Bündnis 90/Die Grünen im Tegernseer Tal
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Die Grünen im Tegernseer Tal rund um den Vorsitzenden Thomas Tomaschek (2.v.l.) fordern ein Umdenken im Sinne des Klimaschutzes.

„Die Zeit zu handeln ist jetzt“

Grünen-Ortsverband Tegernseer Tal mahnt zu mehr Klimaschutz vor Ort

Tegernsee – Die Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen appellieren zu mehr Klimaschutz im Tegernseer Tal. Die Zeit zu handeln sei jetzt.

Der Grünen-Ortsverband Tegernseer Tal reagiert auf die in jüngster Zeit häufig stattfindenden Analysen und Gesprächsrunden zu den Problemen des Tegernseer Tals. „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem“, erklärt Thomas Tomaschek, Vorsitzender des Ortsverbands. „Statt immer nur zu reden, sollten die Verantwortlichen endlich handeln.“

Das Tal stoße in fast allen Bereichen an seine Grenzen. Der Verkehr sei unerträglich, die Landschaft werde verbaut, Wohnraum sei knapp und extrem teuer, Investoren würden sich bereichern und junge Familien würden verdrängt. Dies alles sei bekannt und unerwünscht. Trotzdem würden ständig vermeintlich alternativlose Entscheidungen getroffen, die diese Entwicklungen noch verstärken. „Doch wir könnten anders entscheiden, wenn wir nur wollten“, ist sich Thomas Tomaschek sicher und nennt einige Beispiele:

  • Investoren planen neue Hotels und Wohnblöcke und bereichern sich, obwohl es so gut wie keine Arbeitslosigkeit im Tal gebe und Personal sowie Personalwohnraum Mangelware seien. Es entstünden in den nächsten Jahren mehrere 100 neue Hotelbetten. Die Kosten dieser Projekte würden sozialisiert, indem der Verkehrs- und Freizeitdruck wachse sowie Wohnraum teurer und noch umkämpfter werde. Der Gewinn werde privatisiert und komme einer Handvoll Investoren zugute, die ein stetiges Wachstum in einem begrenzten Tal forcierten. Spannungen zwischen Talbewohnern und Ausflugsgästen würden ebenfalls weiter zunehmen.
  • Herausnahmen aus dem Landschaftsschutzgebiet würden getätigt, um Baurecht zu schaffen und das Tal attraktiver für Tourismus zu gestalten. Doch das Gegenteil sei der Fall: „Wir zerstören unser wichtigstes Kapital, indem wir unsere Landschaft zubauen und so unattraktiv machen, bis die Gäste ausbleiben werden“, erklärt der Vorsitzende des Grünen-Ortsverbands.
  • Die Energienutzungspläne der Gemeinden lägen in der Schublade und würden kaum umgesetzt. Dabei würden diese Pläne konkrete Vorschläge enthalten, um dem Klimawandel zu begegnen und die Energiewende zu vollziehen. Es entstehe der Eindruck, dass die Energienutzungspläne nur als Alibi dienten, um Handlungswillen vorzutäuschen. Ortssatzungen würden Photovoltaikanlagen begrenzen und die Energiewende ausbremsen. Energieeffizienznetzwerken werde teilweise nicht beigetreten und die Straßenbeleuchtung sei in manchen Talgemeinden immer noch nicht auf energiesparende LED-Technik umgestellt. Man fahre auf Sicht und nicht mit Weitsicht.
  • Tiefgaragen entstünden bei jedem zweiten Neubau und würden die Hochwasserproblematik verschärfen. Die maximale Versiegelung großer Grundstücke verursache langfristige Schäden durch das Verlegen von Grundwasserströmen. „Im Tegernseer Kurgarten müssen außerdem noch alte Bäume weichen, um Platz für eine große, zweigeschossige Tiefgarage zu schaffen“, sagt der Grünen-Gemeinderat aus Rottach-Egern. „Parkende Autos verschwinden zwar unter der Erde, aber die Staus auf der Straße bleiben. Im Grunde will keiner diese Autos im Tal haben, aber wir schaffen trotzdem neue Parkflächen.“
  • Der Wald habe eine wichtige Schutzwirkung für das Klima. Er beuge Bodenerosion vor und sei Lebensraum für Wildtiere. Man müsse sorgsam mit ihm umgehen und den Umbau zu einem klimastabilen Wald vollziehen, um das ökologische Gleichgewicht zu wahren. Kahlschläge wie beim Kirchenwald am Tegernseer Höhenweg würden nicht zu einer nachhaltigen Forstwirtschaft passen. Das weltweite Problem des Artensterbens finde auch vor Ort statt. Raufußhühner, Schmetterlinge und Insekten seien vom Aussterben bedroht.

„Bisher fühlten wir uns wie auf einer Insel der Glückseligen, doch die Katastrophenereignisse der jüngster Zeit mit Hochwasser, Sturm, Hagel und Starkregen führen uns deutlich vor Augen: Das Klima ändert sich und wir sind mit betroffen“, sagt Thomas Tomaschek.

Bei den gesetzten Zielen seien sich alle einig. Jeder sei für Nachhaltigkeit, Umweltschutz sowie ein lebens- und liebenswertes Tegernseer Tal. „Bei der Umsetzung dieser Ziele brauchen wir allerdings einen Politikwechsel mit mehr Durchsetzungskraft, Handlungswillen und Mut zu Veränderungen“, erklärt der Vorsitzende des Ortsverbandes und zeigt Lösungen auf, die bekannt seien:

  • Alle Entscheidungen sollten konsequent am Umweltschutz ausgerichtet sowie Außenbereiche und Landschaftsschutzgebiete geachtet werden.
  • Besucher sollten effizient gelenkt werden mit mehr Qualität statt Quantität beim Tourismus.
  • Restriktives Bauen und ein gezieltes Aussuchen von Investoren, die verträglich planen.
  • Mobilitätswende mit massivem Ausbau des ÖPNV sowie Schwerpunkt auf Rad, Bus und Bahn, unter anderem durch starke Reduktion von Parkangeboten, um motorisierten Individualverkehr zu verringern.
  • Konsequentes Energiesparen und entschlossener Einsatz erneuerbarer Energien.
  • Umbau zur ökologischen Landwirtschaft mit kleinbäuerlichen Familienbetrieben, die im Gegensatz zu industriellen Agrarfabriken viel für Landschaft und Artenvielfalt leisten können.

„Je länger wir mit diesen Maßnahmen warten, umso teurer wird für uns der Klimawandel“, resümiert Thomas Tomaschek. „Wir verursachen dauerhafte Umweltschäden und beeinträchtigen die Gesundheit sowie Lebensqualität aller Menschen im Tal.“ Solange die Ökonomie mit dem schnellen Geld im Mittelpunkt stehe, hätten Ökologie und Nachhaltigkeit keine Chance.

„Wir rufen alle Mandats- und Entscheidungsträger auf, mutig zu sein, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen und endlich im Sinne der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes zu handeln“, appelliert der Grünen-Gemeinderat abschließend. „Die Probleme sind längst erkannt und Lösungen gibt es. Die Zeit zu handeln ist jetzt.“ ksl

Quelle: DasGelbeBlatt

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