont aber zugleich: „Wir sind nicht auf Konfrontation aus.“ In einer Mitteilung schreiben Arbeitsgruppe und Bürgerinitiative: „Das Ziel muss sein, diese Billigfahrzeuge rasch durch umweltgerechte Fahrzeuge zu ersetzen, die auch vollumfänglich den Anforderungen nach Barrierefreiheit entsprechen.“

BRB lehnt Umfrage ab

Die Ergebnisse der vom Aktionsbündnis durchgeführten Umfrage sind für die BRB keine Überraschung. „Wir mussten damit rechnen, nachdem die Fragestellungen und Fotos auf den Internetseiten der Arbeitsgruppe und Bürgerinitiative eindeutig auf solche Ergebnisse abgezielt haben und die laufende Umfrage mehrfach um Wochen verlängert und teils auch verändert worden war“, sagt Geschäftsführer Fabian Amini. Das Blocken verwendeter IP-Adressen habe offensichtlich nicht funktioniert. „Man konnte beliebig oft teilnehmen“, weiß Amini, der die Studie als sehr tendenziös und unprofessionell einstuft. Sein Urteil: „Es ist keine Umfrage, aus der man meiner Ansicht nach Schlüsse ziehen könnte.“

Hoffnungen des Bündnisses auf andere Züge erteilt Amini eine klare Absage. Der Lint sei eine deutliche Verbesserung – auch für mobilitätseingeschränkte Menschen. Die positive Entwicklung der Fahrgastbefragungen und Qualitätsmessungen des Auftraggebers, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, zeigten klar, dass der Flottentausch die richtige Entscheidung gewesen sei. Ein Weiter so mit den unzuverlässigen und zu wenigen Altfahrzeugen, den damit verbundenen häufigen Liegenbleibern, Zugausfällen, überfüllten Zügen, defekten Toiletten sowie nicht funktionierenden Heizungen im Winter und defekten Klimaanlagen im Sommer wäre nicht mehr zu verantworten gewesen.

Einbau von Absorberringen

„Bei einer Fahrgastbefragung mit 721 Teilnehmern fanden weit über 90 Prozent unserer Kunden die Lint-Neufahrzeuge genauso gut oder besser als die Integral-Flotte“, berichtet der BRB-Geschäftsführer erfreut und hebt hervor: „Wir sind überzeugt, dass dieser Fahrzeugtyp die beste Lösung für die Strecken im Oberland bis zur Umsetzung der Elektrifizierung ist.“ Einzig nachteilig beim Lint sei der Spalt zwischen Bahnsteigkante und Zug, der ein Überbrücken erforderlich mache, räumt Amini ein, stellt aber zugleich fest, dass dieser Nachteil mit besserem Service ausgeglichen werde.

Zum Thema Lärm erklärt der BRB-Geschäftsführer, dass auch weiterhin ernsthaft an der Geräuschoptimierung der Fahrzeuge gearbeitet werde. Bekanntlich habe man sich unter anderem dafür entschieden, an den Radsätzen Absorberringe einbauen zu lassen, die eine erhebliche Reduktion der Quietschgeräusche versprechen. Amini: „Die Umrüstung der 31 Lints soll im Laufe des nächsten Jahres abgeschlossen sein.“ rei

Quelle: DasGelbeBlatt

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