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Experten restaurieren Votivtafel in der Kapelle St. Leonhard in Festenbach

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Gmund – Restauratorinnen des Landesamtes für Denkmalpflege haben eine Votivtafel in der Kapelle St. Leonhard in Gmund-Festenbach gerettet.

Kapelle St. Leonhard in Gmund-Festenbach
1 / 4Die Votivtafel in der Kapelle St. Leonhard in Gmund-Festenbach wurde restauriert. © BLfD
Votivtafel vor der Restaurierung
2 / 4So sah die Votivtafel vor der Restaurierung aus. © BLfD
Votivtafel der Heiligen Kümmernis
3 / 4Die Votivtafel der Heiligen Kümmernis nach der Restaurierung. © BLfD
Eigentümer vor der Votivtafel
4 / 4Die Eigentümer vor der Votivtafel der Heiligen Kümmernis in der Kapelle St. Leonhard in Gmund-Festenbach. © BLfD

Experten des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege haben einen Schatz in Gmund gerettet. Es handelt sich um eine Votivtafel in der Kapelle St. Leonhard in Festenbach. Das Bild hatte Schaden genommen aufgrund ständiger Feuchtigkeit. Nun ist die Tafel in das Kircherl zurückgekehrt.

„Die Votivtafel entstand 1622 und zeigt eine Szene aus dem Leben der Heiligen Kümmernis“, erklärt Julia Steinbach, Referentin für Kommunikation beim bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. „Durch Rost stark geschädigt, wurde die Tafel in den vergangenen Monaten durch Restauratorinnen des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege behutsam bearbeitet.“

Gemälde in großen Bereichen verfärbt

Das Bild der Heiligen Kümmernis, einer bärtigen Frau in langem Gewand am Kreuz, ist in einer dünnen Farbschicht direkt auf eine Eisentafel gemalt. Durch Feuchtigkeit bildete sich Rost, der die Malschicht durchdrang, sie in Schollen abhob und letztendlich absprengte. Der dadurch verursachte Schaden sei deutlich zu erkennen: Das Gemälde ist in großen Bereichen verfärbt.

Das korrodierte Eisen lag in zahlreichen Fehlstellen frei. Im Fokus der Restaurierung stand, die Malschicht zu festigen. Die Farbfassung des Rahmens wurde gereinigt und die großen Fehlstellen wurden in der entsprechenden Farbigkeit geschlossen. Nachdem die abgelösten Farbschollen gefestigt waren, wurden einige Fehlstellen in der Malschicht retuschiert, um das Motiv deutlicher hervortreten zu lassen.

Legenden um die Heilige Kümmernis

„Wenn der Rost bereits untrennbar in die Malschicht eingedrungen ist, können die bestehenden Verfärbungen nicht rückgängig gemacht werden“, sagt Julia Steinbach. „Der nun aufgebrachte Schutzüberzug soll jedoch die weitere Korrosion des Eisens in Zukunft deutlich verlangsamen.“

Die Legenden um die Heilige Kümmernis, auch Heilige Wilgefortis genannt, verbreiteten sich bereits ab dem 15. Jahrhundert von den Niederlanden bis in den Alpenvorraum. Die Heilige Kümmernis galt als Tochter eines heidnischen portugiesischen Königs, die als Christin einen heidnischen Prinzen heiraten sollte. Da sie ihrem christlichen Glauben treu bleiben wollte, gelobte sie Jungfräulichkeit und bat Gott darum, er möge sie entstellen, damit kein Mann sie mehr begehre. Daraufhin, so erzählen unterschiedliche Legenden, ließ Gott ihr einen Bart wachsen. Ihr erzürnter Vater hängte sie dafür ans Kreuz.

Um 1649 als Mariahilf-Kapelle erbaut

Die Kapelle St. Leonhard wurde um 1649 als Mariahilf-Kapelle erbaut und 1799 erweitert. Sie befindet sich im Besitz des neben gelegenen Schusterbauernhofs. Jährlich finden Leonhardi-Umritte statt, zuletzt am 10. November 2019 – also am Sonntag nach St. Leonhard und vor Beginn der Corona-Pandemie.

„Im Landkreis Miesbach gibt es einen reichen Bestand an Kapellen und auch an Bildstöcken“, resümiert die Referentin für Kommunikation. „Nicht alle sind so aufwendig ausgestattet wie die stattliche Leonhardikapelle in Festenbach – ein wirkliches Kleinod im Voralpenraum.“

Fachlich hohes Ausführungsniveau

Früher errichteten gut situierte Bauern oder Handwerker solche Andachtsstätten, um ihren Glauben alltäglich zu praktizieren. Der kultische Gebrauch und der kontinuierliche Erhalt gehörten über Generationen zum Selbstverständnis. Heute mangelt es vielerorts an der notwendigen Pflege.

„Die Restaurierungswerkstätten des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege wollten den Erhalt der konservierungstechnisch herausfordernden Votivtafel aktiv unterstützen“, erklärt sie weiter. „Ziel war auch, dadurch ein fachlich hohes Ausführungsniveau sicher zu stellen.“ ksl

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